Farbenblind

Farbenblind
Titel: Farbenblind
Originaltitel: Born a Crime – Stories From A South African Childhood
Autor: Trevor Noah
Genre: Erfahrung/Biografie
Verlag: Blessing Verlag
Format: Hardcover, 336 Seiten
ISBN: 978-3896675903


Kauft doch wieder mal in der örtlichen Buchhandlung ein!

Trevor Noah wurde 1984 in Südafrika, als Sohn einer Xhosa und eines Schweizers, geboren. Es hätte ihn nie geben dürfen, da das Unsittlichkeitsgesetz des Apartheidsregimes es verbietet, dass Schwarze und Weiße zusammen ein Kind bekommen.

Nun war aber Trevor trotzdem auf der Welt, nicht schwarz und nicht weiß. Irgendwo dazwischen. Ein Mischling. Segen und Fluch zugleich.
Er wurde nicht so schlecht wie ein schwarzer Mensch behandelt, hatte gewisse Privilegien denen gegenüber, doch die „Vorzüge“ eines Weißen wurden ihm auch nicht zuteil.

Aufgezogen wurde er von seiner Mutter, seinen Vater sah er regelmäßig, wobei er hier immer aufpassen musste, ihn nicht Papa zu nennen. Offensichtlich dass er ein „Mischling“ ist, durfte doch keiner seinen Vater tatsächlich kennen. Ebenso musste er als Kind oft in der Wohnung bleiben, damit die Nachbarn ihn nicht sahen, wuchs er doch in einem rein schwarzen Viertel auf.
Erst als er mit seiner Mutter umzog, in ein Viertel, wo es mehr Kinder wie ihn gab und niemand wirklich Fragen stellte, war sein Versteckspiel beendet.

Aufgewachsen ist er im Township Soweto, weshalb man sich wohl denken kann, dass es eine Kindheit in Armut war. Auch wenn seine Mutter hart arbeite, fehlte es manchmal am Nötigsten, doch es ist gerade seine Mutter, die eine absolute Kämpfernatur ist und sich niemals unterkriegen hat lassen, diese Einstellung hat sie auch Trevor weitergegeben.

Seine Mutter hat sich nicht dem Apartheisregime untergeordnet, hat sich nicht klein kriegen lassen, wenn sie etwas erreichen wollte, hat sie dafür gekämpft, gegen alle Widrigkeiten und sie hat auch ein bisschen mit Trevor gekämpft. Ich glaube, man könnte sagen, er war so ein richtiger Wildfang. Mit Strenge und Härte wurde er erzogen, doch auch mit ganz viel Liebe. Mir ist zwar klar, dass dieses Buch über sein Leben handelt, jedoch finde ich seine Mutter ebenso beeindruckend und bin froh, dass sie einigen Platz in seinen geschriebenen Erinnerungen eingenommen hat.

Was man mit Fortschreiten der Geschichte wahrnimmt, ist die Zerrissenheit von Trevor. Wohin gehört er? Schwarz? Weiß? Die Menschen verlangen von ihm, dass er sich für eine Seite entscheidet, damit sie ihn in eine Kategorie stecken können. Und er sucht, er sucht sich und stellt letztlich fest, dass er schwarz ist. Es mag eine komische Entscheidung sein, aber für ihn war es wichtig, dass er weiß, wohin er gehört, damit er nicht mehr irgendwo zwischen den Seilen hängt.

Spannend fand ich, als er schrieb, in Südafrika wisse eigentlich niemand, was es mit dem Nationalsozialismus in Europa auf sich habe. In der Schule wurde das Thema nie thematisiert, weil das Land selbst mit der Apartheid genug eigenen Geschichtsstoff hatte – Hitler bei ihnen sogar ein legitimier Name für ein Kind war/ist.
Was mich hierbei zum Nachdenken gebracht hat: irgendwie stimmt es schon, in der Schule habe ich über die SS-Zeit gelernt, allerdings gar nichts über die Apartheid, was im Nachhinein betrachtet eigentlich tragisch ist. Sicherlich, der Geschichtsunterricht sollte sich auf das Land beziehen, wo man lebt, doch ein Blick über den Tellerrand würde nicht schaden, könnte zeigen, was es alles noch auf der Welt gibt.

Trevor Noah ist ein ziemlich bekannter Comedian in Amerika – ich kannte ihn vor dem Buch nicht und habe seine Geschichte gelesen, weil ich sie einfach interessant fand. Jetzt muss ich aber sagen, für mich war das ganze Buch ziemlich hölzern, die Sätze wirkten aufgesetzt und waren einfach nicht im Klang stimmig für mich als Leser.
Sophie von Literaturen hat dazu auf Facebook was interessantes geschrieben:

Das erste Mal seit langer Zeit habe ich ein Buch (Trevor Noah – Farbenblind) begonnen, von dem ich nun denke, dass ich es mir besser in Originalsprache besorgt hätte. Eine aufdringlich lässige und coole Sprache, hinzugefügte Satzteile, die im Original nicht existieren, während andere hingegen in der Übersetzung plötzlich ohne mir ersichtlichen Grund nicht mehr vorkommen – das strengt mich an beim Lesen, es erzeugt einen starken Widerwillen, Überdruss, Langeweile. Der Sound scheint für mich nicht zum Buch zu passen, obwohl er sich krampfhaft viel Mühe gibt, das Original zu imitieren. Vielleicht ist das das Problem, eine gewisse Krampfigkeit, die sich aber als Lässigkeit auszugeben versucht. Es ist extrem schade, aber nach knapp 40 Seiten muss ich es erstmal beiseite legen und ggfs. zu einem späteren Zeitpunkt darauf zurückkommen.

Wie gesagt, ich kenne Trevor Noah nicht als Comedian und das englische Original des Buches habe ich nicht gelesen, doch Sophie hat verglichen und ich denke, es könnte wirklich sein. Die Geschichte an sich war interessant, doch der Schreibstil klang ziemlich aufgesetzt und gezwungen, weshalb es nicht unbedingt leicht war, das Buch zu beenden.

Das Leben nach Boo

Das Leben nach Boo
Titel: Das Leben nach Boo
Originaltitel: Boo
Autor: Neil Smith
Genre: Belletristik
Verlag: Schörfling Verlag
Format: Hardcover, 416 Seiten
ISBN: 978-3895614965


Kauft doch wieder mal in der örtlichen Buchhandlung ein!

Oliver »Boo« Dalrymple ist dreizehn Jahre alt, hochbegabt, wenig beliebt und vor allem tot. Vor wenigen Minuten stand er noch vor seinem Schulspind, vertieft in Gedanken und dann war er plötzlich in einem Wiedergeburtsraum, wo er von Thelma begrüßt wird. Sie selbst wurde in den sechziger Jahren gelyncht und erklärt ihm nun, dass er tot ist und sich im Himmel für verstorbene amerikanische Jugendlich seines Alters befindet.

Rationalist wie Boo nun einmal ist, findet er die Angelegenheit mehr als interessant, gibt es doch die Möglichkeit, Wissen zu erlangen, was ihm bis jetzt verborgen blieb. Die Tatsache das er tot ist, scheint ihm nicht sonderlich zu bekümmern, erst als sein ehemaliger Klassenkamerad Johnny ebenfalls in der Stadt auftaucht, wird er damit direkt konfrontiert.
Beide wurden nämlich bei einem Amoklauf an ihrer Schule getötet, wo Boo es hinnimmt, möchte Johnny Rache nehmen. Zwischen den Beiden entsteht eine Freundschaft und deshalb machen sie sich zusammen auf die Suche nach der Wahrheit.

Buchbüchse  hat dieses Buch kurz vor dem Erscheinungstermin auf ihrer Instagram Seite vorgestellt, wofür ich ihr immer noch dankbar bin, ansonsten hätte ich diesen kleinen Schatz nämlich sicherlich übersehen.

Eigentlich konnte ich mir keinen großen Reim auf den Inhalt machen, sicherlich, man liest die Inhaltsbeschreibung und doch, was ist schon der Himmel, wie hat ihn der Autor aufgebaut, braucht es einen eigenen Glauben, um die Geschichte aufnehmen zu können oder ist es gar nicht so streng religös. Fragen die ich mir gestellt habe, die Antwort darauf ist aber ganz einfach: dieses Buch ist nicht religös. Klar, die Protagonisten sind im Himmel, Zig ist ihr Gott, aber damit hat es sich auch schon mit dem Glauben. Demzufolge eigentlich sich das Buch für Jedermann, ob Christ, Muslim, Buddhist, Atheist usw., weil der Himmel nur der Schauplatz ist, die Geschichte könnte überall spielen.

Das Buch ist aus der Sicht von Boo geschrieben, der an seine Eltern schreibt. Klingt dramatisch, aber er erzählt sehr nüchtern, beobachtend. Er ist nicht der Typ für große Gefühle und trotzdem löste er bei mir Gefühle aus. Man möchte ihn nicht umarmen, nein, man möchte eigentlich nur neben ihm sitzen, damit er einen die Geschichte persönlich erzählt, was ja eigentlich beim Lesen stattfindet. Nahm ich das Buch zur Hand, habe ich mich eigentlich neben Boo gesetzt und ihm zugehört, den Himmel gemeinsam mit ihm entdeckt.

In seinem Leben hatte Boo keine Freunde, im Himmel jedoch findet er Johnny, obwohl ihre Verbindung eine tragische ist, umspannt ihr Zusammensein eine wohlige Wärme, die man vorbehaltslos aufnehmen kann. Generell ist es dem Autor gelungen, alle Figuren in dem Buch so zu zeichnen, dass man sie gerne kennengelernt hätte.

Man könnte jetzt sagen, klingt zwar nett, aber irgendwie fehlt die Spannung, stimmt, aber die Spannung kommt auf, wenn man sich mit den Freunden auf die Suche nach dem Amokläufer macht und wie soll ich sagen, es ist der Wahnsinn! Mehr kann und will ich nicht verraten, aber die Konstruktion dieser Geschichte ist so wunderbar, wirft fragen nach dem eigenen Gewissen auf und lässt einem zum Schluss ziemlich zerbrochen zurück.

Tolle Rezensionen zu dem Buch findet ihr auch bei Friederike von „Die Buchbloggerin“  und Sarina von „Riiiinchens Bücherwelt„. Möge das Buch nach ganz ganz viele Leser finden!

Memento [Film]

Memento poster.jpgTitel: Memento
Regie: Christopher Nolan
Drehbuch: Christopher & Jonathan Nolan

Produktionsland: USA
Dauer: 109 Minuten
Erscheinungsdatum: 2000
Altersfreigabe: FSK 16

Log-Line:
Rache ist die Aufgabe, die sich der ehmalige Versicherungsermittler Leonard Shelby seit dem Vergewaltigungsmord an seiner Frau Catherine gestellt hat. Ein beinahe aussichtsloses Unterfangen. Denn seit der schrecklichen Tat leidet Shelby an einem Verlust seines Kurzzeitgedächtnisses. Ohne seine Notizen, Fotos oder Tätowierungen am Körper, kann er sich an nichts mehr erinnern. Verzweifelt sucht er den Mörder seiner Frau. Der scheinbar so hilfreiche Teddy und die mysteriöse Natalie können ihm vielleicht helfen… oder benutzen sie ihn für ihre eigenen Zwecke? Ein Mann mit einer tödlichen Mission, auf dem Weg zurück zu einer schrecklichen Erkenntnis!

Meine Meinung:
Nolan’s nächster Blockbuster „Dunkirk“ kommt schon sehr bald und es wird daher Zeit, die Nolan-Rubrik wieder etwas zu füllen. Heute ist Memento dran, ein Streifen, welches zurecht Filmgeschichte geschrieben hat!

Ich habe diesen Film jetzt 4x normal gesehen und vor kurzem das erste Mal in chronologischer Reihenfolge (auf der neuen Blu-Ray-Edition ist das möglich!) und das tolle an einem so komplexen und perfekt durchdachten Film wie diesen ist, dass man immer wieder neue Details finden kann!

Die Sprünge zwischen Schwarz-Weiß und Farbe sind hier nur die augenscheinlichsten Merkmale dieses Zwists. Beobachtet mal die Kamera und deren Unterschiede zwischen diesen Szenen. Während die Kamera bei den farbigen Sequenzen regelrecht beim Protagonisten „klebt“, ist sie bei den Schwarz-Weiß-Szenen eher distanziert, ja gerade zu dokumentarisch angelegt ist. Hinzu kommen auch die Voice-Overs, die hauptsächlich in den düsteren, dunklen Sequenzen vorkommen, als eine Art Interview mit sich selbst.

Es gibt so viele Gründe, sich diesen Film auf die Zunge zergehen zu lassen … seien es die wohl durchdachten Charaktere, die spannende Hintergrundgeschichte oder die Dialoge zwischen Erinnerungen vs. Fakten. Was sind schon Erinnerungen? Man ertappt sich selbst bei dem Versuch dieses Rätsel lösen zu wollen. Und doch scheitert man unweigerlich, weil man (anfangs) in der Psyche von Lennard gefangen ist.

Es gibt ganz wenige Filme, die direkt mit dem Ende (mit der letzten Handlung der Story) beginnen. Das lustig ist hier, dass man selbst hier, auch wenn man den Film zu Ende geguckt hat, man nicht genau versteht, was hier gerade passiert ist.

Für viele mag dieser Streifen vielleicht zu kompliziert sein, ich kenne einige, die mit diesem Film doch überfordert waren – was ich auch vertehen kann. Man muss sich die Zeit nehmen und sein Gehirn auf volle Leistung einschwören. Aber ich gebe zu, dass auch ich diesen Film erst im Nachhinein so richtig  verstanden habe (so hoffe ich?!).

Ich will nicht zu viel spoilern (obwohl der Film demnächst seine Volljährigkeit erreicht! … verdammt, wie schnell 17 Jahre doch vergehen!!) … aber ich bin immer noch Feuer und Flamme über die Art und Weise, wie dieser Film realisiert wurde. Nach seinem Erstlingswerk „Following“, welches ja mit einem Super-Mini-Budget realisiert wurde, hat es Nolan hier endgültig geschafft. Mit Herz und Verstand hat er (und sein Team) dieses Meisterwerk geschaffen und hat vielen jungen Filmschaffenden gezeigt, wie man einen Blockbuster für die Ewigkeit schaffen kann (und das mit einem Budget von 9 Mio. USD)!

Fazit:
Lange Rede kurzer Sinn … falls ihr diesen Film noch nicht gesehen habt und/oder ihr noch eine Herausforderung für euren (Film)Verstand sucht … hier seit ihr goldrichtig!

Mein Rating:
10/10

https://de.wikipedia.org/wiki/Memento_(Film)

http://www.imdb.com/title/tt0209144/

La La Land [Film]

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/a/ab/La_La_Land_%28film%29.pngTitel: La La Land
Regie: Damien Chazelle
Drehbuch: Damien Chazelle

Produktionsland: USA
Dauer: 128 Minuten
Erscheinungsdatum: 2016
Altersfreigabe: FSK 0

Log-Line:
Im Fokus der Handlung von „La La Land“ stehen zwei hoffnungslose Träumer: Mia (Emma Stone) und Sebastian (Ryan Gosling). Sie versucht sich als Schauspielerin in Los Angeles einen Namen zu machen, leidet aber stark unter ihrer großen Einsamkeit. Der charismatische Jazz-Pianist, arbeitet ebenfalls an seiner Karriere. In dem jeweils anderen erkennen beide eine Person, die genau wie sie selbst den Wunsch hat, nur das zu praktizieren, wofür ihr Herz schlägt. So schnell wie die beiden sich auch in einander verlieben, ist die Beziehung in der harten, vom Konkurrenzkampf geprägten Atmosphäre der Stadt jedoch von Anfang an keine leichte. Auf einmal droht das zunächst verbindende Element ihrer Träume, sie auseinander zu treiben.

Meine Meinung:
Nach 6 gewonnenen Oscars (und der legendären Panne bei der Verleihung des besten Films) haben wir uns überwunden, diesen Film … ein Musical (!) im Kino anzusehen. Wir waren schon auf das Schlimmste gefasst (ich sage nur „Toni Erdmann“). Aber zu meiner Überraschung (und zu meinem Glück) war dieser Film doch sehr ansehnlich!

Das beginnt schon mit der Anfangsszene auf der Autobahn, klassische Musical-Elemente mit Tanzeinlagen, die hier sehr gut in Szene gesetzt wurden. Die prallende Sonne auf der Leinwand (in der noch so kalten Jahreszeit hier) kitzelte doch gute Laune aus mir heraus! Ähnlich ging es dann auch weiter bei der Party (und vor der Party) mit einer singenden und tanzenden Emma Stone. Nach einer Weile ebbt der Musical-Part etwas ab und es kristallisiert sich ein Liebesdrama heraus. Ein bisschen Kitsch, das eine oder andere Klischee … aber doch sehr subtil und eindringlich … wirklich gekonnt umgesetzt.

Und tatsächlich … Ryan Gosling steht da vor mir auf der Leinwand und passt hier wie die Faust auf’s Auge. Ich hab erfahren, dass er für diese Rolle extra Klavierunterricht genommen hat. Und nicht nur das, sämtliche Szenen mit dem Piano hat er sogar selbst eingespielt!!! (Auf der IMDb kann man bei „Trivia“ viele interessante Fakten nachlesen!)

Obwohl diese Liebesgeschichte nicht gerade mit „Mind-Blows“ hervorsticht, bleibt sie doch im Kopf hängen. Die musikalische Untermalung, die eine oder andere (sogar passende) Tanzeinlage, das Szenenbild … all das passt hier einfach! Tatsächlich musste ich kein einziges Mal auf die Uhr sehen – und das schaffen heute nicht viele Filme!

Und ja … auch ich (bzw. wir) musste(n) nach der Vorstellung „City Of Stars“ summen!

Fazit:
Selbst wenn jemand nicht sonderlich auf Musicals steht (so wie ich), wird hier durch gekonnte Story- und Szenenarbeit auf seine Kosten kommen. Gute Charaktere, gute Dialoge und natürlich die Gesangs- und Tanzeinlagen. Die Beziehung zwischen Mia und Sebastian passt hier, genau wie die Besetzung eines toll spielenden (ach Quatsch, eines herausragenden) Ryan Gosling, sowie einer singenden Emma Stone.

Ich bin jetzt doch sehr gespannt, was der Herr Damien Chazelle, Drehbuchautor und Regiesseur dieses Filmes, zukünftig noch so alles auf die Leinwand bannen wird. Vielleicht sollte ich doch mal einen Blick auf seinen vorherigen Hit „Whiplash“ riskieren.

Mein Rating:
8/10

https://de.wikipedia.org/wiki/La_La_Land_(Film)

http://www.imdb.com/title/tt3783958/

Unter Weissen – Was es heißt, privilegiert zu sein

Ein wenig leben
Titel: Unter Weissen – Was es heißt, privilegiert zu sein
Autor: Mohamed Amjahid
Genre: Sachbuch/Erfahrung
Verlag: Hanser Verlag
Format: Broschiert, 192 Seiten
ISBN: 978-3446254725


Kauft doch wieder mal in der örtlichen Buchhandlung ein!

 

In den Menschenrechten steht: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ Dem Satz nach, dürfte ein weisser Mensch nicht privilegierter sein, als ein dunkelhäutiger. Und doch ist es nur ein Satz, wer die Welt mit offenen Augen betrachtet, wird merken, dass es letztlich nur Worte sind.
Ist man weiss, bewegt sich nur in diesem Umfeld, mag man vielleicht protestieren und sagen, man spüre selbst keine Privilegien, Hautfarbe ist nicht alles – alles vielleicht nicht, aber doch sehr viel.

Mohamed Amjahid , Sohn marokkanischer Gastarbeiter und als Journalist bei einer deutschen Zeitung, schreibt nieder, was eine andere Hautfarbe wirklich im „Land der Weissen“ bedeutet. Rassismus, Helferkomplexe, Schikanen und nicht zuletzt Racial Profiling (= agieren von Polizei-, Sicherheits-, Einwanderungs- und Zollbeamten, auf äußerlichen Merkmalen basierend – man erinnere sich nur an die Nafri Debatte).

Ich bin weiss, damit musste ich mich nie auseinandersetzen und hab es auch nie getan, warum auch, war es doch niemals notwendig und Probleme hat es mir schon gar nicht bereitet.
Als ich ungefähr 13 war, stand ich vor der Schule, an einem Kiosk und hab irgendwas getan, vermutlich gewartet. Neben mir stand ein asiatischer Junge, der auch nur wartete. Er stand schweigend da, blickte zu Boden und tat nichts. Ein ganz normaler Schüler und doch sah ein älterer Mann etwas anderes. Ohne ersichtlichen Grund sagte er: „Du scheiß Schlitzauge, geh weg da und am besten dorthin zurück, wo du herkommst“.  Diese Situation war meine erste, in der ich Rassismus begegnet bin, aber dem Jungen war anzusehen, seine erste Erfahrung war es nicht.
Damals dachte ich an einen Einzelfall, aber es war wohl eher eine Illusion, damit ich den Glauben an die Welt nicht verliere. Denkt man jetzt nur einmal logisch nach, wie es sich anfühlen muss, täglich mit Rassismus konfrontiert zu sein, kann man erahnen, wie schwer es wiegen muss, in seiner Heimat, nie wirklich zu Hause zu sein, weil einen die Gesellschaft immer wieder das Gefühl gibt, fehl am Platz zu sein.

Der Ein oder Andere mag jetzt erschrocken aufschreie, sich allen Vorurteilen entledigen, ist man doch selbst ein weltoffener Mensch, springt in die Bresche, wenn man Ungerechtigkeit sieht. Die Wahrheit ist allerdings – wir alle haben Vorurteile. Es ist einfach menschlich, sich selbst und die Welt zu hinterfragen, die Kunst besteht darin, es auch wirklich zu tun und nicht vorschnell zu handeln.

Dieses Buch regt zum Nachdenken an, was es wirklich heißt „anders“ zu sein, nur weil einen die Umgebung ein Etikett aufdrückt, gegen das man sich nicht wehren kann.

So viel mehr gebe es noch zu sagen und doch läuft alles auf das Selbe hinaus: lest dieses Buch.

Zeitreise mit Hamster

Zeitreise mit Hamser
Titel: Zeitreise mit Hamster
Originaltitel: Time Traveling with a Hamster
Autor: Ross Welford
Genre: Kinderbuch aber 10 Jahren
Verlag: Coppenrath
Format: Hardcover, 368 Seiten
ISBN: 978-3649622376

 

Al Chaudhury hat eine unglaubliche Chance: er kann das Leben seines verstorbenen Vaters retten. Er muss nur ins Jahr 1984 zurückreisen und einen folgenschweren Unfall verhindert.

Klingt absonderlich, aber Al verfügt tatsächlich über den Zugang zu einer Zeitmaschine, die eigentlich nur eine Zinkwanne mit ein paar Kabeln ist. Die Reisen unterliegen allerdings bestimmten Regeln und die sind gar nicht mal so einfach zu befolgen, zusätzlich ist das Ganze auch ziemlich kompliziert. Trotzdem ist die Sehnsucht so stark, dass Al es wagen möchte.

Kurz zusammengefasst ist die Geschichte schnell, aber wie man sich vorstellen kann, passiert zwischen den Seiten so einiges.

Was mir richtig gut gefallen hat, war, wenn ein komplizierter Absatz über das Zeitreisen voranging, eine Erklärung von Al’s Vater, sagt der Junge selbst, dass er nicht alles versteht, aber das Wichtigste doch. So erging es mir als Leser ebenso, manchmal war ein Fragezeichen über meinem Kopf, aber die Grundlagen waren durchaus verständlich und Zeitreisen ist eben eine ziemlich schwierige Angelegenheit.
Die schwierigen Absätze machen aber das Buch nicht unverständlich, sie fügen sich ab und zu ein, ohne überhand zu nehmen, noch irgendwie lehrerhaft zu klingen.

Der Titel war für mich eigentlich ziemlich ausschlaggebend, um das Buch zu kaufen, letztlich muss ich aber leider sagen, dass der Hamster zu kurz kommt. Er reist zwar mit durch die Zeit, aber irgendwie fehlt mir hier ein bisschen das Besondere, was ich mir erwartet hatte, keine Ahnung, einen Superheldhamster oder ähnlich. Diese Erwartung, so viel kann ich verraten, konnte leider nicht erfüllt werden.

Dem Ende stehe ich etwas zwiespaltigen gegenüber, ohne jetzt etwas verraten zu wollen, denke ich, dass es gerade für jüngere Leser nicht unbedingt passend ist, zumindest, wenn sie selbst jemanden verloren haben.

Was mir an dem Buch weiters ziemlich gut gefallen hat und vermutlich sich wunderbar eignet, um auch einen Lesemuffel zum Lesen zu bewegen: Die Kapitel sind sehr kurz. Meistens zwischen 2-4 Seiten, länger wird es kaum, trotzdem zerreißt es die Geschichte nicht und bleibt zusammenhängend.

Alles im Allem ein gelungenes Buch, dem allerdings letztlich das besondere Etwas gefehlt hat.

Neuerscheinungen März 2017

Im März erscheinen einige interessante Titel, aber es sind für mich auch viele dabei, wo ich erst einmal ein paar Rezensionen abwarten werde, weil es mich nicht sofort von der Inhaltsbeschreibung her packt, aber der Reiz natürlich bleibt.
Solltet ihr noch einen Tipp haben, immer nur her damit, so wie ich mich kenne, hab ich das ein oder andere interessante Buch sicherlich übersehen.

Kinder- und Jugendbücher

Hallo Leben hoerst du mich von Jack Cheng
Hallo Leben, hörst du mich? – Jack Cheng (ET: 06.03.2017)
Stumme Helden lügen nicht – Simon Packham (ET: 10.03.2017)
Wunder: Julian, Christopher und Charlotte erzählen – Raquel J. Palacio (ET: 13.03.2017)
Mein Freund Pax – Sara Pennypacker (ET: 16.03.2017)

ubersicht-2
Mädchen aus Papier – Sina Flammang (ET: 20.03.2017)
Flo oder der Tag, an dem die Maus verrutschte – Anna Pfeffer (ET: 20.03.2017)
Der halbste Held der ganzen Welt – Andrea Schomburg (ET: 23.03.2017)
Tagebuch eines Möchtegern-Versagers – Luc Blanvillain (ET: 23.03. 2017)

Belletristik

gott

Ein fauler Gott – Stephan Lohse (ET: 01.03.2017)

Sachbuch/Erfahrungen

ubersicht-sachbuch-1
Allein unter Flüchtlingen – Tuvia Tenenbom (ET: 01.03.2017)
Meine abgeschminkten Jahre – Stefanie Giesselbach (ET: 01.03.2017)
Farbenblind – Trevor Noah (ET: 06.03.2017)


ubersicht-sachbuch-2
Zukunft machen wir später – Christiane Rösinger (ET: 16.03.2017)
Die Welt ist ein schöner Ort – Deborah Ziegler (ET: 20.03.2017)
Schmeckt’s noch – Jörg Blech (ET: 23.März 2017)