Zoë

Titel: Zoë
Originaltitel: Wild Things
Autor: Clay Carmichael
Genre: Jugendbuch
Seiten: 256
ISBN: 978-3446237834

Erste Sätze:
Von einem Onkel, der Herzchirurg ist, hatte ich mir eigentlich mehr erhofft. Bei so einem Beruf sollte man doch meinen, derjenige hätte auch selbst so was wie ein Herz. Aber wie üblich schob ich den Einkaufswagen allein durch die Gänge und nahm, was ich brauchte, aus den Regalen. Dieser neue Erwachsene in meinem Leben war genauso nutzlos wie alle anderen vor ihm . Negative Hilfe, wie Mamas Freund Manny das nannte. Negativ heißt weniger als null. Kein Problem. Einkaufen und ich, wir sind alte Freunde, genauso wie Kloputzen, Staubsaugen, Waschen.

Klappentext:
Henry blieb in der Tür stehen, das Flurlicht fiel von hinten auf ihn. Anscheinend suchte er noch nach Worten, nach irgendetwas, das es uns beiden leichter machen würde.“Ich bin daran gewöhnt“, sagte ich.
„Woran?“
„Daran, dass Menschen kommen und gehen. Dass ich allein bin. Mein ganzes Leben lang bin ich die meiste Zeit allein gewesen. Nach einer Weile gewöhnt man sich daran, irgendwann gefällt es einen sogar.“
Wieder blieb es lange still. Henry senke den Kopf, ich hörte seinen Atem, spürte, wie er nachdachte über das, was ich gesagt hatte.
„Blödsinn“, sagte er und schloss die Tür hinter sich.

Inhalt:
Die elfjährige Zoë hat in ihrem kurzen Leben, schon jedes Vertrauen in die Menschen verloren. Ist es doch so, dass ich meisten irgendwann sowieso wieder verschwinden, warum erst eine Beziehung aufbauen, wenn es nur wieder in einer Enttäuschung endet.
Auf den ersten Blick wirkt sie unerschrocken und stark, doch innerlich sehnt sie sich doch nach so etwas wie einer Familie, einem Ort, an dem sie auch mal Kind sein kann.
Nach dem Selbstmord ihrer Mutter, kommt sie zu ihrem Onkel, einem ehemaligen Herzchirurgen, denn sie bis dato nicht kannte. Onkel Henry wirkt auf den ersten Blick, auch nicht wie der Traumverwandte. Meistens verschanzt er sich in seinem Atelier, da er jetzt als Künstler arbeitet. Selten findet er Zeit, um mit Zoë zu sprechen, aber Zoë findet einen anderen Freund, den wilden Kater KommKomm (deshalb so getauft, weil er eben darauf immer reagiert). Auch der Kater vertraut den Menschen nicht sonderlich, was man immer wieder in den einzelnen Kapiteln, die aus seiner Sicht geschrieben sind, lesen kann. Langsam jedoch öffnet er sich dem Fremden, auch Zoë beginnt die Distanz zu Henry, zu verkleinern, denn anders wie sie dachte, haben die Beiden mehr gemeinsam als angenommen.

Meine Meinung:
Was muss im Leben einer Elfjährigen geschehen sein, dass sie ihr Vertrauen in die Menschheit verloren hat? Dieser Gedanke trieb mich an, dieses Buch lesen zu wollen und was in Zoës Leben passiert ist, lässt schon mal an den Menschen zweifeln. Ihre Mutter, eine manisch depressive Person (Diagnose wird nicht erwähnt, wäre aber für mich am einleuchtendsten), hat ständig wechselnde Partner, welche auch auf Zoë aufpassen, wenn ihre Mutter wieder einmal in einer psychiatrischen Klinik ist. Zwar kann sich Zoë mit den Männern arrangieren, doch wusste sie immer, dass jeder einzelne sie wieder verlassen wird, wenn er merkt, wie verrückt ihre Mutter in Wahrheit ist.
Zur Schule ging sie kaum, gab es einfach einen Haushalt, den sie erledigen musste, somit bestand auch nie Kontakt zu Gleichaltrigen, ihr einziger Ort, wo sie Zuflucht fand, waren Bücher. Geschichten über Waisen faszinierten sie, egal ob Mensch oder Tier, sie verstand einfach, was sie fühlten.
Nach dem Selbstmord ihrer Mutter, wird sie zu ihrem Onkel Henry geschickt und damit beginnt eigentlich auch das Buch. Die Beiden verhalten sich sehr distanziert, wissen nicht, was sie miteinander anfangen sollen. Zoë meint zwar, ihr wäre es egal, wenn Henry sie wieder wegschicken würde, aber man merkt schnell, dass sie sich nach einem zu Hause sehnt.
Eine Gabe von Zoë ist es, dass sie die Anwesenheit von Tieren spüren kann, so auch die von Herrn KommKomm, der sich zu Anfang noch von ihr versteckt, mit Futter versucht das Mädchen, sein Vertrauen zu gewinnen.

Henrys Haus liegt direkt an einen Wald, was Zoë sofort für sich entdeckt. Auf einen ihrer Streifzüge stoßt sie auf eine heruntergekommene Waldhütte, die sie auf Vordermann bringt und als Ruhepol auserwählt. In ihrer Hütte findet sie die Kraft, um in ihr Tagebuch zu schreiben, doch so schön dieser Ort ist, so hat Zoë trotzdem das Gefühl, dort nicht alleine zu sein. Damit sollte sie Recht behalten, denn im Wald gibt es ein weißes Reh, welches oft mit einem Jungen unterwegs ist, doch diese Zwei verstecken sich, wollen alleine sein, bis es zu dem Tag kommt, als ein Mitschüler von Zoë ihre Hütte verwüstet. Der Vandale wird von einem Pfeil angeschossen, obwohl die Dorfbewohner Zoë verdächtigen, stellt sich für sie selbst schnell heraus, wer tatsächlich dahinter steckt.
Wer ist der Junge? Warum beschützt er Zoë? Werden Henry und Zoë zueinander finden?

Die Idee zum Buch gefällt mir sehr gut, weil es ganz offen zeigt, wie sehr eine psychische Erkrankung in der Familie, alle Mitglieder beeinflusst. Zoës Mangel an Vertrauen, ist nachvollziehbar und verständlich beschrieben. Als sie dann zu Henry zieht, ist es auch nicht kitschig übertrieben beschrieben, wie schnell die Zwei zusammenwachsen, eher zeigt es, wie schwer die Situation ist. Beide wissen nicht viel miteinander anzufangen und trotzdem merkt man, dass da ein Band zwischen ihnen ist, was sie verbindet.
Besonders gelungen fand ich aber die Kapitel, die aus der Sicht des Katers geschrieben wurden. Es ist einfach mal interessant, wie eine Katze das Verhalten von Menschen interpretiert, oft war es beim Lesen eine Mischung aus traurig/lustig.
Eigentlich war es ein gutes Buch, aber was mir sehr fehlte, waren Gefühle. Sicherlich, sie wurden beschrieben, schriftlich festgehalten, allerdings erreichten mich die Worte nicht. Ich las sie, fühle mich jedoch mit keinen der Personen im Buch verbunden, eventuell vielleicht noch am ehesten mit dem Kater, aber den Menschen konnte ich kein Mitgefühl entgegenbringen. Eine Schwachstelle, die schon relativ gravierend ist.
Weiterns fand ich den Verlauf der Geschichte seltsam, die Wahrheit, welche hinter den Jungen stand, fand ich einfach sehr haarstäubend. Dazu kann ich nicht viel schreiben, weil es nahezu das Ende verraten würde, aber es war einfach irgendwie viel zu unwirklich. Was jedoch deutlich erwähnt werden sollte, ist, dass die Geschichte durchaus eine Spannung bereithält, die immer zum Weiterlesen einlädt. Es ist nur so, für mich war das Geheimnis des Buches eher enttäuschend.

Fazit:
Ein Buch für zwischendurch, aber zu viele Erwartungen sollte man sich nicht machen. Es gibt einige Schwachstellen, doch weil es der Debütroman der Autorin ist, kann man sich sicherlich noch eine Steigerung, im nächsten Buch, erwarten.

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