Flüsterherz

Titel: Flüsterherz
Originaltitel: Het fluisterboek
Autor: Debora Zachariasse
Genre: Jugendbuch
Seiten: 340
ISBN: 978-3815753019

Erste Sätze:
Wir essen Salat. Sam hat Salat mit Schnecke.
„Bio“, sagt Ma und lacht ihr sonniges Ma-Lachen.
„Sehr gut.“ Pa nickt zufrieden.
„Igitt“, sagt Sam.
Und ich denke wieder an die Salatpflanzen neben der fröhlichen Flatterwäsche und dem Beet mit Mais und Bohnen bei Tibby zu Hause. Weiße Bohnen mit schwarzen Läusen. Gerade Reihen schneckigen Salats. Ich sehe Tibby mir ihrem Pa im Garten Unkraut jäten. Mit ihrem Musiker-Pa.

Klappentext:
In meinem Kopf herrscht noch immer Stille, aber ich spüre wieder etwas.
Plötzlich sehe ich Tibby vor mir, mit ihrem warmen Lachen, bei dem die Sonne aufgeht. Und Easys meergrüne Augen, in denen ich nur zu gerne versinke. Doch jetzt ist Tibby fort und ich frage mich, ob ich sie hätte zurückhalten können.
Alles, was bleibt, ist diese Stille und die Erinnerung an einen magischen Sommer.

Inhalt:
Anna und Tiberia (Tibby) kennen sich seit dem Kindergarten, doch ihre Freundschaft wurde unterbrochen als Tibby mit ihre Familie wegzog. Jahre später taucht das Mädchen jedoch wieder in ihrem Heimatort auf und besucht nun mit Anna die gleiche Klasse. Die Beziehung zueinander wieder aufnehmend, verbringen die Beiden viel Zeit miteinander, obwohl sie das jeweilige Gegenteil der anderen sind. Anna ist eine Vorzeigeschülerin, nimmt Geigenunterricht, hat Hockeytraining und kommt aus einer, in ihren Augen, spießigen Familie. Tibby hingegen kommt in der Schule gerade mal so durch, schwänzt öfters und genießt meistens ihre freie Zeit, zudem ist auch ihre Familie vollkommen anders. Ihr Vater, Mitglied einer Band, ist die meiste Zeit unterwegs, selten zu Hause und falls doch, meist betrunken, oder bekifft. Ihre Mutter steckt alle Kräfte in ihren neu eröffneten Laden, lässt ihrer Tochter jeden Freiraum, da sie meist sowieso keine Zeit für das Mädchen hat. Eine Traumvorstellung für Anna, die ihr wohlbehütetes Leben endlich ausbrechen möchte. Diese Unterschiede schweißen die Zwei zusammen, sie ergänzen und helfen einander, wo es nur geht. Besonders Anna verausgabt sich, da sie merkt, dass Tibby oft innerliche Kämpfe ausfechten muss. Ihre Hilfe wird jedoch nicht immer mit offenen Armen begrüßt, so kommt es zwischen ihnen ab und an zu kleinen Streitereien. Je mehr Anna helfen möchte, desto mehr scheint Tibby ihr zu entgleiten, bis ihr nichts mehr als eine Erinnerung an die Freundschaft bleibt.

Meine Meinung:
“Flüsterherz“ ist ein Buch über Freundschaft, mit allen Höhen und Tiefen, die eine solche durchleben kann. Die Geschichte wir rückblickend von Anna erzählt, wobei immer wieder, in kursiver Schrift, Kapitel eingestreut sind, bei denen man ahnen kann, dass irgendetwas vorgefallen ist, was alles von Grund auf verändert hat. Zu Beginn ist noch nicht ganz klar, wohin die Geschehnisse einen führen, doch so ab der Hälfe des Buches macht sich eine Ahnung breit.

Außergewöhnlich ist die Freundschaft jetzt gerade nicht, mehr wird einfach ein typischer Verlauf beschrieben, in der ab und an Hindernisse auftauchen. Besonders im Vordergrund steht Tibbys Familiensituation. Ihre Eltern sind meist nicht zu Hause, sondern auf der Arbeit und trotz das Beide einer nachgehen, fehlt das Geld an allen Ecken. Ihr Haus ist verkommen und fällt langsam auseinander, besonders berührend fand ich aber die Situation, als der Ofen kaputt ging und einfach kein Geld da war, um die Reparatur zu bezahlen. Wobei ich finde, dass es zu kurz beschrieben wird. Sicherlich, man erfährt etwas über die Geldnot, aber Interventionen seitens der Eltern fehlen gänzlich, wobei es natürlich sein kann, dass es einfach überhaupt keine gegeben hat, zumindest hätte ich mir aber gewünscht, dass auch dies kurz erwähnt wird.
Sehr berührt hat mich Tibbys Verhalten, wobei es ganz oft auch, in meinen Augen, unverständlich war. Einerseits hat sie sich wegen der Geldsituation zu Hause geschämt, trat aber andererseits trotzdem immer sehr aggressiv den Menschen gegenüber, die ihr Hilfe angeboten haben. Womöglich, weil sie sich selbst nicht komplett eingestehen wollte, wie dramatisch die Lage wirklich ist, aber vielleicht auch aus falscher Scham. Irgendwie konnte man deutlich ihre Zerrissenheit spüren, man konnte auch wahrnehmen, dass sie sich einfach nur nach einer „Familie“ gesehnt hat. Personen, die sich für sie interessieren und die ihr auch einfach mal zuhören. Besonders ihre Mutter ist sehr distanziert, weiß beinahe nichts über ihre Tochter und verbringt die meiste Zeit, in ihrem Modeladen, der die finanzielle Situation noch angespannter macht als sie sowieso schon ist. Anna versucht zwar für sie da zu sein, aber eine Freundin kann eben niemals eine Mutter ersetzen.

Mehr weiß ich jetzt eigentlich nicht zu schreiben, weil bis auf das Geheimnis, der Vorfall, der Annas Leben verändert, passiert im Buch nicht viel. Man erlebt die Schwierigkeiten einer Freundschaft, die erste Liebe, Verzweiflung, Sehnsucht, Wut, Vertrautheit, aber auch einfach, dass egal wie sehr man versucht für einen Menschen da zu sein, letztlich immer dieser Mensch selbst entscheidet, ob er „gerettet“ werden möchte, oder nicht.

Fazit:
Ein leises, ja vielleicht unspektakuläres Buch, was jedoch eine starke Botschaft beinhaltet.

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