Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich

Titel: Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich
Originaltitel: Jo fortere jeg går, jo mindre er jeg
Autor: Kjersti Annesdatter Skomsvold
Genre: Belletristik
Seiten: 144
ISBN: 978-3455400946

Erste Sätze:
Ich habe schon immer gern Dinge zu Ende gebracht. Ohrenwärmer, Winter, Frühjahr, Sommer, Herbst. Epsilons Berufsleben. Die Sachen erledigen. Diese Ungeduld hatte Folgen, als Epsilon mir einmal eine Orchidee zum Geburtstag schenkte. Sie war nicht gerade nicht mein größter Wunsch gewesen, ich habe nie verstanden, was die Leute an Blumen finden, die ohnehin eines Tages verwelken. Am meisten wünschte ich mir, dass Epsilon in Rente ging.

Klappentext:
Mathea Martinsen lebt am Stadtrand von Oslo und hat gerade ihren geliebten Mann verloren. Für wen soll die alte Dame nach dem Tod des schrulligen Statistikers jetzt ihre Ohrenwärmer stricken? Mit wem kann sie fortan über das Dasein philosophieren? Matheas Versuche, ins Leben zurückzufinden, rühren und amüsieren zu Tränen.

Inhalt:
Für Mathea war ihr geliebter Mann Epsilon alles, was sie für ein glückliches Leben brauchte. Soziale Kontakte hatte sie kaum, ihr Mann reichte ihr, wer denkt auch daran, dass sich an dieser Situation einmal etwas ändern könnte. Zum Leben gehört jedoch auch der Tod und Mathea muss erfahren, wie das Leben ist, wenn man niemanden mehr hat, mit dem man es teilen kann. Ihre Gedanken schweifen in die Vergangenheit, zu der Zeit als Leben noch lebenswert war, in der Gegenwart liegt sie im Bett und überlegt, wie lange die Menschen wohl brauchen würden, um sie zu finden, wenn sie tot in ihrer Wohnung liegt. Würden sich die Nachbarn nur eines Tages über einen widerlichen Gestank aufregen, dadurch durch Zufall ihren Leichnam entdecken?

Ganz aufgeben möchte sie jedoch nicht, noch ist etwas Hoffnung in ihr, weshalb sie sich auf den Weg zu Nachbarschaftsversammlungen und Seniorentreffen macht, auch wenn es ihr innerlich wiederstrebt, dort aufzutauchen.
Werden ihre Unternehmungen von Erfolg gekrönt, oder bleibt von einem Menschen wirklich nichts übrig, wenn man niemanden hat, der an einen denkt?

Rezension:
„Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich“ ist der gelungene Debütroman von Kjersti A. Skomsvold und handelt darum, wie das Leben weitergehen soll, wenn der einzige soziale Kontakt wegbricht, denn man noch in seinem Leben hat. Mathea ist eine liebenswürdige alte Dame, die niemanden zur Last fallen möchte und deshalb versucht, so unauffällig wie möglich zu leben. Es gelingt ihr leider auch, was als Konsequenz hat, dass sie von gar niemanden mehr beachtet wird.
Im Buch schwankt sie immer wieder zwischen den Erinnerungen an ihren Mann Epsilon und der derzeitigen, von Einsamkeit geprägten, Situation hin und her. Ihre Beziehung zu ihrem Mann, war voller Wärme, auch wenn keiner der beiden es direkt zeigen kann, so liest man doch in jedem Wort eine tiefe Verbundenheit zwischen ihnen. Ihre Lage ohne Epsilon gleite jedoch nie in selbstmitleidiges Gerede ab, sondern ist oft einfach nur amüsant zu lesen, ganz gleich, wie schwer das Thema wiegt.

Der Autorin gelingt etwas Wunderbares: Sie verpackt eine traurige Geschichte in Humor, was eine Gefühlsexplosion beim lesen auslöst und das zu schaffen, ist eine wahre Meisterleistung.
Nach dem lesen wünschte ich mir, das Buch hätte mehr Seiten gehabt, einfach mehr Mathea, wobei ich mir jetzt nicht mehr sicher bin, ob nicht 144 Seiten genau richtig sind, um diese wahnsinnige Intensität an Gefühlen zu erzeugen, mehr irgendwie nur ein Gerede um den heißen Brei gewesen wäre.

Fazit:
Dieses Buch wird es sicherlich in die Top 3 meines Jahres 2011 schaffen, weil es die wahre Geschichte, vieler Menschen erzählt. Wie oft liest man in der Zeitung: Leiche nach 8 Jahren in Wohnung gefunden? Man fragt sich, wie geht so etwas? Es geht durch die Blindheit der Menschen füreinander, dieses Buch weckt auf und schärft die Wahrnehmung. Kein Mensch sollte jemals unsichtbar werden.

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