Wer ist Violet Park?

Titel: Wer ist Violet Park?
Originaltitel: Finding Violet Park
Autor: Jenny Valentine
Genre: Kinder/Jugendbuch
Seiten: 208
ISBN: 978-3423623926

Erste Sätze:
Das Minicar-Büro lag in einer Pflasterstraße mit niedrigen leinen Häusern auf beiden Seiten. Dort begegnete ich Violet Park zum ersten Mal, jedenfalls dem, was von ihr übrig war. Nebenan war ein Gesundheitszentrum – eine reichlich angeberische Bezeichnung für einen Laden mit einer ramponierten braunen Tür ohne richtige Klinke und einer angenagelten Hausnummer aus Holz, die Clowns darstellen sollte. Die 3 von Nummer 13 war ein W, das hochkant an der Mauer steckt, ich fand es ziemlich traurig und trotzdem gefiel es mir.

Klappentext:
Es gibt genug Gründe, warum Violet Park mir nichts bedeuten sollte:
Sie war alt.
Sie war tot.
Sie steckte in einer Urne auf einem Regal.
Ich traf sie zufällig eines Nachts.
Und sie veränderte alles!

Inhalt:
Das Leben des 16-jährigen Lucas Swain klingt normal, er wohnt mit seiner Mutter, Schwester und jüngerem Bruder zusammen, was manchmal Streitereien beinhaltet, aber was wohl unter allem immer lauert, ist das Fehlen des Vaters. Vor fünf Jahren verschwand er spurlos und niemand weiß, wo er ist und ob er überhaupt noch lebt. Dieser Verlust hat Lucas verändert, zwar ist er um ein einfaches Leben bemüht, bringt es aber doch nicht immer zu Stande.
Der Moment, wo sich sein Leben verändert, ist auch der Moment, in dem Violet in seinen Leben tritt. Eines Nachts treffen sich die Beiden in einer Taxizentrale. Zwischen dem rauchenden und pöbelnden Fahrern steht die alte Dame, wirkt völlig deplatziert. Sofort ist Lucas gefangen genommen, von ihrem Anblick, obwohl er eigentlich nicht weiß, dass es eine sie ist, denn Violet Park steht nicht vor ihm, was vor ihm steht, ist ihre Urne. Einst in einem Taxi vergessen, wartet sie nun hier auf ihren „Besitzer“. Durch einen Trick gelingt es Lucas die Urne an sich zu nehmen und ein Aufkleber auf dieser, verrät ihn auch den Namen der Dame, doch warum vermisst niemand sie? Auf der Suche nach Violet Parks Leben, kommt Lucas seinem eigenen immer näher und findet Antworten, auf Fragen aus der Vergangenheit.

Meine Meinung:
Direkt zu Beginn, wird man in die Geschichte hineingeworfen, findet sich in der Taxizentral wieder. Was zuerst ein bisschen fremd wirkt, da ich mir doch irgendwie erhofft hatte, etwas von Lucas zu lesen, aber vorschnelle Urteile sind nie gut, weil Lucas erzählt aus seinem Leben, nur langsam und immer stückchenweise. Wir lernen ihn von Grund auf kennen und man versteht auch schnell, weshalb er eher jemand ist, der sich dem Schweigen verschreibt. Als er nun die Urne von Violet entdeckt, scheint es so, als habe er endlich eine Aufgabe gefunden, eine, neben dem ausmalen, was mit seinem Vater passiert ist. Was anfangs wie eine schwierige Suche erscheint, entpuppt sich langsam als ein Puzzle, dessen Stücke schon längst in Lucas Leben vorhanden sind, er muss es nur noch zusammensetzen, doch ob ihn das Endbild dann gefallen wird, ist eine andere Frage.

Die Geschichte ist ein riesiger Zufall. Zuerst findet Lucas die Urne mit Violet, dann entwendet er sie, nimmt sie mit nach Hause und entdeckt, dass diese Dame sehr viel mit den Geheimnissen seines Lebens zu tun hat. Möglich durchaus, deswegen will ich da nichts werten.
Wie dann aber alles zusammenhängt, ist einfach wunderbar. Zuerst hat man den Gedanken, gut, der Junge stößt auf eine Urne, findet heraus wer die Dame ist und bringt sie zu seiner Familie. Aus. Ein einziger Trugschluss, die Geschichte ist vielschichtiger, wobei ich nichts dazu schreiben kann, ohne zu viel zu verraten. Jedenfalls kann ich sagen, alles ist anders wie erwartet.

Kritikpunkt für mich ist, dass der Gedanke „Jetzt will ich unbedingt weiterlesen, damit ich das Ende erfahre“ fehlt. Man liest, legt es auf die Seite und lässt es dort einige Zeit. Der Schluss ist großartig, keine Frage, aber das Buch nimmt einen nicht wirklich gefangen.
Und was noch ist, gerne hätte ich mehr über Violet erfahren, klar, einen kleinen Einblick erhält man, aber da sind noch so viel Leerstellen, die einfach nicht gefüllt werden. Was eventuell zum Konzept des Buches gehört, weil Lucas Leben auch von Leere beherrscht ist (das Verschwinden seines Vaters), trotzdem, ein paar Seiten mehr, hätten sicherlich nicht geschadet.

Fazit:
Ein schönes Buch für Zwischendurch.

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