Kreide fressen

Kreide fressen
Titel: Kreide fressen: Mein zerfetztes Leben
Autor: Anna Silvia
Genre: Biografie/Erfahrung
Verlag: Rowhlt Verlag
Format: Taschenbuch, 256 Seiten
ISBN: 978-3499631702


Kauft doch wieder mal in der örtlichen Buchhandlung ein!

 

Anna Silvia erzählt ihren Lebensweg, der vom Missbrauch in der Kindheit, zur Bulimie und später zur Prostitution führt. So viel zur Kurzfassung, doch das Leben ist viel länger, hat mehr Nuancen.
Erwartet hatte ich mir, wenn man nur den Klappentext betrachtet, ein Erfahrungsbericht über Bulimie. Die Probleme, die das Essen bereitet, wie sie sich im Alltag wiederspiegeln und wie schwer es ist, gegen das Umfeld zu bestehen. Was ich erhalten habe, war eine vielschichtigere Geschichte, die sich letztlich doch irgendwie vordergründig um das Thema Prostitution gedreht hat.

Es ist irgendwie schwer zu schreiben, was der Inhalt nun ist – zu Beginn lernen wir die Autorin kennen und durchwandern mit ihr gemeinsam ihre Kindheit, die durch Missbrauch von Bekannten der Eltern geprägt ist. Auf der einen Seite beschreibt sie die Situationen ziemlich nüchtern und doch brennen sich die Details, die sie ebenfalls anführt, sofort ein und es macht das Lesen schwer. An manchen Stellen dachte ich mir: „Muss man es so schonungslos niederschreiben?“, allerdings, zu diesem Ergebnis bin ich gekommen, geht es nicht darum, was ich für richtig halte, sondern darum, was Anna Silvia dafür hält. Es ist ihre Geschichte und sie zu erzählen, bleibt ganz alleine ihr über, jedoch, so viel sei gesagt, ist eigentlich das ganze Buch ziemlich triggerlastig.

In der Jugend beginnt sich die Bulimie einzuschleichen und was wirklich gut war, dass es der Autorin tatsächlich nicht vordergründig darum geht, schlank zu sein – nein, sie möchte die Macht über ihren Körper haben, möchte ihn beherrschen, weil sie viel zu lange machtlos war. Im Hinterkopf hat man oft, dass eine Essstörung immer damit verbunden ist, dass der Betroffene um jeden Preis dünn sein möchte, meist spielt Macht immer mit, aber hier ist sie im Vordergrund statt Begleiterscheinung.

Sich selbst als wertlos erachtend kommt Silvia Anna an den „falschen“ Mann, der sie auf den Weg der Prostitution bringt. Der Großteil des Buches befasst sich mit diesem Thema, es kam mir sogar ein wenig so vor, dass die Bulimie gar nicht das Hauptthema (des Buches) war.
Die Autorin beschreibt, weshalb sie sich Männern unterwirft, aus welchen Gründen sie ihren Körper „benutzen“ lässt. Die Erzählung gehen bis in die SM-Szene, in welcher Silvias Devotheit mit offenen Armen aufgenommen wird.
Ist die Szene auch, was man den Worten glauben kann, eine sehr zuvorkommende, ist dort auch nicht alles gut und es kommt zu Momenten, die schwer zu ertragen sind. Oft habe ich mich gefragt, warum sie sich das antut und im nächsten Satz habe ich die Erklärung geliefert bekommen: sie sieht ihren eigenen Wert nicht.

Sich als minderwertig zu erachten, dieses Thema durchzieht dieses Buch und irgendwann kommt es zu einem Klinikaufenthalt, Menschen, die ihr sagen, wie wertvoll sie ist, doch auch  am Ende merkt man, dass die Autorin noch längst nicht angekommen ist, bei sich selbst, aber dass sie kämpft, wenn nicht für sich selbst, dann doch zumindest für die Menschen, die ihr Halt bieten, wenn sie haltlos durch die Zeit schwankt.

Ein wenig Leben

Ein wenig leben
Titel: Ein wenig Leben
Originaltitel: A Little Life
Autor: Hanya Yanagihara
Genre: Belletristik
Verlag: Hanser Verlag
Format: Hardcover, 960 Seiten
ISBN: 978-3446254718


Kauft doch wieder mal in der örtlichen Buchhandlung ein!

Der Klappentext verspricht den Leser, eine Geschichte über eine lebenslange Freundschaft zwischen vier Männern, die sich am College kennengelernt haben. JB, Willem, Malcolm und Jude verbringen ihr Leben in New York, streben große Träume an, sei es Schauspieler, Künstler oder etwas „solidere“ Berufe wie zB. Architekt und Anwalt.
Es klingt banal und doch hat man dann das Cover vor sich: Ein Mann, dessen Mimik Schmerz ausstrahlt, die im Kontrast zu der lockern Vermutung des Inhaltes steht. Wie passt es zusammen, wie fügen sich die Puzzleteile zusammen?

Ehrlich gesagt, hätte ich nicht einige Rezensionen zu diesem Buch gelesen, ich hätte es so nicht gekauft. Vier Freunde in New York, es erinnert an Sex an the City und man weiß, dass war jetzt nicht so die tiefgründige Kost. Das Buch ist jedoch der genaue Gegensatz.
Auf den ersten 400 Seiten lernen wir eigentlich nur die vier Freunde kennen. Die Zeit, wo sie noch in abgewohnten Appartements hausen oder bei den Eltern, wie sie auf ihre Träume hinarbeiten. Es ist unspektakulär – ist es das alltägliche Leben und dies ist eben nicht immer aufregend und doch haben mich die Worte in den Bann gezogen. Man kann Charaktere zu Tode beschreiben, man kann es aber auch wie die Autorin machen: langsam und beharrlich ein Bild malen, in dem der Leser immer wieder neue Details entdeckt, die die Personen im Kopf so realistisch machen, dass man das Gefühl hat, der fünfte Freund in der Runde zu sein.

Und doch gibt es einen, dessen Bild gräulich bleibt, keine Konturen hat. Jude. Man bekommt kleine Happen hingeworfen, kann das Puzzle aber nicht zusammenfügen und schnell wurde mir klar, seine Geschichte wird noch kommen, ihn werden wir noch besser kennen lernen, so viel besser, dass es unser Herz brechen wird. So ist es auch, die zweite Hälfte des Buches gehört Jude. Und als die ersten Takte seines Lebens angeschlagen wurden, die Offenbarung, dass seine Arme mit Narben übersäht sind, hielt ich inne. Wird der Roman abrutschen, wird es ein Buch, wie viele davor, die Selbstverletzung mit so viel Klischees ausfüllen, dass es einen nur traurig den Kopf schütteln lässt? Die Grundlage gibt eine andere Hoffnung, da ist Jude, traumatisiert in der Kindheit, der durch die Selbstverletzung wirklich seinen innerlichen Schmerz bekämpfen möchte und nicht wie viel zu oft bei dem Thema in Büchern, nach Aufmerksamkeit strebt. Er möchte es sogar für sich behalten, baut sich ein Lügenkonstrukt auf, in dem er einzieht, was sein Leben wird. Gegenüber der Welt, gegenüber seinen Freunden. Normalerweise wird dieses Thema in Büchern so rasch abgehandelt: die Person geht in Therapie, offenbart seine dunkelsten Geheimnisse, öffnet sich seinen Freunden, findet die Erleuchtung und lebt glücklich und zufrieden bis an sein Lebensende. Und ich hatte Angst, ja, ich hatte Angst das es für Jude auch so „einfach“ wird, weil es dann so unrealistisch geworden wäre, dass ich das Buch gehasst hätte, aber die Geschichte zeigt, es ist nicht einfach und ich bin der Autorin unglaublich dankbar, dass sie Judes Weg so geschrieben hat, wie sie in geschrieben hat. Voller Hass, Schmerz, Verzweiflung. Natürlich wünscht man sich ein Happy End, aber die Welt beinhaltet nicht für jeden eines und auch wenn Glück sich in sein Leben schleicht, bleibt er ihm skeptisch gegenüber, viel zu sehr hat er gelernt, dass die heile Welt ein ziemlich zerbrechlicher Ort ist.

Auf über 900 Seiten lässt sich natürlich auch Kritik finden, aber im Fall von „Ein wenig Leben“ ist es Kritik auf so hohem Niveau, dass es die Brillanz des Buches niemals überdecken könnte. Schade fand ich tatsächlich, dass Malcolm und JB irgendwann verschwunden waren. Sie waren noch Statisten in der Geschichte, aber man erfährt nichts mehr über sie, besonders Malcolm geht unter, obwohl gerade sein Vaterkonflikt viel Potenzial geliefert hätte. Und sicherlich bin ich ein wenig wehmütig, sein unfertiges Bild vor mir zu haben, seine Geschichte nicht so „wichtig und erzählungswürdig“ gefunden zu haben, wie die von Jude, weil sie eben vermutlich nicht so „spektakulär“ wäre.
Das Buch mag an manchen Stellen zu konstruiert zu sein, stellenweise übertrieben, schwer nachzuvollziehen, sogar unrealistisch, aber es ist in den richtigen Momenten ehrlich und schonungslos. Dieses Buch hat in meinen Augen jeden Hype verdient.

Ebenfalls empfehlenswerte Rezensionen zu dem Buch:
Sophie (Literatourismus), Fabian (Herr Booknerd), Mara (Buzzaldrins) und bei der Klappentexterin gibt es einen sehr interessanten Buchhändlerinnentalk .

Ich hasse dieses Internet

Crenshaw
Titel: ich hasse dieses internet.
Originaltitel: I hate the Internet
Autor: Jarett Kobek
Genre: Belletristik
Verlag: S.Fischer
Format: Hardcover, 368 Seiten
ISBN: 978-3103972603

 

 

Dieses Buch ist mir schon vor einigen Monaten untergekommen, aber ich hab es irgendwie ignoriert, bis es in der Buchhandlung stand und unbedingt mit nach Hause wollte. Ganz ehrlich, ich bin die, die in der Buchhandlung eigentlich auch noch Rezensionen liest, bevor sie unüberlegt ein Buch mitnimmt. Hier habe ich es bleiben lassen, was gut ist, weil hätte ich Meinungen gelesen, ich hätte es vermutlich nicht mitgenommen, weil zu durchmischt, oft doch negativ.
Mir tat es tatsächlich gut, mal das Internet Internet sein zu lassen und einfach auf mein Gefühl zu hören.

Der Titel ist plakativ, ich wollte wissen, was sich hinter diesem Hass versteckt, woher er kommt, weil wir wissen alle, das Internet ist ein durchwachsender Raum. Sicherlich, es gibt zig negative Dinge dort, aber darf man das positive nicht außer Acht lassen – tut der Autor aber. Was nicht schlecht ist, wenn es auch zuerst so klingen mag. Der Autor legt in diesem Buch nur sehr gerne den Finger in die Wunde und bohrt dort ein wenig rum. Er steigt sich in die Negativität hinein, was allem eine gewisse Schärfe verleiht. Es mag schade sein, dass das Gute im Internet komplett ausgeklammert wird, allerdings tut es auch einfach mal gut, sich wirklich nur auf einen Bereich zu konzentrieren: das Schlechte.

Der Autor mag gewissen Stellen überzeichnen, schmeißt gerne viele Dinge in einem Topf, fällt knallharte Urteile, die auf den ersten Blick zu hart erscheinen mögen, aber doch ist es einfach nur sein Stil, den er verfolgt. Die Übertreibung liegt in jeden seiner Sätze, ebenso die Wiederholung, damit man nicht vergisst, was er anprangern mag.

Das Buch hat auch eine Geschichte, die Protagonistin Adeline bekommt die Härte des Internets zu spüren, ungewollt. Durch die Verbreitung eines Videos, welches sie plötzlich zur Zielscheibe werden lässt. Sie ist es auch, aus deren Sicht das Buch erzählt wird und auch wenn sie einen wenig sympatisch ist, passt sie zu dem Spruch „Ich hasse dieses Internet.“ Man lernt sie und ihr Leben kennen, viel mehr erzählt das Buch eigentlich auch nicht und trotzdem lassen sich, zu meiner eigenen Überraschung, die Seiten damit gut füllen.

Was ich persönlich am Ende schade fand, dass dieses Buch gut ist, durchaus, aber keine wirkliche Botschaft hat. Das Internet ist böse und verändert die Welt, aber was der Autor jetzt sagen mag, bleibt verborgen.
Adeline findet sich schließlich auch auf Twitter wieder und schüttelt den Hass ab oder sollte man interpretieren, dass das Internet einfach nur Mittel zum Zweck ist und wenn man nicht mitmacht, man schutzlos den Datenmeer ausgeliefert ist? Wer weiß, mir zumindest fehlt ein wenig der Nachklang.

Persönlicher Tipp zu dem Buch:
Der Schreibstil ist wirklich mehr als gewöhnungsbedürftig und ja, ich kann verstehen, wenn jemand damit gar nichts anfangen kann. Mein Rat: die Leseprobe  lesen (wobei die ziemlich kurz ist) oder in der Buchhandlung sich wirklich die Zeit nehmen, um die ersten 30 Seiten zu lesen. Büchereigeher können hier einen sicheren Schritt wagen und es einfach ausborgen.

Verborgene Schönheit [Film]

Collateral Beauty poster.pngTitel: Verborgene Schönheit (Collateral Beauty)
Regie: David Frankel
Drehbuch: Allan Loeb

Produktionsland: USA
Dauer: 94 Minuten
Erscheinungsdatum: 2016
Altersfreigabe: FSK 12

Log-Line:
Als ein erfolgreicher New Yorker Werbemanager eine persönliche Tragödie erlebt und sich völlig aus dem Leben zurückzieht, entwickeln seine Freunde einen drastischen Plan, um zu ihm durchzudringen, bevor er alles verliert. Durch gezielte Provokationen zwingen sie ihn dazu, sich auf überraschende und zutiefst menschliche Weise mit der Wahrheit auseinanderzusetzen.

Meine Meinung:
Auf gehts ins neue Jahr und dieser Film weckte definitiv mein Interesse. In meinen Augen war der Maßstab sicherlich „Sieben Leben“ aus dem Jahre 2008. Die Idee klingt sehr vielversprechend: ein Mann, gezeichnet durch den Verlust seiner geliebten Tochter, versucht seinen Schmerz zu verarbeiten und so fängt er an Briefe an „Liebe“, „Zeit“ und „Tod“ zu schreiben. Natürlich wird es noch viel interessanter, als diese „Personen“ ihm auflauern, um persönlich antworten zu können!

Will Smith macht eine gute Figur, vielleicht ein klein wenig aufgesetzt (ähnlich wie bei Sieben Leben), aber den schmerzenden Vater kauft man ihm hier auch wirklich ab. Die anderen Schauspieler machen ihre Arbeit sehr solide, es gibt kaum jemanden, den ich hier groß bemängeln könnte.

Aber zu Beginn des Filmes spürte man, wie man von der einen Szene zur nächsten „geschubbst“ wurde. Man hat hier zum Teil zwanghaft versucht, die Szenen zu verbinden. Beispielsweise als WHIT (Edward Norton) nach einem „Casting“ der unbekannten AIMEE (Keira Knightley) hinterher rennt … aufgesetzter geht es hier ja fast nicht mehr!

Wie auch immer, Logik ist hier nicht das Steckenpferd dieses Filmes, eher das menschliche Miteinander und die Philosophie zu Liebe, Zeit und Raum. Na gut … dass seine „Freunde“ ihn nur für krank erklären möchten, damit sie das Unternehmen weiter führen können (und somit die Mitarbeiter ihren Job nicht verlieren) ist jetzt wieder eine andere Deutungsmöglichkeit. Eine reine Rettungsaktion schien den Autoren hier wohl zu kitschig.

Schöne Bilder, nette Phrasen, philosophische Ansätze und eine doch auch für mich überraschende Wendung zu Schluss machen den Film doch sehenswert. Aber das Problem ist hier (wie so oft) … der Film hätte SO VIEL MEHR sein können! Es steckte so viel Potential darin … aber nein, es musste wieder so halb durchgegart sein! Es scheint mir so, als hätte man dieses Projekt zu früh begonnen. Der Film / das Drehbuch hätte noch den letzten Feinschliff benötigt, um einen tollen Film daraus zu machen. Auch ein triefender und schniefender Will Smith (vor allem zum Schluss … Grundgütiger!) haben da nicht mehr rausholen können. Aus einem wahrlich herzhaften 3-Gänge-Menü wurde, wahrscheinlich aus Zeitdruck und mangelnder Überzeugung, ein nettes Fast-Food-Gericht.

Fazit:
Wer Philosophie, menschliche Verstrickungen oder einfach nur gerne Will Smith mag, der wird hier gut bedient. Wenn ich denke, was in letzter Zeit für Totalausfälle im Kino liefen, war dieser hier sicherlich sein Geld wert. Phasenweise kam ich voll auf meine Kosten, aber dann saß ich doch nur auf meinem Sessel und hab mich mehr auf meine Nachos konzentriert als auf die Leinwand. Vielleicht beim nächsten Mal!

Mein Rating:
7/10

https://de.wikipedia.org/wiki/Verborgene_Sch%C3%B6nheit

http://www.imdb.com/title/tt4682786/

 

[reflection] A World Without you

Crenshaw
Titel: A World Without you
auf Deutsch bis jetzt erhältlich: nein
Autor: Beth Revis
Genre: Jugendbuch ab 12 Jahren
Verlag: Razorbill
Format: Hardcover, 384 Seiten
ISBN:978-1595147158

 

 

Lange hat es gedauert, aber nun gibt es meine erste [reflection]  und falls es wer nicht mehr weiß, könnt ihr hier noch einmal nachlesen, was ich damit jetzt überhaupt meine.

Kurz zum Inhalt:
Der 17-jährige Bo denkt, er kann durch die Zeit reisen. Er steigert sich soweit hinein, dass seine Eltern beschließen, ihn an die Berkshire Academy zu schicken. Er denkt, damit er andere Menschen kennenlernt, die Superkräfte haben. In Wahrheit ist es eine Art Psychiatrie.
Dort lernt er Sofia kennen, ein ruhiges und schüchternes Mädchen, dass die „Kraft“ hat, sich unsichtbar zu machen. Die zwei verlieben sich, doch Sofias Depression ist so stark, dass sie sich umbringt. Bo denkt, wenn er in die Vergangenheit reist, kann er sie eventuell noch retten und merkt nicht, dass er sich selbst verliert.

Meine Meinung:
Das Buch war eine Empfehlung von  Dani (Buchbegegnungen), wobei sie ehrlich war und meinte, sie habe es noch nicht gelesen, aber der Inhalt klang für sie vielversprechend. Gut, wer nicht wagt, der nicht gewinnt, aber ehrlich, dieses Buch hat mich beinahe dazu gebracht mein Experiment zu beenden. Warum? Es ist doch nur ein kleines unschuldiges Buch. Stimmt, es wirkt so unscheinbar, aber der Inhalt, der ist … besonders.

Auf Seite 50 dachte ich: „Himmel, dass ist doch irgendwie ein Fantasiebuch, also doch kein Buch über psychische Probleme?“ Menschen die unsichtbar werden, jemand der Gegenstände mittels Gedanken bewegen kann, ein Mädchen, was nur schnippen muss und schon steigt eine Flamme an ihrem Finger hoch. Und Bo, er kann in der Zeit umherreisen.

Sind wir uns einig, dass diese Beschreibung gut in ein Fantasiebuch passt? Eben und deswegen bin ich Rezensionen lesen gegangen, vielleicht hat mein Englisch ja überhaupt nicht ausgereicht, um zu verstehen, was da geschrieben steht, vielleicht war die Inhaltsbeschreibung ein Fehler und ich hatte ein ganz anderes Buch vor mir.
Ab auf goodreads, ein wenig durch die Meinungen gelesen und ganz oft stand dort „definitely non-fiction“ und ich so: „Alter, dass ist doch definitely fiction!“ Okay, hingesetzt, Tee getrunken und weitergelesen. Seite 100. Ich fühlte mich immer noch wie in einem Fantasieroman.
Reicht mein Englisch etwas nicht aus, um zu verstehen, was dort geschrieben steht?
Ganz ehrlich, ich hab an meinem Verstand zu zweifeln begonnen und das, so muss ich zugeben, hat das Buch ziemlich großartig gemacht, weil ich irgendwann selbst nicht mehr wusste: was ist die Realität?

Bo’s 100% Überzeugung, Superkräfte zu haben, all seine Beschreibungen, ich habe es geglaubt, war mir sicher, dass an der Academy alle besonders sind und auch wenn ich den Inhalt kannte, zumindest laut der Beschreibung, hat mein Kopf gestreikt, wollte die Realität nicht sehen, ebenso wie es Bo nicht gelingt, die Wirklichkeit zu akzeptieren.
Irgendwann begann es durch die Zeilen zu sickern, irgendwann habe ich gemerkt, wie zerbrechlich dieses ganze Konstrukt ist und ich dachte mir, er muss es doch auch merken, Bo muss es doch auch sehen. Darauf habe ich danach gewartet, bis die Therapie bei ihm greift, aber man wartet, wartet bis zum Ende und sitzt dann mit offenen Mund vor dem Buch.

Die Geschichte ist grandios, wenn ich auch das ganze Buch dachte, dass es doch eindeutig Fantasie ist, aber weil ich auch wusste, dass es eben nicht Fantasie ist, war ich komplett zerrissen. Es war, zugegeben, komplett anders als ich dachte, aber dieses anders, hat das Buch so einzigartig gemacht.

Lesbarkeit und Schwierigkeit des Englisch: mir fiel es ein wenig schwer, den Beschreibungen der Zeitreisen zu folgen, weshalb es an dieses Stellen etwas an der Verständlichkeit gefehlt hat, aber im Großen und Ganzen was es verständlich geschrieben.

Crenshaw – Einmal schwarzer Kater

Crenshaw
Titel: Crenshaw: Einmal schwarzer Kater
Originaltitel: Crenshaw
Autor: Katherine Applegate
Genre: Kinderbuch ab 8 Jahren
Verlag: Fischer Sauerländer
Format: Hardcover, 224 Seiten
ISBN:978-3737354271

 

 

Katherine Applegates Buch „Der unvergleichliche Ivan“ stand sicherlich über ein Jahr in meinem Regal. Ungelesen. Aus einer Laune heraus, wollte ich dann ein Kinderbuch lesen und was soll ich sage, dieses Buch ist großartig!
Jetzt fragt ihr euch vermutlich – im Titel steht „Crenshaw – Einmal schwarzer Kater“, was hat Ivan damit jetzt zu tun? Gute Frage. Und zwar hab ich mir Crenshaw sofort nach Ivan geholt, weil ich wirklich so extrem angetan war, von dem Buch und da Crenshaw das neuere Buch ist, werde ich euch dazu eine Rezension schreiben, aber, weil ich ein netter Mensch bin und es viele großartige Blogger gibt, verlinke ich euch zwei Rezensionen zu Ivan, die ziemlich genau meine Gedanken spiegeln: Leselurch und Daughter of ink and paper.

Jetzt komm ich zum eigentlichen Buch und kurz zum Inhalt:
Crenshaw, ist ein riesengroßer Kater und der unsichtbare Freund von Jackson. Der Kater ist nicht unbedingt ein normales „Haustier“: er liebt Schaumbäder, isst mit Vorliebe lila Geleebohnen und kann natürlich sprechen. Wie es sich für einen imaginären Freund gehört, versucht er immer für Jackson da zu sein, auch wenn dieser ihn auch schon mal vergisst, mit der Zeit, in der er älter wird. Da das Leben jedoch manchmal turbulent ist und man manchmal einfach einen Freund braucht, finden die beiden wieder näher zueinander.

Wie bei Ivan, hat die Autorin auch bei Crenshaw wieder ein schwieriges Thema in ein Kinderbuch gepackt: Armut. Jackson wohnt mit seiner Familie in einer Mietwohnung, deren Miete sie nicht mehr bezahlen können. Der Vater ist krank, die Mutter versucht mit zwei Jobs die Familie zu ernähren und doch muss Jackson seine Sachen auf den Flohmarkt verkaufen. Die Situation ist kindgerecht aufgearbeitet, schwer sicherlich, aber gerade weil ein magisches Wesen wie Crenshaw eingearbeitet werden sollte, dachte ich mir, die Autorin können eventuell die Balance zwischen Schwere und Leichtigkeit finden. Katherine Applegate hat es dieses Mal, in meinen Augen, leider nicht geschafft. Gelang ihr bei Ivan der Spagat zwischen den Emotionen, verharrt sie bei Crenshaw doch sehr in der düsteren und drückenden Stimmung.

Ich denke, das Problem liegt darin, das Crenshaw nicht wirklich ausgereift ist. Prinzipiell macht er eigentlich nichts, außer kurz vorbeizuschauen, um eine Geleebohne zu futtern, ein Schaumbad nehmen und mit dem Schwanz zu wendeln, nur um im nächsten Augenblick wieder zu verschwinden. Weder versucht er Jackson in seiner schweren Situation zu unterstützen, noch spendet er irgendwelchen Trost. Man könnte Crenshaw weglassen, Titel und Cover ändern – die Geschichte würde auch so schlüssig sein, vielleicht sogar viel mehr.

Da jetzt in dem Buch der magische/tröstende Aspekt fehlt, ist es einfach nur eine sehr deprimierende Geschichte, die ich persönlich keinem 8-jährigem Kind in die Hand drücken würde, außer, ich möchte ihm Alpträume bescheren, was nicht sehr nett wäre. Müsste ich eine Altersempfehlung geben, ich denke, da wäre ich bei 11. Alter hin oder her, am besten wäre es vermutlich, entweder das Buch selbst zuerst lesen, um einschätzen zu können, ob das eigene Kind für die Geschichte eventuell zu sensible ist oder das Buch gleich gemeinsam zu lesen, damit man einfach miteinander redet. Kinder sollten unbedingt auch über schwere Themen lesen, weil Crenshaw aber doch extrem schwer ist, mit nicht gerade sonderlich vielen Lichtblicken, ist es hier umso wichtiger, dass das Kind einen Ansprechpartner hat und nicht alleine gelassen wird.

Würde ich das Buch empfehlen? Ehrlich gesagt bin ich bei der Antwort ziemlich unsicher, weil ich als Erwachsener die Geschichte schon sehr bedrückend fand, wie mag es da erst einem Kind gehen. Vermutlich würde ich eher empfehlen zu „Der unvergleichliche Ivan“ zu greifen, weil der alles hat, was bei Crenshaw ein wenig zu kurz kommt.

Die Fettlöserin: Eine Anatomie des Abnehmens

Die Fettlöserin: Eine Anatomie des Abnehmens
Titel: Die Fettlöserin: Eine Anatomie des Abnehmens
Autor: Nicole Jäger
Genre: Sachbuch/Erfahrung
Verlag: Rowohlt Verlag
Format: Taschenbuch, 288 Seiten
ISBN: 978-3499631160

 

 

Als ich das Cover und den Titel sah dachte ich mir:
Die Frau ist dick.
Was soll eine dicke Frau übers Abnehmen schreiben, wo sie es scheinbar selbst nicht kann.
Guten Morgen Vorurteil, hab dich lange schon nicht mehr gesehen.
Es war dann wieder einmal die Neugier, dass ich zu dem Buch gegriffen habe, weil ich eben wissen wollte, was die dicke Frau über das Abnehmen weiß und Himmel, sie weiß eine ganze Menge!

Der Mensch geht nach Äußerlichkeiten, so ist er nun einmal und so bin ich. Als ich Nicole Jäger auf dem Cover sah, sah ich nur eine dicke Frau, dass diese dicke Frau allerdings noch dicker war und sich bereits halbiert hat, dass sah ich nicht auf den ersten flüchtigen Blick, dafür musste ich mir die Zeit nehmen und unter die Oberfläche schauen.

Nicole Jäger wog noch vor einigen Jahren 340 Kilo und wiegt nun knapp unter 170 Kilo. Die Abnahmeleistung ist großartig, sieht man nur leider nicht auf den ersten Blick. Das Buch beschreibt aber genau diesen Gang, wie es dazu kam, dass das Gewicht eskalierte, was es brauchte, um zu der Einsicht zu kommen, dass sich etwas ändern muss.
In jeder Buchhandlung gibt es ein eigenes Regal über Ernährung, dort findet man die wildesten Diäten und es gibt dann noch so Ratgeber, in denen der Autor schreibt: Sei motiviert! Liebe dich selbst! Sport macht Spaß! Abnehmen ist ein Kinderspiel! Ähm….nein. Abnehmen ist scheiße schwer, macht meistens nicht sonderlich viel Spaß und motiviert ist man eher, wenn man schon am Ziel ist, weil dann blendet man den Kampf meistens aus. Diese Ehrlichkeit bringt Nicole Jäger in ihrem Buch ans Licht – klar ist auf der Couch sitzen und Kekse essen für die meisten schöner, als eine Stunden laufen zu gehen, für mich zumindest definitiv. Dieses Buch, es bringt endlich einmal die Wahrheit ans Licht, das Abnehmen kein Spaß ist und es in Ordnung ist, mal nicht motiviert zu sein, mal durchzuhängen.

Wisst ihr, ich bin den anderen Weg gegangen. Ich habe irgendwann nichts mehr gegessen. Dauerhaft. Was übrigens eine ziemlich dumme Idee war, aber damals fand ich sie grandios und die ultimative Lösung, die Lösung für, naja, was bei Nicole Jäger das Essen war:
„Zu essen war mein Sport, meine Umarmung, meine Liebe, mein Sex, meine Antwort aufs Armeaufschneiden, mein Mich-schön-Fühlen, mein Trampolin, mein Wunsch nach allem, was mir fehlte.“ (Seite 43)
Statt zu fressen oder zu hungern, geht es letztlich darum, wieder essen zu lernen. Essen mit allen Sinnen und nicht, auf der Suche nach Gefühlen, die man irgendwie sonst nicht hätte. Klingt erstmal ziemlich absurd, aber doch total einleuchtend, für mich zumindest und sicherlich auch für alle, die schon mal Probleme damit hatten.
Diäten sind murks, weil sie nie dauerhaft gehen, sondern meist über einen bestimmten Zeitraum, nach dem Zeitraum ist man wieder alleine mit dem Essen und dann kommt Mister Jojo-Effekt und sagt hi. All diese Themen greift das Buch auf und gibt doch nicht wirklich Tipps. Keine Tipps?! Für was soll man dann das Buch bitte lesen?! – Um zu verstehen, warum es so ein Kampf ist mit den Kilos.

Warum ich das Buch gelesen habe, obwohl ich ja mit Übergewicht keine Probleme habe? Weil, was in vielen Ohren komischen klingen mag, in meinen auch (manchmal), zunehmen genauso schwer ist, wie abnehmen und es letztlich immer ein kleiner Kampf mit sich selbst ist, den man mit Nahrung führt, in welche Seite auch immer. Und außerdem ist Nicole Jäger verflucht lustig, prinzipiell sollte man das Buch alleine deswegen schon lesen.