Traumwelten

Titel: Traumwelten
Autor: Karsten Eckert
Genre: Belletristik
Seiten: 262
ISBN: 978-3869911137

Erste Sätze:
„Endlich Feierabend“ schrie es vor Freude in Julia, als sie die Tür der kleinen Damenboutique zuschloss. Es war kurz nach zwanzig Uhr und langsam kehrte Ruhe in der Innenstadt und der großen Einkaufsstraße ein. Es gab aber einen noch viel wichtigeren Grund, warum Julia sich so überaus auf ihren Feierabend freute. Zwei Wochen Urlaub.

Klappentext:
Die junge Verkäuferin Julia begibt sich auf eine außergewöhnliche Reise ins Ich. Tagträume führen die schüchterne und zurückgezogen lebende junge Frau durch das Leben vieler verschiedener, besonderer Menschen. Die geistige Reise führt sie durch alle Gesellschaftsschichten und lässt Julia ihr eigenes Leben in Frage stellen. Mit der Zeit wird ihr immer klarer, dass sie diese Selbstfindungsreise nicht allein steuert, sondern von jemand anderem geleitet wird.
Aber von wem?

Inhalt:
Das Leben der jungen Verkäuferin Julia wird von ihrer Schüchternheit dominiert. In ihrem Urlaub beschließt sie, etwas an der ganzen Situation zu ändern, in dem sie eine Reise unternimmt – eine Gedankenreise. An jedem ihrer Urlaubstage begibt sie sich unter Menschen, sucht sich solche, die auf den ersten Blick interessant wirken und träumt über ihr Leben. Wer sind sie? Warum machen sie, was sie machen? Wohin gehen sie? Worauf warten sie? usw.
Jeder dieser Lebensträume ist nicht nur eine Reise in die Welt von fremden Menschen, nein, für Julia wird es eine einzigartige Selbstfindungsreise.

Meine Meinung:
Zu Beginn hatte ich einige Startschwierigkeiten mit der Geschichte, wobei kein richtiger Grund nennbar wäre, allerdings ist auch zu erwähnen, dass ich nach 40 Seiten mich auf das Buch einlassen konnte und danach sind alle Hindernisse vom Anfang wie weggeblasen.
Julia ist auf den ersten Seiten ein leeres Blatt, man findet relativ langsam einen Zugang zu ihr und hat man ihn mal, kann ich trotzdem nicht sagen, dass sie mir sympathisch wäre.
Normalerweise ein k.o. Kriterium für ein Buch, nicht so bei Traumwelten. Zwar steht auf den Klappentext, dass es sich bei der Geschichte um eine Selbstfindungsreise handelt, für mich ist es aber eine Gesellschaftsstudie. Die Tagträume sind anfangs etwas ungewohnt, aber mit jedem weiteren verliert man sich in den verschiedenen Lebensgeschichten, hat deutlich ein Bild vor Augen, weil es dem Autor gelingt, so viel Realität in die Träume zu bringen, dass der Leser einfach mitfühlen muss.
Und diese greifbare Realität wird zu einem Kritikpunkt, weil sie nicht bis zum Ende durchgehalten wird. Das Ende ist so gewollt, so unrealistisch und lässt einen einfach unzufrieden zurück. Die Geschichte thematisiert großartig das Thema Schüchternheit und die daraus resultierenden Folgen, ein Problem, welches ich noch nie so deutlich thematisiert in einem Buch las, vermutlich hätte ich mir deswegen einfach ein vorstellbares Ende zum Abschluss gewünscht.

Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig, eigentlich nur eine Sache daran und die lässt sich am leichtesten an einem Beispiel zeigen:
Noch einen Tag zuvor hätte Julia beide Beine unter die Hand genommen und wäre fort gerannt, aber heute war einer ihrer besseren Tage. Julia versuchte die Menge an Anwesenden halbwegs zu genießen.
Die Veränderung war Julia durchaus bewusst, gekonnt verdrängte sie die Tatsache wie alle Gedanken, die sich als störend erweisen könnten.(Seite 33)
Aufgefallen? Durchgehend kommt es im Buch immer wieder zu Wortwiederholungen, besonders was die Personennamen betrifft. Anfangs war ich schon sehr genervt davon, weil ich mir dachte: ist gut, langsam habe ich kapiert, dass es die Geschichte von Julia ist usw., nach einiger Zeit gewöhnt man sich aber daran.
Im Buch gibt es einige Rechtschreibfehler, was für den Gesamteindruck schon etwas störend ist, wobei sie dem Lesefluss nicht wirklich beeinflussen.

Trotz aller Kritik überwiegt letztlich doch das Positive. Traumwelten ist ein Buch, was mit keinem anderen vergleichbar wäre. Die Probleme mit der Schüchternheit, heißt Isolation und Einsamkeit, sind deutlich nachvollziehbar beschrieben, wenn auch Julia die Lage relativ leicht zu nehmen scheint – trotz erwähnter Selbstmordgedanken.
Die Tagträume lassen einen mitfühlen und über die Menschen nachdenken, über ihre Gründe hinter vielen Handlungen.

Fazit:
Zwischen einigen Schwachstellen verbirgt sich eine wunderbare Geschichte, die zum Nachdenken anregt.

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