Sommer wie Winter

Titel: Sommer wie Winter
Autor: Judith W. Taschler
Genre: Belletristik
Seiten: 199
ISBN: 978-3854526711

Erste Sätze:
Ich bin gerade neunzehn geworden, am 24. Dezember. Ich habe so lange drauf gewartet, so lange! Wenn sie mir auf die Nerven gegangen sind, meine Eltern, meine Geschwister – überhaupt ist mir mein ganzes Leben oft auf die Nerven gegangen! -, dann habe ich mir gesagt: Halte durch! Wenn du neunzehn bist, bist du frei! Frei! Dann kannst du machen, was du willst! Du kannst dein eigenes Leben führen!

Klappentext:
Alexander Sommer wächst als Pflegekind in einer Familie auf, deren heile Welt durch den aufkommenden Tourismus ins Wanken gerät. Nach und nach enthüllt sich ein Drama, das nicht nur Alexanders Herkunft offenbart, sondern auch die Weichen für seine Zukunft stellen.

Inhalt:
Familie Winter ist eine Tiroler Familie, wie man sie sich vorstellen würden. Die Mutter hat in die Ehe einen Bauernhof mitgebracht, auf welchen alle mit anpacken müssen. Mit allen sind auch die drei Töchter gemeint und genau darin sieht der Vater ein Problem. Mädchen, man will sie nicht missen, doch ein Stammhalter muss nach alter Tradition männlich sein und so überredet er seine Frau dazu, ein Pflegekind aufzunehmen. Dabei handelt es sich um den damals 3-jährigen Alexander, was zuerst nach der Vollendung der Familie aussieht, ändert sich als die Mutter, elf Jahre später, nochmals schwanger wird und einen Sohn zur Welt bringt. Jetzt gibt es einen „echten“ männlichen Nachkommen und Alexander wird nur noch geduldet. Er wir mehr zu einem Gehilfen, muss die meiste Arbeit auf den Hof übernehmen, zudem avanciert er auch zum Sündenbock. Ganz gleich was geschieht, er war es.
Seine Rolle tapfer ertragend, beginnt Alexander doch nach seiner leiblichen Mutter zu forschen und stößt auf Dinge, die er sich nie erwartet hätte.

Meine Meinung:
Das Buch ist in Therapiegesprächen der einzelnen Familienmitglieder unterteilt. Was relativ schnell klar wird ist, dass etwas passiert sein musste, was mit einem Autounfall und der Polizei zu tun hat, allerdings setzen sich die Teile nur sehr langsam zusammen. Man erfährt aus der Sicht der Töchter, der Mutter und Alexander wie ihr Leben war, wobei ein Hauptaugenmerk immer auf Alexander bleibt. Alle erzählen darüber, welche Stellung er in der Familie hat/hatte. Nach den ersten 120 Seiten war ich versucht das Buch einfach wegzulegen, weil immer und immer wieder das Selbe erzählt wurde. Ja, der Alexander war schon irgendwie arm, aber besser er als wir, sagen die Töchter. Die Mutter beschreibt, dass sie einfach nie eine wirkliche Beziehung zu dem Jungen aufbauen konnte und Alexander, er ist nicht im Selbstmitleid versunken, sondern hat einfach immer davon geträumt, endlich ausziehen zu können, dann sein eigenes Leben zu starten. Sicherlich, seine Kindheit war nicht gerade besonders schön, was einem auch gut vermittelt wird, aber wenn man Seitenweise dauernd die gleichen Sätze liest, wird auch die schlimmste Tragödie irgendwann langweilig.
Hat man sich aber mal durch diese schwerfällige Anfangsphase gekämpft, wird man dafür belohnt, denn die Geschichte kommt endlich ins rollen. Spannung baut sich auf, die Autorin löst sich von der schweren Kindheit und kommt mehr auf die Zeit, vor dem Unfall zu sprechen. Am Anfang kann man sich noch nicht wirklich vorstellen, welche Richtung das Ganze nimmt, weil ein Autounfall jetzt gerade nicht so spektakulär ist, täglich x-mal auf der Welt passiert, doch wie es dazu gekommen ist, ist alles andere als alltäglich. Was dem Leser schnell auffällt ist, dass alle Familienmitglieder Therapiegespräche führen, nur nicht der Vater, seit dem Unfall ist er nämlich spurlos verschwunden.
Tausend Enden habe ich mir in meinem Kopf ausgemalt, weil so viele Anhaltspunkte im Buch geboten wurden, aber der tatsächliche Schluss hat alles überboten, es ist keine große Wendung, aber es ist … unbeschreiblich. Noch nachdem ich das Buch aus der Hand gelegt habe, raste mein Herz.

Was mir bei Autoren aus Österreich jedoch immer auffällt, ist der etwas seltsame Schreibstill. Nicht schlecht, aber sehr gewöhnungsbedürftig, mir gefällt er nicht besonders. Habe schon das Gefühl, der unterscheidet sich stark, von europäischen, aber auch vom internationalen Stil. Ist nur ein Gefühl, muss natürlich nicht stimmen.

Fazit:
Nach 120 Seiten Durststrecke funktioniert die Geschichte, allerdings ist auf Grund einer Gesamtseitenanzahl von 199 Seiten, diese Wendung einfach zu spät. Die letzten 79 Seiten sind zwar genial, aber ob es sich lohnt, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Ich würde sagen: Ja, es lohnt sich.

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