Reformiert euch! Warum der Islam sich ändern muss

Reformiert euch!
Titel: Reformiert euch! Warum der Islam sich ändern muss
Originaltitel: Heretic. Why Islam needs a Reformation now
Autor: Ayaan Hirsi Ali
Genre: Sachbuch
Verlag: Knaus Verlag
Format: Hardcover, 304 Seiten
ISBN:978-3813506921


Kauft doch wieder mal in der örtlichen Buchhandlung ein! 

Inhalt:
Was wäre, wenn der Islam doch etwas mit dem Islamismus zu tun hat? Es keine friedliche Religion ist und es unbedingt einen Wandel braucht? Wenn unsere falsche Toleranz mehr schadet, als nützt? Ayaan Hirsi Ali fordert uns genau zu diesen Gedanken heraus, eine ehemalige Muslimin, die ihrer Religion den Rücken gekehrt hat, weil sie darin nicht mehr leben kann und will.

Meine Meinung:
Dieses Buch, die ich bis jetzt zu dem Thema gelesen habe, haben alle den Unterton beinhaltet, dass der Islam nichts mit Islamismus zu tun hat und keines war bis jetzt dabei, was sich doch kritisch mit der Religion auseinandersetzt, was ich nach „Reformiert euch!“ ziemlich gut verstehen kann, weil man, wie die Autorin es tut, es wagt Kritik zu äußeren, schnell eine Todesfatwa erhält. Todeswas? Sagen wir so, im Islam ist es von einer Autorität rechtlich gegebene Erlaubnis, jemanden zu töten. Praktisch heißt es, der Tod von Theo van Gogh, einem Regisseur und Satiriker aus Holland, durch den Fundamentalisten Mohammed Bouyeri, war von Islam geduldet. Aufschrei! Nicht jeder Muslim hat es sicherlich geduldet, manche haben sicherlich Abstand davon genommen. Sicherlich, wenn man alle Menschen in einen Topf schmeißen könnte, wäre die Deutung mancher Dinge leichter, kann man aber nicht.

Ayaan Hirsi Ali unterteilt Muslime in drei Gruppen:
Medina-Muslime, von denen man sagen kann, sie sind die extremste Form. Sie vollziehen die Gräueltaten, von denen zu lesen sind. In ihren Augen ist der Islam die einzig wahre Religion, wer nicht nach ihr lebt, muss bestraft werden, ebenso, wer nicht nach den Koran lebt. Toleranz gibt es nicht.
Die zweite Gruppe sind die Mekka-Muslime, die eindeutig die Mehrheit der muslimischen Welt darstellen. Sie sind glaubenstreu, praktizieren ihren Glauben fromm und neigen nicht zu Gewalt. Ihr Problem ist es nur, das ihre religiöse Überzeugung in einem Konflikt mit der Moderne stehen, nicht nur die der westlichen Welt.

Die muslimischen Dissidenten bilden die letzte Gruppe, sie haben sich von ihren Glauben entsagt. Sie treten dafür ein, dass der Islam sich ändern muss.
Gut, drei Gruppen – gibt es bei uns auch. Rechts, links und irgendwo so in der Mitte. Stimmt, die Sache ist nur, dass die Mekka Muslime immer mehr mit dem Konflikt ihrer Religion und der Moderne zu kämpfen haben, sich oft teilweise entscheiden müssen, ob sie zur Gruppe der Medina Muslime zurückkehren oder sich immer mehr von ihrer Religion zurückzuziehen, weil sie den der Moderne nicht hineinpasst und langsam zu Dissidenten werden. Die Dissidenten wäre nicht das Problem, es bleiben die Medina Muslime, die nicht wie unseren erzkatholische Menschen gleich jemanden töten, wenn man einmal das Wort gegen ihre Religion erhebt.

Ich persönlich glaube, das Hauptproblem des Islams liegt darin, dass sie den Koran, ein Buch aus dem 7.Jahrhundert, heute auch noch wortwörtlich übertragen möchten. Der Islam ist keine Religion des Friedens, aber das ist das Christentum auch nicht. In der Bibel wird auch gesteinigt, so manche Hexe verbrannt und auch gerne mal der Heiland gekreuzigt, aber wir sind soweit, dass es uns klar ist, so etwas nicht mit in die heutige Zeit zu nehmen, was gedauert hat, keine Frage, aber es geschah und beim Islam scheint es sich umzukehren: Durften in den 70er Jahren Muslime schon mal Miniröcke tragen und keinen hat es gestört ehe wir uns jetzt der Burka gegenüber, die, so ist es meine Überzeugung, eine absolute Unterdrückung der Frau ist, sie zu verbieten, aber genauso sinnvoll, wie Autos zu verbieten, weil es zu viele Unfälle gibt. Möglichkeit, löst aber das Problem nicht. Der Extremismus wird im Islam stärker, anstatt mit der Moderne zu gehen, jetzt ist es an der Zeit, aufzuzeigen, das Toleranz auch Grenzen hat und wir dafür einstehen, dass der Islam, in der Form, so nicht weiterexistieren sollte und wer darüber spricht, sollte nicht Angst haben vor dem Tod.

Ayaan Hirsi Ali’s Buch ist vermutlich eines der ehrlichsten, die ich zu diesem Thema bis jetzt gelesen habe. Rein von der leserlichen Form muss ich ein bisschen nörgeln, gerade die ersten 50 Seiten waren zwar interessant, aber ich finde, es werden für einfach Wörter, einfach zu gerne Fremdwörter verwendet und ich gebe es zu, viele wusste ich nicht, musste ich nachschlagen, was mir dann doch den Lesefluss etwas unterbrach. Spätestens nach ein paar Seiten ist man aber dann in den Sätzen angekommen, weil sich die Fremdwörter meist einfach nur wiederholen.

Der Roboter, der Herzen hören konnte

Der Roboter der Herzen hören konnte
Titel: Der Roboter, der Herzen hören konnte
Originaltitel: A Robot in the Garden
Autor: Deborah Install
Genre: Belletristik
Verlag: Fischer Krüger
Format: Hardcover, 336 Seiten
ISBN:978-3810522863


Kauft doch wieder mal in der örtlichen Buchhandlung ein!

Inhalt:
Ben Chambers wohnt in England, hat eine Frau und ein Haus. Damit ist er ganz zufrieden, doch in der Beziehung kriselt es. Eines Morgens sitzt ein kleiner Roboter im Garten, beobachtet die Pferde auf dem Feld hinter dem Haus. Woher er kommt, dass weiß niemand und warum er hier ist, scheint auch völlig unklar zu sein. Klar ist nur, er geht einfach nicht weg. Sein Name ist Tang, von oben bis unten ist er verdreckt und hat beschlossen, Ben auf Schritt und Tritt zu verfolgen. Als Ben zufällig bemerkt, dass der kleine Roboter Flüssigkeit verliert, erkennt er, wie wichtig ihm der „Schrotthaufen“ geworden ist und macht sich auf die Suche nach jemanden, der Tang reparieren kann. Seine Frau bringt ihm nur Unverständnis entgegen, doch Ben scheint zum ersten Mal seit den Unfall seiner Eltern, wieder ein Ziel vor Augen zu haben, ein Ziel, was ihn um die ganze Welt reisen lässt.

Meine Meinung:
Ausschlaggebend, warum ich das Buch lesen wollte, war folgender Satz in der Beschreibung: Verlieben Sie sich in einen Roboter, der Öl verliert, wenn er nervös ist.
Nun ist es aber nur ein kleiner Satz, eine kleine Zwischenszene, stellt sich die Frage, ob der Rest auch mithalten konnte.

Tang sitzt eines Tages in Bens Garten, der momentan eine kleine Krise durchlebt, findet zumindest seine Frau Amy, er ist mit seinem Leben scheinbar glücklich. Streitthema zwischen den Eheleuten ist immer mal wieder, dass Amy alleine den Haushalt schmeißt und arbeiten geht, während Ben nichts tut. Die Geschichte spielt ein wenig in der Zukunft, weil es als ein Statussymbol gilt, einen Hausandroid zu haben, der einen die lästigen Pflichten zu Hause abnimmt. Ben findet einen Androiden nicht notwendig, weil sie schließlich zu Hause auch gut alleine zurecht kommen, Amy sagt, aber nur weil sie alles mache. So geht es hin und her zwischen den Leuten, als dann Tang im Garten auftaucht und sich Ben den kleinen Schrotthaufen annimmt, ist es mit Amys Geduld vorbei. Einen alten, längst überholten Roboter nimmt Ben auf, will ihn reparieren, aber für einen Androiden ist er sich zu fein.
Es geschieht, was geschehen muss: die beiden trennen sich. Es bleibt Amys spitze Bemerkung, dass es Ben doch sowieso nicht schaffen wird, den Roboter zu reparieren, weil er noch nie etwas in seinem Leben geschafft hat, noch nie genug Ausdauer dafür hatte.

So scheint es auch zuerst, aber Ben möchte sich etwas beweisen und auch ist ihn Tang so sehr ans Herz gewachsen, dass es sich nicht vorstellen mag, was passiert, wenn er all die Flüssigkeit verloren hat, die in seinem von Rissen bedeckten Zylinder in seiner Brust ist und so beginnt die Reise.
Er sucht nach dem Hersteller, aber weil das nicht so einfach ist, weil alle nur noch fortschrittliche Androiden bauen und ihn überwiegend belächeln, ist es eine Reise mit einigen Stopps, die ihn beinahe um die ganze Welt führen. Während dieser Zeit, kommen die beiden sich näher (nicht wie ihr jetzt denkt!). Ben und Tang werden Freunde. Freunde? Ein Mensch und ein Roboter? Hier liegt ein kleiner Augenmerk, für mich, in diesem Buch. Es zeigt, wie menschlich Roboter werden könnten, wie sehr sie fühlen oder zumindest die Funktion haben zu fühlen. Einmal lässt Ben Tang alleine und der beginnt zu schreien, wie ein verängstigtes Kind. Und so wirkt Tang auch auf mich, wie ein Kind, seine Art und Weise, alles erinnert daran.

Die Geschichte möchte vermutlich zeigen, wie ein Mann lernt Verantwortung zu übernehmen und das Buch ist auch wunderbar geschrieben, hat Momente, wo man lacht und manchmal, manchmal bricht einen auch das Herz in einem Satz, doch vor allem finde ich die Geschichte ein bisschen gruselig. Heutzutage werden immer bessere Roboter gebaut, die immer menschlicher werden und man lässt sich täuschen, wir zum Beispiel bei Siri. Es ist ein Computer, aber man hat das Gefühl es ist ein Mensch, der einen versteht, der real ist, aber eigentlich ist er nur programmiert, kann er nun wirklich fühlen, ist es Wirklichkeit was er sagt oder eine vorgefertigte Reaktion auf Situationen? Androiden /Cyperhelfer mögen fein sein, erledigen sie doch oft verhasste Aufgaben, doch sollte die Technik so weit wie bei Tang gehen, dass sie menschliche Züge annimmt? Freunde ersetzt?

Pets [Film]

The Secret Life of Pets poster.jpgTitel: Pets
Regie: Chris Renaud, Yarrow Cheney
Drehbuch: Brian Lynch, Cinco Paul, Ken Daurio

Produktionsland: USA
Dauer: 86 Minuten
Erscheinungsdatum: 2016
Altersfreigabe: FSK 0

Log-Line:
In einem großen Apartmenthaus in Manhattan wird das Leben von Max als Lieblingshaustier auf den Kopf gestellt, als sein Besitzer einen schmuddeligen Mischlingshund namens Duke mit nach Hause bringt. Auch wenn sie sich Anfangs nicht riechen können, müssen sie sich schließlich verbünden, denn das weiße Kaninchen Snowball stellt eine Armee von ausgesetzten Haustieren auf, die sich an den Vierbeinern, die glücklich in Familien integriert sind, rächen wollen.

Meine Meinung:
Ein netter Unterhaltungsfilm  für die ganze Familie, ist schon klar, aber ist er auch gut? Diese Frage habe ich mir vor dem Filmstart gestellt und nachdem ich vom Kino herausspaziert bin, war mein Urteil eigentlich eindeutig.

Der Film beginnt natürlich ganz locker mit den Einführungen der jeweiligen Charaktere. Gleich danach beginnt schon das Dilemma des Protagonisten Max, ein anderer Hund macht ihm sein Zuhause streitig. Schon hier zeigt sich die Undurchsichtigkeiten der Charaktere, die ändern sich beinahe minütlich. Mal ist Max ängstlich, mal herausfordernd, mal anmaßend, mal verunsichert usw. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich von Max halten soll und so ergeht es den meisten Charakteren. Stereotypisch und mit wenig Tiefe, hier zeigt sich ein Beispiel dafür, was zu viele Charaktere anrichten können.

Mal abgesehen von den Charakteren krankt es auch an der Story … und zwar gewaltig! Die Logik verabschiedet sich öfters als einem lieb ist. Mal (Tod)Feinde, mal verbündet … das passt doch nichts zusammen. Die Szene mit dem Bus zum Schluss konnte ich nur fassungslos, mit einem Kopfschütteln, entgegnen.

Die Idee mit den „weggeworfenen“ Haustieren fand ich wirklich gut, aber die Umsetzung war schlecht gewählt. Ein knuffeliges Hoppel-Häschen wird zu einem psychischen Antigonisten … das wirkt einfach nicht. Und auch hier … Snowball kann 2 Menschen außer Gefecht setzen, aber Max nicht mal richtig kitzeln??? Die Witze zünden auch nur ab und an und von inhaltlicher Tiefe kann man hier auch nicht reden – obwohl es dafür reichlich Möglichkeiten gab. Doch gerade, als so etwas wie Tiefgang sich etablieren konnte, wird dieser im Keim erstickt.

Bei der Animation darf man überhaupt nicht mäkeln, die war tip-top … allein die Wassereffekte haben beeindruckt. Aber das allein reicht wahrlich nicht für einen guten Film!

Fazit:
Ein paar nette Momente, aber wahrlich nicht das, was ich mir erhoft habe (und was der Trailer versprochen hat). Da gab es schon wesentlich bessere Versuche, allen voran der Animationshit „Bolt – Ein Hund Für Alle Fälle“ aus dem Jahr 2008. Die Charaktere haben viel mehr Tiefgang (mal abgesehen vom Hamster vielleicht) und die Story war mehr als solide.

Die Macher der Minions wollten das wiederholen und sind meiner Meinung nach daran gescheitert.

Mein Rating:
5/10

https://de.wikipedia.org/wiki/Pets_(2016)

http://www.imdb.com/title/tt2709768/

https://www.rottentomatoes.com/m/the_secret_life_of_pets/

 

Es.Ist.Nicht.Fair.

Es.Ist.Nicht.Fair.
Titel: Es.Ist.Nicht.Fair.
Originaltitel: The Last Leaves Falling
Autor: Sarah Benwell
Genre: Jugendbuch ab 14 Jahren
Verlag: Hanser Verlag
Format: Hardcover, 352 Seiten
ISBN:978-3446252967


Kauft doch wieder mal in der örtlichen Buchhandlung ein! 

Inhalt:
Als der 17-jährige Sora die Diagnose ALS erhält, ist nichts mehr wie es einmal war. Die Krankheit schreitet rasch voran und bald ist der mit der harten Wahrheit konfrontiert: er wird sterben. Im Internet versucht er ein „normaler“ Junge zu sein, findet in einem Chat auch rasch zwei Freunde: Mai, die wunderbar zeichnen kann und den Computernerd Kaito. Sora stellt sich jedoch die Frage: Würden sie auch mit ihm befreundet sein, wenn sie die Wahrheit wüssten? Irgendwann springt er über seinen Schatten und erlebt eine ziemliche Überraschung.

Meine Meinung:
Nachdem die „Ice Bucket Challenge“ 2014 die sozialen Medien beherrscht hat, war es für mich nur eine Frage der Zeit, wann ALS auch in Jugendbüchern Platz findet, man steigt ja gerne auf einen Zug auf, der gut unterwegs ist. Man merkt, ich bin etwas negativ eingestellt und wollte „Es.Ist.Nicht.Fair.“ auch eigentlich nicht lesen, weil ich wirklich davon ausging, da hat einfach nur den Hype ausgenützt.
So stand ich eines Tages in der Buchhandlung, auf der Suche nach neuem Lesestoff und da lag das Buch, schaute mich drängend von unten an und weil ich nicht nein sagen kann, hab ich eben mal hineingelesen – nach 3 Seiten beschlossen, dass ich endlich mal mit den Vorurteilen in meinem Kopf aufräumen sollte, es gab zwar den Hype, die Tatsache ist aber auch, es findet endlich eine Krankheit Gehör, die sonst leicht überhört wurde.

Wir lernen zu Beginn Sora kennen, als die Krankheit ihn schon komplett im Griff hat. Er sitzt im Rollstuhl, seine Beine entziehen sich viel zu oft seiner Macht und er hadert mit der Ungerechtigkeit der Welt. Sagen muss ich, mir fiel der Beginn schwer. Der Schreibstil war gewöhnungsbedürftig, einer von denen, wo man sich ein wenig einlesen muss, um in der Geschichte anzukommen. Es hat für mich dann ungefähr 50 Seiten gedauert, doch dann war ich gefangen.

Sora findet schnell einen Chat, wo er sich gut aufgehoben fühlt und rasch trifft er auch auf Mai, schreibt mit ihr öfters, später kommt noch Kaito hinzu. Soweit nachvollziehbar, als Sora allerdings vorschlug, sie mal in der Realität zu treffen, weil er testen möchte, wie stark die Freundschaft wirklich ist und er sie zu sich nach Hause einlädt, kommt ein kleiner Stolperstein. Mai und Kaito sagen zu, okay, aber mal ehrlich, unter uns, die kennen sich erst ein paar Wochen, da zu einem Fremden nach Hause zu gehen, das ist doch schon eine ziemlich riskante Sache, bedenkt man, dass die Medien oft genug davor warnen oder zumindest anmerken, man solle sich lieber in der Öffentlichkeit treffen, der Sicherheit wegen. Damit habe ich doch einige Seiten gehadert, weil es für mich so unwirklich war, allerdings nimmt die Geschichte danach immer mehr an Tempo auf und man sieht über diesen Schönheitsfehler hinweg.

Die Freundschaft der drei schafft es in die Realität, für Kaito und Mai stellt die Erkrankung von Sora kein Hindernis da. Durch die „Ice Bucket Challenge“ kennt man ungefähr die Symptome, im Buch werden sie auch genannt, man kann sich ein Bild machen, doch der Fokus liegt tatsächlich auf der Freundschaft und letztlich bei Soras Gedanken, dem Tod gegenüber. Er weiß, dass er sterben wird, es nur noch eine Frage der Zeit ist – diese Situation umspannt seinen Alltag. Er befindet sich in Therapie, doch findet er dort oft keine Worte, weil er nicht glaubt, jemand könne verstehen, was er empfindet und teilweise hat er Recht, wie soll man nachempfinden, wie sich diese Situationen anfühlt, wenn man sie nur von außen betrachtet, doch Sora gewährt Einblick in seine Gedankenwelt und es ist drückend, schmerzhaft und sehr emotional. Bei den letzten 30 Seiten musste ich immer wieder einmal aufstehen, eine Runde im Zimmer drehen, weil mich eine volle Wucht an Gefühlen erfasst hatte, die mich einfach nicht still sitzen ließ.

Die Autorin kommt aus England, ihre Geschichte spielt jedoch in Japan, was ich ein wenig außergewöhnlich fand, mir zumindest so noch nicht unterkam, aber dem Buch noch einmal etwas ganz besonderes gibt. Es werden Dinge/Traditionen aus Japan erwähnt, bei denen ich mir ab und an etwas schwer tat, bis ich dann am Ende des Buches ein kleines Wörterbuch fand, wo man Erklärung für die Dinge findet. Hat man es einmal entdeckt, lässt sich die Geschichte gleich viel verständlicher lesen.

Einen sehr sehr positiven Aspekt möchte ich noch hervorheben: Es gibt keine Liebesgeschichte. Hier ist es endlich einmal so, wie es bei Büchern über Erkrankungen sein sollte – sie steht im Mittelpunkt. Keine Verliebtheit, die, man kennt es, sogar die unmöglichsten Dinge heilen kann. Es wird über Liebe gesprochen, natürlich, sie gehört zum Leben dazu, aber es ist angenehm, nachvollziehbar und wirklich minimal. Die Krankheit ALS steht im Vordergrund und dort sollte sie auch stehen!

Wir sind nicht zu fassen

Wir sind nicht zu fassen
Titel: Wir sind nicht zu fassen
Originaltitel: Don’t Get Caught
Autor: Kurt Dinan
Genre: Jugendbuch ab 14 Jahren
Verlag: Magellan
Format: Hardcover, 320 Seiten
ISBN: 978-3734850233


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Inhalt:
Seit Jahren gibt es an der Asheville-Highschool den Chaos Club, bekannt für seine legendäre Streiche. Als Max eine rätselhafte Einladung des Clubs erhält, sieht er seine Chance gekommen, endlich aus seiner Durchschnittlichkeit ausbrechen zu können. Er vergisst jedoch Gangsterregel Nr. 4: Bleib misstrauisch. Die Einladung war als Falle gedacht, aber nicht mit Max, der sich auf Gangsterregel Nr.7 bezieht: Dein ist die Rache!

Meine Meinung:
Überraschend zog dieses Buch bei mir ein und der erste Blick hat mich doch schon sehr neugierig gemacht – eine Kuh, die einen anstarrt mit dem Titel „Wir sind nicht zu fassen“, wo ist hier bitte eine Verbindung? Haben die Kühe, die Weltherrschaft übernommen und lassen sich von dem Menschen nicht mehr einfangen? Hätte durchaus sein können, der Klappentext offenbart zwar, einen Inhalt (der leider keine Weltherrschaft der Kühe beinhaltet) und trotzdem konnte ich mir allerdings noch immer nicht viel vorstellen.

Auf der ersten Seiten lernt man Max kennen, der in der Schule nicht auffällt und doch gerne mehr wäre, jemand, den man einfach kennt. Er stellt einen den Chaos Club vor, der für seine Streiche bekannt ist: die Website des Schulbezirks hacken und alle Besucher auf BauernhofLiebe.com weiterleiten, das Sprechzimmer des Beratungslehrers vom Boden bis zur Decke mit Wasserbomben anfühlen, den Fahnenmast bis ganz nach oben mit alten Autoreifen zustapeln usw. Hinter all diesen Taten steckt der exklusive Chaos Club, von den Schüler geliebt, von den Lehrern geduldet. Klar ist, nicht jeder kann dort Mitglied werden, umso aufgeregter ist Max, als ihm doch eine Einladung zukommt. Er ist allerdings nicht der Einzige, auch vier Mitschüler haben eine erhalten. Jeder mit seinen kleinen feinen Macken und doch schaffen sie es, einen schnell sympathisch zu werden.

Gut, nun könnte das Buch angefüllt sein mit Streichen, die sie als Chaos Club Mitglieder verüben, ist es aber nicht – sie wurden nämlich hereingelegt. Gerade als sie ihr vermeintliches Aufnahmeritual haben, werden sie von Sicherheitsdienst der Schule erwischt und zu demütigen Strafen verurteilt, doch wieso? Wieso wurden diese fünf Schüler ausgewählt? Sie wissen es selbst nicht, ihnen ist nur klar, dass sie Rache am Chaos Club nehmen wollen, koste es, was es wolle und wie schlägt man einen Streiche-Club am besten? Natürlich mit den eigenen Waffen.

Die ganze Zeit habe ich mich eigentlich gefragt, wer wohl hinter dem Chaos Club steht, ich hatte Verdächtige, aber sicher war ich mir nie, dass hält natürlich die Spannung, weil man nach der Auflösung lechzt. Die Streiche der „Wasserturmtruppe“ sorgen für Unterhaltung, die ganz unterschiedlich ist, mal witzig, mal ekelhaft und manchmal ehrlich gesagt auch ein wenig unrealistisch, aber gut, dass wäre „verlieren im Detail“. Dieses Buch hat etwas an sich, dass ich an den Seiten hing, obwohl es nach dem Inhalt zu schließen, nicht unbedingt eine Geschichte ist, die ich lesen würde, habe ich doch den Versuch gewagt und bin reich belohnt worden.

Mit dem Ende hadere ich ein bisschen, weil es nicht eindeutig ist, ein Hintertürchen offen ist, für ganz viel Spekulationen und eine Fortsetzung. Hört ein Buch mit einem Cliffhanger auf, bleibt immer das Gefühl, das Buch nicht beendet zu haben und eine Fortsetzung, die ist noch nicht einmal sicher, weshalb man erst Recht in den Seilen hängen bleibt. Ein deutlicher Minuspunkt, für eine Geschichte, die sonst eine runde Sache ist.

Eine Reise durch das islamische Deutschland

Eine Reise durch das islamische Deutschland
Titel: Eine Reise durch das islamische Deutschland
Autor: Karen Krüger
Genre: Sachbuch
Verlag: Rowohlt Berlin
Format: Hardcover, 352 Seiten
ISBN:978-3871348327

 

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Inhalt:
Nichts ist aktueller als die Diskussion über den Islam, das Kopftuch, über Integration und die Flüchtlingswelle. All zu schnell lässt man sich zu einem schnellen Urteil hinreißen, doch wie sieht der Alltag von Muslimen in Deutschland wirklich aus? Karen Krüger macht sich auf eine Reise der besonderen Art, trifft Menschen, die ihren Glauben abgelegt haben und andere, die sofort in den Nahen Osten in den Dschihad ziehen würden.
Es stellt sich immer wieder die Frage, passt der Islam nach Deutschland, kann man sich integrieren und trotzdem an seiner Kultur festhalten?

Meine Meinung:
Man hört in den Medien immer vom bösen Islam, bis man irgendwann selbst an den Punkt ist zu glauben: Stimmt schon irgendwie, die sind ja alle wirklich sehr gewaltbereit und die Frauen sowieso prinzipiell unterdrückt. Medien sind aber mit Vorsicht zu genießen, was man spätestens nach dem Attentat im München gemerkt hat. Drei Attentäter, Weihnachtsmannkostüm, zweite Schießerei etc. Sicherlich, sie wollen die neusten Nachrichten präsentieren, wenn sich aber letztlich herausstellt, dass die Hälfte davon unwahr ist, muss man sich selbst fragen, wie weit das Vertrauen reichen darf und wann es heißt, erst einmal abzuwarten, um die ganze Situation zu überblicken.
Sprich, nur weil jemand Deutsch-Iraner ist, hat es noch lange nichts mit Terror zu tun, ist nicht der Islam Auslöser für Mord, weil der Islam viel mehr Facetten hat.

Ich gebe es zu, wenn ich eine Frau mit Kopftuch sehe, kommen bei mir auch Gedanken an Unterdrückung auf, weil es einfach für mich sehr befremdlich ist, wenn man bei 39° es darunter aushält – freiwillig. Was mich das Buch gelehrt hat: nicht mehr zu schauen oder zumindest meine Gedanken zu hinterfragen. Die Kopftuchdebatte ist jetzt wirklich schon ziemlich ausgeleiert, Musliminnen sind es leid, immer wieder beteuern zu müssen, dass es doch ihre freiwillige Wahl ist, denn egal wie viele Argumente vorgebracht werden, der geneigte Europa liest trotzdem noch Zwang heraus, aber es ist wie bei der Nonne, die ebenfalls Platz in dem Buch bekommt – für sie ist das Kopftuch ein religiöses Zeichen, was ihre Verbundenheit zu Gott symbolisiert, ihren tiefen Glauben, warum sollte als das Kopftuch bei Muslimen anders sein – weil wir es nicht verstehen, weil es einer anderen Kultur entstammt? Fragen die bleiben, genauso bleibt aber auch die Tatsache, dass das Kopftuch nicht akzeptabel ist, wenn es als Unterdrückung eingesetzt wird.

Das Buch setzt sich aber nicht nur mit der großen Kopftuchfrage auseinander, es zeigt auch Muslime, die ihren Glauben den Rücken gekehrt haben oder ihn zumindest so praktizieren, wie ich meinen katholischen. Zu Ostern und Weihnachten geht man schon mal in die Kirche, weil muss ja, aber ansonsten hat man nicht damit viel zu tun. Natürlich gibt es auch diesen Islam, der einen zwar bei der Geburt mitgegeben wurde, aber nicht wirklich gelebt wird.

Nach über 200 Seiten wird erläutert, wie ungefährlich der Islam ist und beinahe hatte ich die Befürchtung, eines extrem eindimensionalen Berichtes, weil machen wir uns nichts vor, es gibt die radikale Seite, die man nicht ignorieren kann/soll. Es kommt aber zur Sprache, die Menschen, die sich auf in den Dschihad machen, die Frauen unterdrücken oder so extrem Erdogan huldigen, dass es schon gruselig ist. Diese Problematik gibt es, an ihr gibt es nichts zu Beschönigen, auch gibt es sicherlich Muslime, die gefährlich sind, weil sie einen Islam wie vor hunderten von Jahren leben, den Koran wortwörtlich nehmen, Passagen , die extrem gewaltverherrlichend sind, in der heutigen Zeit noch anwenden möchten. Generell finde ich es bedenklich, wenn man nach einem tausend Jahre alten Buch lebt, sei es nun Koran oder Bibel, weil sich die Gegebenheiten nun einmal ändern.

Kürzlich habe ich einen großartigen Artikel gelesen, der für mich den Terror, den Islam und die „Glaubenproblematik“ wunderbar zusammenfasst: https://volksverpetzer.de/2016/07/moslem-medien-anschlag/

Britt-Marie war hier

Britt-Marie war hier
Titel: Britt-Marie war hier
Originaltitel: Britt-Marie var här
Autor: Fredrik Backman
Genre: Belletristik
Verlag: Fischer Krüger
Format: Hardcover, 384 Seiten
ISBN:978-3810524119


Kauft doch wieder mal in der örtlichen Buchhandlung ein!

Inhalt:
Die Leute sagen, Britt-Marie wäre eine Meckerziege, was sie nur mit einem Schulterzucken quittiert. Sie möchte nur, dass alles ordentlich und richtig ist, mehr nicht. Ihr Leben lang hat sie darauf gewartet, dass ihr Leben endlich anfängt und nun, nun hat sie nach vierzig Jahren ihren Mann verlassen und sucht einen Job. Der scheinbare Anfang erweist sich als viel schwieriger als erwartet, doch in Borg kommt sie in einer Stadt an, die sich mit Schwierigkeiten auskennt.

Meine Meinung:
Nach dem Buch „Ein Mann Namens Ove“, was mir wirklich sehr gefallen hat und „Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid“, was einen ziemlichen Kaugummianfang hatte, danach aber doch überzeugen konnte, ging ich mit gemischten Gefühlen an die Geschichte.
Alles beginnt mit Britt-Marie, die beim Arbeitsamt vorstellig wird und einen Job sucht. Nichts unbedingt etwas außergewöhnliches und doch haftet der Situation was tragisches an. Ihr ganzes Leben hat sie ihrem Mann gewidmet und dessen Kinder, der Haushalt und die Erziehung, das war ihr Bereich, doch am Arbeitsmarkt bedeutet es so viel wie „nie gearbeitet“. Im Buch mag es ein wenig amüsant sein, wenn man sich aber überlegt, dass es keine Fiktion ist, dass es Frauen gibt, die sehr wohl jahrelang gearbeitet haben, nur eben nicht unbedingt in einem klassischen Beruf und dann am Arbeitsmarkt so behandelt werden, dann verschwindet das Lächeln schnell von den Lippen. Allerdings, wenn Britt-Marie sich etwas in den Kopf setzt, dann funktioniert es auch und so ruft sie einfach jeden Tag bei ihrer Betreuerin an und wie sie abgewimmelt wird, kommt sie eben vorbei, die Hauptsache ist: „gibt mir endlich eine Arbeit!“

In Borg gibt es ein Jugendzentrum ohne Hausmeister, weil es sowieso bald geschlossen und abgerissen werden soll, durch einen Fehler wird die Stelle allerdings trotzdem ausgeschrieben, auf 3 Monate befristet, niemand will den Job, doch für Britt-Marie bedeutet es Unabhängigkeit und so macht sie sich in einen Ort auf, der vor allem von der Finanzkrise gesteuert wird. Viel gibt es dort nicht mehr, nur eine Pizzeria und die Leidenschaft zum Fußball.

Die Bewohner sind, wie es sich für ein Dorf gehört, ziemlich skurrile Persönlichkeiten. Da gibt es zum Beispiel Jemand – ziemlich oft bin ich in den Sätzen zu Beginn gestolpert, aber hat man es irgendwann drauf, dann kann man auch mit einen solchen Namen die Sätze mühelos lesen. Jemand ist schon eine ziemliche Nummer für sich, in einem Dorf ist es so, dass Neuankömmlinge erst einmal prüfend beäugt werden und man sich auf Distanz hält, nicht so jemand, die stürzt sich gleich auf Britt-Marie, weil ein Neuankömmling auch frischen Wind verspricht. Es kommt in der Geschichte zwar nicht so heraus, aber zwischen ihnen, ja, man kann es schon Freundschaft nennen, wenn auch nicht auf den ersten Blick erkennbar.

Während Britt-Marie sich in ihrem Hausmeisterposten einrichtet und erst einmal gründlich putzt, entdecken auch die Jugendlichen den Neuzugang und weil der Posten in einem Jugendzentrum ist, ist es einfach unweigerlich, dass sich beide Parteien näher kommen. Die Kinder, wisst ihr, jeder von ihnen ist etwas ganz besonderes, man nimmt sie wahr, kann sie deutlich vor Augen sehen und obwohl Britt-Marie manchmal eher widerwillig handelt, merkt man auch bei ihr, dass sie etwas für die Jugendlichen empfindet – es muss einfach nur wachsen. Wie es der Klappentext schon erwähnt, kommt es dazu, dass Britt-Marie Fußballtrainierin wird, was meines Erachtens aber eher eine Nebenrolle spielt, viel mehr dringt für mich die Botschaft durch, dass es für jeden einen Platz gibt auf der Welt, wenn er auch zu Beginn nicht unbedingt offensichtlich ist.

Britt-Marie ist mit ihrer Art unglaublich komisch, obwohl sie es gar nicht beabsichtigt und sie sich eher schämt, wenn jemand lacht, weil sie der Überzeugung ist, nicht witzig zu sein und die Menschen nicht mit ihr lachen, sondern über sie. Jahrelang wollte sie nicht auffallen, hat sich angepasst, alles gemacht, um eine gute Ehefrau und Mutter zu sein, an sich hat sie dabei nicht gedacht, weshalb es ihr jetzt auch so unglaublich schwer fällt, sich selbst als wichtigsten Menschen wahrzunehmen.

Fredrik Backman gelingt es in all seinen Büchern, Humor und Tragik so zu vermischen, dass man ein Buch vor sich hat, was Leichtigkeit ausstrahlt, aber ganz viel Tiefe mit sich bringt. Für mich hat sich der Autor in meine persönliche Elite gespielt, was bedeutet, dass ich seine Bücher liebe und schätze. Sein Humor ist trocken und sarkastisch, doch hinter all den Witz, wohnt eine unglaubliche Wärme und obwohl ich Britt-Marie am Anfang auch für eine Meckerziege hielt, bleibt sie jetzt als wunderbarer Mensch in meinen Gedanken, der mehr ist, als man auf den ersten Blick wahrnimmt.