Sieben Stunden im April

Titel: Sieben Stunden im April
Autor: Susanne Preusker
Genre: Erfahrung/Biografie
Seiten: 160
ISBN: 978-3843600385

Erste Sätze:
Das Nachwort als Vorwort
Wahrscheinlich gibt es nicht viele Bücher, Romane, Erzählungen, Essays, die mit dem Nachwort beginnen. Aber wahrscheinlich gibt es auch nicht viele Autorinnen oder solche, die sich dafür halten, die eine klare Vorstellung davon haben, wie sie in der NDR Talk Show ihr Sensationswerk vorstellen, ins kleine Schwarze gewandet, scheiden, aber selbstsicher auftretend. Und die gleichzeitig überhaupt keinen Plan haben, wie sie dieses Ziel genau erreichen können. Menschen, den Kopf voller Ideen, Fragmenten, Kapitelüberschiften, Buchtiteln, Bildern, aber unfähig dieses Knäuel zu entwirren, um den Anfang zu finden.

Klappentext:
Ihre Geschichte ging durch alle Medien. Die Gefängnispsychologin Susanne Preusker wird an ihrem Arbeitsplatz, dem Hochsicherheitsgefängnis in Straubing, von einem inhaftierten Sexualstraftäter sieben Stunden lang eingesperrt, mit dem Tode bedroht und vergewaltigt. Ungeschminkt und mit erzählerischer Präzision schildert Susanne Preusker das Unvorstellbare, die Todesangst, aber vor allem, wie sie nach dem Martyrium überlebt hat.

Inhalt:
Die Psychologin Susanne Preusker war bis 2009 Leiterin einer sozialtherapeutischen Abteilung für Sexualstraftäter in einem Hochsicherheitsgefängnis. Im April 2009 wird sie von einem verurteilten Frauenmörder sieben Stunden als Geisel genommen. In dieser Zeit vergewaltigt sie der Mann, welchen sie davor vier Jahre lang therapiert hat, mehrmals.
In ihrem Buch „Sieben Stunden im April“ erzählt die Autorin wie diese sieben Stunden ihr komplettes Leben verändert haben und es auch immer noch tun.

Meine Meinung:
Viele können sich vermutlich noch an die Medienberichte 2009 erinnern, in denen über die Geiselnahme einer Gefängnispsychologin berichtet wurde. Voller Entsetzen und dem Nichtwissen, was hinter den Mauer geschieht, hat man die Berichterstattung gesehen und nach wenigen Tagen wieder vergessen, weil Vergewaltigungen alltäglich sind und deswegen leider schon mit einer viel zu entsetzlichen Ignoranz behaftet sind, doch Susanne Preusker zeigt mit ihrem Buch, was eine solche Tat tatsächlich mit einem Menschen macht.
Mein erster Gedanke war: Eine Psychologin, naja, wenn die sich nicht helfen kann, dieses Trauma zu überwinden, wer dann. Diese Meinung musste ich aber relativ schnell zur Seite legen, da es vollkommen gleich ist, ob man Psychologin ist, oder nicht, die Tat bedeutet einen Ausnahmezustand für Körper und Seele, kein Wissen der Welt kann einen davor schützen.
Susanne Preusker gelingt es nachvollziehbar zu beschreiben, wie es sich anfühlt, wenn man sich von der Welt entfernt, wenn ein „Wattegefühl“ im Kopf entsteht und alles nur noch durch Automatismen aufrechterhalten wird.
Was mir ein wenig gefällt hat, waren die Gefühle und Gedanken zu den einzelnen Situationen. Die Autorin beschreibt zwar die Auslöser für ihre Panikattacken, schreibt aber nicht, wie diese Attacken sie emotional bewegen, oder welche Gedanken ihr während diesen ihr durch den Kopf gehen.

Erfahrungsberichte beurteile ich generell sehr ungern, weil es vordergründlich ja nicht darum geht, unbedingt der Leserschaft zu gefallen, sondern durch das Niederschreiben selbst Freiheit zu erleben, trotzdem ist bei dem Buch einfach das „Problem“ das Fehlen der emotionalen Sichtweise. Der Schreibstil ist relativ nüchtern und es fällt schwer, sich ein Gesamtbild der Situation zu verschaffen.

Fazit:
Ein interessanter Erfahrungsbericht, wobei teilweise die Gefühle fehlen.

2 Gedanken zu “Sieben Stunden im April

  1. Es ist bekannt, dass traumatisierte Menschen Gewalttaten beschreiben können, als wären sie nicht dabei gewesen oder seien gefühlmäßig völlig davon distanziert. Schutzmechanismen des Gehirns.

  2. Ist mir schon bekannt und diesen Mechanismus verüble ich niemanden, immerhin hilft er beim Überleben, allerdings gibt es im Bereich Erfahrungen deutlich bessere Bücher. Wie gesagt, die Distanziertheit ist vollkommen in Ordnung, lässt aber das Buch an Authentizität verlieren.

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