[reflection] I Swear

I Swear
Titel: I Swear
auf Deutsch bis jetzt erhältlich: nein
Autor: Lane Davis
Genre: Jugendbuch ab 14 Jahren
Verlag: Simon&Schuster Books
Format: Taschenbuch, 288 Seiten
ISBN: 978-1442435063

 


Kurz zum Inhalt:
Nachdem Leslis jahrelang von ihren Mitschülern gemobbt wurde, nimmt sie sich das Leben. Die Mobber sind sich keiner Schuld bewusst, immerhin hat sich Leslie doch selbst umgebracht, entschieden, feig aus dem Leben abzuhauen.
Als ihr Eltern sich allerdings entscheiden, eine Zivilklage einzureichen, müssen sich ihre Mitschüler den Tatsachen stellen und der Frage: welche Schuld tragen wir?

reflection:
Das Buch wird aus vier unterschiedlichen Sichten erzählt: Jillian, Beth und Katherine, die beste Freundinnen sind und Jack, er ist der Zwillingsbruder von Jillian.

Es beginnt alles mit dem Abend, als sich Leslie das Leben nimmt.
Jillian, Beth und Katherine schreiben ihr noch eine Facebooknachricht – es ist eine Liste, der Titel: „10 Dinge, die du in deinem Abschiedsbrief nicht vergessen darfst. “
Mit von der Partie sind auch Macie und Krista, sie gehören ebenfalls zu den Freundinnen, haben aber in dem Buch keine eigenen Kapitel, was irgendwie schade ist, weil je mehr man liest, desto mehr würde man gerne wissen wollen, was in Macies Gedanken los ist. Schon nach wenigen Seiten hasst man sie nämlich abgrundtief und mit jeder Seite wächst der Hass an.
Sicherlich, auch die anderen sind keine Unschuldslämmer, aber man merkt deutlich, dass sie eigentlich nur Mitläufer sind, keine eigene Meinung haben und sich blind Macie anschließen.

Als sie am nächsten Morgen erfahren, dass sich Leslie das Leben genommen hat, reagieren alle unterschiedlich.
Macie und Krista selbstzufrieden, sich aber keiner Schuld bewusst.
Beth bricht in unaufhaltsame Tränen aus.
Katherine und Jillian sind ungläubig, verdrängen die Nachricht.

Und Jack, wer und wo ist überhaupt Jack?
Jack war nicht von der Partie, als die Facebooknachricht geschrieben wurde, er steht in einem anderen Verhältnis zu Leslie. Er war in sie verliebt, was Leslie auch wusste.

In den einzelnen Kapiteln erfährt man nun, wie alle mit den Tod von Leslie umgehen und als sie eine Vorladung auf Grund der Zivilklage erhalten, beginnen sie auch endlich, darüber nachzudenken, welche Schuld sie daran tragen. Bis auf Macie, Macie denkt prinzipiell nicht nach und falls, dann nur an sich –  wie gesagt, ich hasse sie wirklich abgrundtief.

Komplett zerstört hat mich allerdings das Ende, weil es volle Breitseite Realität geliefert hat. Ehrlich, ich saß da und dachte mir die ganze Zeit, was der Scheiß jetzt soll und dann haben meine Gedanken eingesetzt, dass es einfach die Realität ist, auch wenn man gerne eine Alternative dazu hätte, gibt es sie viel zu oft nicht. Und Gerechtigkeit manchmal einfach nur ein leeres Wort ist.

Das Englisch war gut verständlich und ziemlich leicht, was sicherlich auch dazu geführt hat, dass „I Swear“ für mich bis jetzt das beste Buch 2017 war.

[Kurzfazit] Crazy America

Crazy America
Titel: Crazy America: Eine Liebeserklärung an ein durchgeknalltes Land
Autor: Michaela Haas
Genre: Erfahrungsbericht
Verlag: Goldmann Verlag
Format: Taschenbuch, 320 Seiten
ISBN: 978-3442159314


Kauft doch wieder mal in der örtlichen Buchhandlung ein!

Spätestens seit Donald Trump Präsident der USA geworden ist, muss man sich schon fragen, was in diesem Land so abgeht. Dr. Michaela Haas arbeitet als freie Korrespondentin in Amerika, kennt ein wenig die Sitten und Gebräuche, versteht sie zwar nicht immer, versucht aber dem Rest der Welt zu erklären, was unerklärbar scheint.

Das Amerikaner ein eines Völkchen sind, dass lässt sich nicht leugnen, nun könnte man sagen, jedes Land hat doch seine Eigenheiten, aber sagen wir mal so, die USA sind die Meister der Eigenheiten.
Die Autorin gibt in kurzen Kapitel einen Rundumblick – Sicherheit geht über alles, Fingerabdrücke werden wie Briefmarken gesammelt, da ist es auch nicht schlimm, einige doppelt/dreifach oder auch 178 mal zu haben – sicher ist sicher.

Ein Klassiker sind fast schon die absurden Gesetze, die es gibt, ob sie auch wirklich umgesetzt werden, kann die Autorin nicht wirklich sagen, zu vermuten wäre es aber sehr stark.

Ist das Buch auch lustig aufgebaut, wird versucht alles mit Humor zu nehmen, werden aber auch erste Themen angesprochen – Gesundheitssystem, Todesstrafe und Rassendiskriminierung. Frau Dr. Haas schafft den Spagat zwischen Ernst und Humor wunderbar, so dass man die Schwere der Themen durchaus versteht und nachvollziehen kann.

Für mich ist es ziemlich schwer, zu dem Buch eine Rezension zu schreiben – was soll man dazu auch schreiben? Die Autorin beschreibt auf amüsante Art und Weise das amerikanische Völkchen, ohne aber jemals den Ernst mancher Themen auszuklammern. Wer sich für Amerika interessiert, wer vielleicht dort Urlaub machen möchte – für dem ist dieses Buch auf jeden Fall empfehlenswert.

Wonder Woman [Film]

BildergebnisTitel: Wonder Woman
Regie: Patty Jenkins
Drehbuch: Jason Fuchs, William M. Marston

Produktionsland: USA
Dauer: 141 Minuten
Erscheinungsdatum: 2017
Altersfreigabe: FSK 12

Log-Line:
Vor ihrem Siegeszug als Wonder Woman wurde die Amazonenprinzessin Diana zu einer unüberwindlichen Kriegerin ausgebildet. Sie wuchs in einem abgelegenen Inselparadies auf – erst von einem notgelandeten amerikanischen Piloten erfährt sie von den fürchterlichen Konflikten im Rest der Welt. Darauf verlässt sie ihre Heimat, weil sie überzeugt ist, dass sie der bedrohlichen Situation Herr werden kann. In dem Krieg, der alle Kriege beenden soll, kämpft Diana an der Seite der Menschen, entdeckt allmählich ihr volles Potenzial… und ihre wahre Bestimmtung.

Meine Meinung:
Im 5. Anlauf hat es endlich geklappt; Wonder Woman ist an den Kinos angelangt! Seit 1996 haben sie es versucht, anfangs war sogar Sandra Bullock im Gespräch als Amazonen-Prinzessin!

Aber dank der DC-Extended-Expertise, die 2013 mit „Man Of Steel“ begann, ist es jetzt soweit. Und passenderweise führte (was trotz der Moderne ganz ungewöhnlich ist) eine Frau Regie. Patty Jenkins hat z.B. im Jahr 2003 „Monster“ gedreht, wo die Schauspielerin Charlize Theron 2004 den Oscar bekam. Nach dem Motto: „Frauen an die Macht!“ Aber konnte der Film auch überzeugen?

Ich war zwiegespalten; einerseits wollte ich gerne den Film sehen (auch über die Art und Weise, wie dieser gestaltet wird), aber andererseits war ich doch sehr voreingenommen von ihrer vorherigen Performance in Batman v Superman – Dawn Of Justice. Ich fand sie überheblich, arrogant und extrem aufgesetzt. Mrs. Jenkins hat hier vieles besser gemacht als Zack Snyder, der Charakter wirkt hier viel echter.

Ich (als DC-Fan) fand die Einführung recht interessant und die Überschneidungen der (griechischen) Antike passend. Nach der Philosophie-Stunde kam die Aktion in Form eines Flugzeugabsturzes von Cpt. Kirk … ach ich meine natürlich von Chris Pine. Und auch der „große Krieg“ kam in die Welten der Amazonen. Etwas überrascht war ich aber, als ich erfuhr, dass es um die Zeit des ERSTEN Weltkrieges handelt. Aber warum auch nicht. Nach der Abwehr der „Deutschen Welle“ ging auch schon das Abenteuer los; Wonder Woman und der Bruchpilot (sein Name der Vollständigkeit halber: Steve Trevor) reisen mit einem kleinen Bötchen nach London – und erreichen es auch bald.

Umschiffen wir mal die Logiklöcher und kommen zum weiteren Verlauf. Gewisse Pointen haben wahrlich einen Lacher in mir hervorgekitzelt, viele andere aber versanken im blauen Nichts. Aber ich muss zugeben, der lustigste Charakter war die Sekretärin beim Geheimdienst. Welch ein famoser Spaß!

Und die Action? Ja sie ist da, wenn sie auch wie ein Metronom hin und her schwankt und zumeist bei Stellen auftritt, wo es nicht sonderlich viel Sinn macht. Die Beziehung zwischen der Prinzessin und des Piloten/Soldaten/Geheimagenten war für mich zu gezwungen, als MÜSSTEN die beiden zusammen kommen – das hat man deutlich gespürt. Die anderen Charaktere der „Infiltrations-Einheit“ … naja sagen wir, da blieb nicht viel hängen.

Auch wenn der Endkampf sehr pompös insziniert wurde, merkte man doch die Überlänge dieses Filmes. Beim „Einsatz“ an der Front hatte man das Gefühl, dass die Charaktere sich durch die Welt stolpern und nicht so recht wissen, was sie da eigentlich machen!?

Die Auflösung war nett … aber da wäre wirklich mehr möglich gewesen. Allein die Thematik des Krieges, ihrer Ursachen, ihrer Wirkung. Sie war ja genauso involviert wie die Bösen (z.B. hat deutschen Müttern ihre Söhne geraubt). Wollte Sie nicht in die Schlacht ziehen? Wollte sie nicht kämpfen? Hier hätte man gute Parallelen setzen können – leider vergebens. Darüber hinaus, als dann der Bösewicht das zeitliche gesegnet hat, was war dann mit den anderen Kriegen? Hat sie was dagegen getan? Hat sie es zumindest versucht? Von der Zeitlinie her entstand ein rießiges Loch zwischen „Wonder Woman“ und „Batman v Superman“. Viele Fragen blieben unbeantwortet.

Fazit:
Trotzdem … ein netter Superhelden-Film, mit guten Szenen und netten Ideen. Auch der Umstand, dass jetzt endlich wieder einmal eine Frau das Ruder übernommen hat (in doppelter Hinsicht) kann ich nur begrüßen. Ein guter Film für Zwischendurch, der absolute Burner wurde es aber nicht.

Mein Rating:
7/10

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Wonder_Woman_(2017)

http://www.imdb.com/title/tt0451279/

Tote Mädchen lügen nicht [Serie]

Bildergebnis für tote mädchen lügen nicht

Titel: Tote Mädchen lügen nicht
Idee: Brian Yorkey
Buchvorlage: Jay Asher
Produktionsland: USA
Staffeln:  1 (zweite Staffel ist geplant)
Jahr: 2017

Inhalt:
Zwei Wochen nach dem Selbstmord seiner Mitschülerin Hannah Baker erhält der High-School-Schüler Clay Jensen ein Päckchen. In diesem findet er sieben Audiokassetten vor, auf denen Hannah 13 Gründe für ihren Selbstmord nennt und Personen aus ihrem Umfeld die Schuld dafür gibt. Jede Person ist daher für (mindestens) einen der Gründe verantwortlich. Clay ist einer von ihnen. Während er die Kassetten hört, kommt er den dunklen Geheimnissen von Hannah und vielen anderen Mitschülern auf die Spur.

Meine Meinung:
2009 – das Buch „Tote Mädchen lügen nicht“ erschien und ich habe es natürlich sofort gelesen, weil mich das Thema Selbstmord lange schon beschäftigte.
Ich weiß noch, das Buch war ganz gut, allerdings hat mir das Hörbuch noch besser gefallen, weil man hier ein wenig das Gefühl hatte, wirklich selbst die Kassetten anzuhören – ich muss sagen, ja ich mochte die Geschichte sehr.

2017 – weil man irgendwie zur Zeit alles verfilmt, kommt die Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ auf Netflix und bei mir fällt gleich die Entscheidung – muss ich gucken!
Man sagt oft, das Buch ist immer besser als die Verfilmung, mit diesem Gedanken ging ich an die Serie, meine Erwartungen waren klein, aber vorhanden.

Jetzt sitze ich hier und weiß, dass ich etwas schreiben muss, soviel ist mir klar, aber was ich schreiben soll, welche Worte verwenden, keine Ahnung, ich versuch es einfach irgendwie.

Die Serie hat für viel Wirbel gesorgt. Sie könnte Menschen auf falsche Gedanken bringen, besonders Jugendliche seien gefährdet.
Psychologen in den Vereinigten Staaten warnten Jugendliche und Erwachsene davor, sich die Serie anzusehen, da diese psychische Probleme hervorrufen oder gar verstärken könne. Auch wurde davor gewarnt, dass die Serie zu Trittbretttaten führen könnte.Ebenso forderten sie Netflix dazu auf, die Ausstrahlung der Serie zu beenden. Paris Jackson unterstützte die Kritik der Psychologen und vertritt die Meinung, dass die Serie bei psychisch vorbelasteten Menschen eine Verschlechterung des seelischen Gemütszustandes hervorrufen könne. 
….
An mehreren kanadischen Schulen wurde die Fernsehserie verboten; in Neuseeland dürfen Minderjährige, nach einem Beschluss der nationalen Behörden, die Serie nur im Beisein eines Erziehungsberechtigten sehen. (Quelle: Wikipedia)

Und ich sitz so da und denk mir: 2009 ist das Buch erschienen, da hat es irgendwie keinen interessiert, weil Leser sich scheinbar nicht umbringen und Seriengucker schon. Gut, wie auch immer.

Ich hab die Serie angeschaut, hab mich durch Kritiken gelesen – positive und negative und bleibe bei meinen Fazit, dass die Geschichte gut und wichtig ist.

Nicht alles was in der Serie gezeigt hat, erhält meinen Zuspruch. Bei einigen der 13 Gründen habe ich mir wirklich gedacht, ob Hannah es wirklich ernst meint, den Personen ihren Selbstmord anzuhängen, bei anderen Gründen wollte ich einfach nur, dass die Personen zur Verantwortung gezogen werden. Es war durchmischt und so war es wohl auch vor Hannah. Einige Gründe erscheinen auf den ersten Blick lächerlich, aber sie türmen sich auf – bis der Turm so hoch ist, dass er einfach umfällt.

Wie gesagt, nicht alle Gründe die Hannah anführt, fand ich gerechtfertigt, nicht jeder hatte in meinen Augen verdient, eine Kassette zu erhalten, aber ich verstehe sie letztlich.
Ist man an dem Punkt angelangt, wo Suizid als einzig möglicher Ausweg erscheint, reagiert jeder anders. Manche gehen in Stille, lassen keine Nachricht zurück und andere, wie Hannah, schreiben ihre Art von Abschiedsbrief.
Ein Selbstmord entzieht sich jeglicher Logik.

Wo ich mir allerdings sicher bin: ein Verbot bringt gar nichts. Wir leben im Zeitalter des Internets, dort findet man alles und wenn wer die Serie schauen möchte, dann findet er Wege.  Hätten meine Eltern gesagt: „Kind, du schaust die Serie nicht alleine, so steht es im Gesetz und daran hast du dich zu halten.“, hätte ich genickt, wäre in mein Zimmer marschiert und hätte mich direkt an den Computer gesetzt – hätte die Serie halt heimlich geschaut. Genau hier sehe ich auch das Problem, wird es heimlich geschaut, erzählt man es natürlich keinen Erwachsenen, wenn man versteht, nachfühlen kann, was Hannah durchmacht. Man bleibt alleine, mit seinen Gedanken.

Wer will, der soll bitte die Serie schauen, wichtig ist eigentlich nur, dass man darüber spricht, dass nicht der erhobene Zeigefinger geschwungen wird, weil man sowas schlimmes ja nicht schauen darf, sondern das man sagt, okay, du hast es geschaut, lass uns darüber reden und wenn du nicht jetzt darüber reden willst, sollst du einfach nur wissen – ich bin für dich da, wenn irgendwas ist, komm zu mir.

„Tote Mädchen lügen nicht“ ist extrem erfolgreich und anstelle das man die Chance nutzt, darüber zu sprechen, kommen solche Sachen – Die australische Gesundheitsorganisation Headspace kritisierte, dass die Serie gefährliche Inhalte mit dem Thema Suizid verbinde. Managerin Kristen Douglas wies darauf hin, dass Anrufe und E-Mails bei Beratungsstellen, die direkt auf die Serie bezogen waren, zugenommen haben. [Quelle Wikipedia]

What?! Klar werden ein paar Vögel dabei sein, die einfach aus Spaß dort anrufen, irgendeinen Murks erzählen, aber was ist mit denen, die den Mut gefasst haben, offen zu sprechen, anstatt ihre Gefühle verschlossen zu halten, sollen die bitte die Anrufe bleiben lassen, weil das ja auch irgendwie niemand will.

Alle 40 Sekunden nimmt sich irgendwo auf der Welt jemand das Leben, auf jeden vollendeten Suizid kommen circa 20 Versuche.
Diese Zahlen sind seit Jahren beständig und trotzdem ändert es nichts daran, dass man über Suizid nur hinter vorgehaltener Hand spricht. Jetzt kommt eine Serie, packt das Thema beim Schopf und wieder wird versucht, das Thema unter den Teppich zu kehren.

Hannah Baker ist eine fiktive Person, aber es gibt so unendliche viele Hannah Bakers in der Welt, sie heißen zum Beispiel: Cassidy TrevanRehtaeh ParsonsTim RibberinkHannah SmithBrandy VelaDaniel FitzpatrickJonathan Paul Gettle, Kristina Calco, Teddy Molina, Amanda ToddKaren WardJadin BellGabriel Taye, Alyssa MorganMatthew Burdette, Steven UrryPhoebe PrinceAlyssia Sosa, Kenneth SuttnerGeorge Cheese, Julia DerbyshireJulio RodriguezFelix AlexanderTharukshan Selvan, Caleb HershiserBethany Thompson, Vylit Giessen, Joel Horn …. und diese Liste lässt sich so unendlich lange fortführen.

Hört zu. Seid füreinander da.
Und lasst uns nicht eine Serie verurteilen, nur weil sie ein Thema behandelt, welches wir lieber ausblenden würden, dadurch wird es nicht weniger real.

  • Telefonseelsorge Deutschland: 0800-1110111 (evangelisch)
    0800-1110222 (katholisch)
  • Telefonseelsorge in Österreich: 142
  • Die Dargebotene Hand in der Schweiz: 143

 

 

[reflection] Chester and Gus

Chester and Gus
Titel: Chester and Gus
auf Deutsch bis jetzt erhältlich: nein
Autor: Cammie McGovern
Genre: Kinderbuch ab 8 Jahren
Verlag: HarperCollins
Format: Hardcover, 272 Seiten
ISBN: : 978-0062330680


Kauft doch wieder einmal in eurer örtlichen Buchhandlung ein!

Kurz zum Inhalt:
Chester befindet sich gerade in der Ausbildung zum Begleithund, als ihn bei seiner Abschlussprüfung die Furcht vor lauten Geräuschen einen Strich durch die Rechnung macht und er die ersehnte, offizielle, Weste nicht erhält.
Hunde die durch diese Prüfung fallen, werden als normale Haustiere vermittelt.
Gus ist ein zehnjähriger Junge mit Autismus, seine Eltern beschließen, einen Hund für ihn aufzunehmen, damit der Junge sich mehr der Umwelt öffnet – es kommt nicht gerade ungelegen, dass Chester viel mehr trainiert ist, als ein anderer Hund.
Langsam entwickelt sich zwischen den beiden eine Freundschaft, mit gewissen Hindernissen.

reflection:
Die Geschichte ist aus der Sicht von Chester geschrieben, der sich furchtbar anstrengt, die Prüfung zu bestehen, wurde ihn doch schon seit er klein war mitgegeben, dass in der Welt dort draußen ein Job und eine bestimmte Person auf ihn wartet.
Nun ist es so, wenn ein Gewitter aufzieht, es donnert, ist Chester der Erste, der sich irgendwo versteckt, viel zu viel Angst macht ihn der Lärm und wie es ist, genau als er die Prüfung ablegen soll, kommt ein Donner dazwischen und er fällt durch die Prüfung.
Hier hatte ich schon zum ersten Mal Herzschmerz, weil man mit Chester leidet, der sich als Verlierer fühlt und denkt, seinen Sinn im Leben nicht gerecht zu werden.

Gus ist ein Junge, der in seiner eigenen Welt lebt. Er kommuniziert nicht wirklich, hat nur Laute, die seine Eltern zu deuten wissen, niemand jedoch sonst. Tiere können ein besonderer Schlüssel zu Menschen sein, dass hoffen auch Gus Eltern und nehmen deshalb Chester auf.
Chester, der sich wahnsinnig freut, weil er jetzt doch noch von jemanden auserwählt worden ist, sieht hier seinen Job, seinen Menschen, weil auch ohne Prüfung ist er der Meinung, hat er seine Aufgabe, die es zu erfüllen gilt.
Gus ist allerdings anderer Meinung und hält Abstand zu dem Hund, der ihn einfach zu fremd erscheint. Chester fühlt sich daraufhin ziemlich mies, aber wie Tiere sind, beschließt er seinen Jungen Zeit zu lassen, weil so viel weiß er schon – Gus ist sein Junge, komme was da wolle.

Damit ist eigentlich die Grundkonstruktion der Geschichte erzählt, es warten noch so einige aufregende Situationen auf die Beiden, besonders als Chester mit ihn die Schule darf, um Gus dort mehr mit seinen Mitschülern vertraut zu machen.
Es ist gerade Chesters Sicht, die dieses Buch ausmacht, weil er so absolut urteilsfrei an Situationen geht. Er versteht zwar nicht immer alles, aber niemals wäre er abwertend, er versucht zu verstehen oder nimmt es einfach als gegeben hin. Eine Eigenart, von der wir uns Menschen ein Stückchen abschneiden können.

Ein Sohn der Autorin leidet tatsächlich an Autismus, sprich, wenn sie über die Verhaltensweisen von Gus schreibt, ist es absolut authentisch und nachvollziehbar.
Ebenso die Beziehung zu Chester, denn auch ihr Sohn ist mit einem Hund aufgewachsen, sie weiß also, was es bedeutet, wenn dein Kind langsam einen Zugang zur Welt findetdurch ein Tier.

Die Geschichte geht zu Herzen, hat mich unglaublich berührt und mir gezeigt, das Mut in so vielen Formen vorfindbar ist und es manchmal Umwege braucht, um ans Ziel zu gelangen – es ist machbar, solange man nur einen guten Freund an seiner Seite hat.

Der Schreibstil ist wunderbar einfach, dass Buch wird ab 8 Jahren empfohlen, was die Geschichte leicht lesbar macht, obwohl der Inhalt doch ziemlich ernst ist. Hier musste ich wirklich nur wenige Wörter nachschlagen.

Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spaß

Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spaß
Titel: Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spaß
Autor: Christoph Wortberg
Genre: Jugendbuch ab 14 Jahren
Verlag: Beltz & Gelberg
Format: Taschenbuch, 192 Seiten
ISBN:978-3407746597


Kauft doch wieder mal in der örtlichen Buchhandlung ein!

 

Für Lenny war sein älterer Bruder Jakob immer ein Held, zu dem er aufgeschaut hat, doch nun ist er tot und Lenny beginnt sich Fragen zu stellen.
Wer war sein Bruder? Kannte er ihn überhaupt wirklich?
Auf seiner Suche nach Antworten trifft er auf Rosa, die seinen Bruder kannte, besser als er vielleicht …

Dieses Buch ist mir letztes Jahr zum ersten Mal untergekommen, weil ich mir aber auf den Inhalt nicht wirklich einen Reim machen konnte, ist es dann doch irgendwie in Vergessenheit geraten. Nun, wie so oft, kam Meister Zufall um die Ecke und das Buch zu mir.

Schon nach den ersten Seiten erfährt man, dass Lennys Bruder beim Bergsteigen tödlich verunglückt ist, alleine schon, wie man mit Trauer umgeht, hätten dieses Buch sicherlich gefüllt, doch es geht auf eine andere Ebene hinaus.
Jakob war ein erfahrender Bergsteiger, so will es Lenny nicht so recht glauben, dass er alleine unterwegs war und dabei abgestürzt ist. Niemals würde er alleine gehen, dafür ist es zu gefährlich. Seine Eltern wollen dieses Gedanken gar nicht aufkommen lassen und verkriechen sich.

Dieses schmale Büchlein hat mich bis zur Hälfte auf ungeahnte Weise berührt. Ich habe mich nichts erwartet und unglaublich viel bekommen. Es fällt schwer zu sagen, was genau all die Gefühle ausgelöst hat, aber sich mich Lenny auf die Spuren seines Bruder zu begeben, ist voller Emotionen, die mich als Leser mitgerissen haben.
Besonders auch, weil er alleine gelassen wird, seine Eltern kämpfen mit ihren eigenen Problemen, wollen nichts hören und so macht Lenny sich alleine auf, seine Gedanken zu sortieren, was extrem aufwühlend ist.

Wer war Jakob? Für Lenny war er der große Bruder, den er nachzustreben versuchte, für seine Eltern war er das Wunderkind, welches nie Probleme bereite, doch war Jakob wirklich so oder hatte er etwas unter der Oberfläche verborgen? Hat sein innerer Dämon ihn gefangen genommen, dass er letztlich nur diesen einen Ausweg kannte?

Ab der Hälfte flacht die Geschichte ziemlich schnell ab und verliert an Intensität.
Rosa taucht auf und gerade ihre Beziehung zu Jakob war für mich viel zu schnell aufgedeckt und abgehandelt. Ich denke, da hätte es durchaus mehr Seiten geben können, die dem Buch gut getan hätten, um alles wieder mit so vielen Emotionen zu füllen, wie den ersten Teil.

Das Buch ist wunderbar geschrieben, lässt sich leicht und rasch lesen, nur leider ist der Bruch in der Mitte ziemlich gravierend. Es macht die Geschichte nicht schlecht, sie bleibt immer noch lesenswert, aber doch blieb ich letztlich ein wenig enttäuscht zurück, auf Grund der vergebenen Chancen, Jakobs Gedanken besser kennenzulernen.

[reflection] The Way I Used to Be

The Way I Used to Be
Titel: The Way I Used to Be
auf Deutsch bis jetzt erhältlich: nein
Autor: Amber Smith
Genre: Jugendbuch ab 14 Jahren
Verlag: Margaret K. McElderry Books
Format: Taschenbuch, 384 Seiten
ISBN: 978-1481449359

 


Kurz zum Inhalt:
Edens Leben war normal, weder sonderlich aufregend, noch langweilig – doch als der beste Freund ihres Bruder sie vergewaltigt, bricht ihre Welt zusammen.
Sie schweigt. Ihr Umfeld bemerkt eine Veränderung, aber so sind Teenager nun einmal oder?
Sie spielt eine Rolle, fängt an, alle wichtigen Menschen wegzustoßen, weil niemand ihr Geheimnis kennt, weil niemand wirklich versteht, was mit ihr los ist und zwischen ihren aufgezwungenen Lächeln, zwischen der gespielten Coolness, verliert sie sich selbst Stück für Stück.

reflection:
Als Leser wird man schon auf den ersten Seiten in Edens Geheimnis eingeweiht, sie erzählt den Moment der Vergewaltigung und obwohl ihre Mutter am nächsten Morgen Blut auf ihren Bettlacken findet, ein verstörtes Mädchen, dass sprechen möchte, aber nicht kann – kommt es zur Erklärung, dass einfach nur die monatliche Periode war – eine Idee, die Eden versucht anzunehmen, um auszublenden, was wirklich geschah.

Wir lernen sie langsam kennen, wer sie ist, nach der Tat und wer sie war, davor.  Es gibt einen Einblick, wie sehr sich alles nach dieser Nacht verändert hat. Versucht Eden am Anfang noch einwandfrei zu funktionieren, zerbricht diese Fassade bald und lässt etwas anderen durchkommen.
Normalerweise, wenn es in einem Jugendbuch über das Thema Vergewaltigung geht, erlebt man eine/n verzweifelte/n Protagonisten/in und auch hier war es zu Beginn Verzweiflung, die sich aber je weiter die Geschichte ging, in unglaubliche Wut verwandelt hat. Wut auf die Welt, Wut auf Männer, aber auch Wut auf sich selbst.

Wahnsinnig gut fand ich es bei dem Buch, dass es einmal ein Symptom nach Missbrauch bespricht, was sich kaum jemand vorstellen kann und fasst nie Gehör findet: Promiskuität.
Zuerst fängt es damit an, dass sie an der Schule plötzlich nur noch Schlampe genannt wird und irgendwie fängt sie an, einfach diesen Ruf gerecht zu werden, weil sie merkt, dass es ihr hilft, die Macht über die Männer zu haben. Nicht mehr hilflos, wehrlos zu sein, sondern in der Position, wo sie es ist, die bestimmt.
Sie spielt mit den Männern, verletzt sie und es ist schwer, sie in diesem Momenten nicht zu hassen, weil sie alles dafür tut, dass man sie verachtet, doch als Leser bekommt man ihre Gedanken mit, ist zerrissen – einerseits versteht man sie und andererseits war für mich auf nur Unverständnis vorhanden.

In der Mitte des Buches war es für mich fast soweit, dass ich Eden einfach nicht mehr ausstehen konnte. Natürlich war im Hinterkopf das Wissen, was mit ihr geschehen ist und trotzdem war es meiner Meinung nach kein Freifahrtschein, allerdings ist die Sache so – hätte jemand mit ihr gesprochen, durch ihre Wut hindurch, hätte er nicht locker gelassen, Vorwürfe vermeidet, dann denke ich, hätte man die Fassade von ihr knacken können und ich denke, genau das will das Buch auch zeigen – das ein Geheimnis einen innerlich so zerstören kann, dass man die Zerstörung nach außen trägt, in welcher Form auch immer.

Als ich Eden langsam hassen begonnen habe, habe ich auch das Buch gehasst, fand es dämlich, das Thema Missbrauch miserabel umgesetzt, erst gegen Ende hin ist mir aufgegangen, dass es so sein musste, dass man lernt, unter die Oberfläche zu schauen und hinter jeder Wut so viel mehr stecken kann, als man zuerst erachtet – es hat mir, wieder einmal, gezeigt, dass man Menschen nicht einfach so pauschal verurteilen darf, wenn man sie nicht wirklich kennt.

Letztlich fand ich die Geschichte großartig umgesetzt, ein wirklicher Rausch an Gefühlen, wobei von der Palette alles dabei war, was man sich nur vorstellen kann.

Bezüglich dem Stil, ist das Buch eigentlich relativ leicht geschrieben, allerdings haben sich doch einige schwieriger Wörter eingeschlichen, so dass ich öfters das Wörterbuch zu rate ziehen musste, weshalb es wohl eher für etwas geübtere Leser geeignete ist.