Im Meer schwimmen Krokodile


Titel: Im Meer schwimmen Krokodile
Originaltitel: Nel mare ci sono i coccodrilli. Storia vera di Enaiatollah Akbari
Autor: Fabio Geda
Genre: Erfahrung/Biografie
Seiten: 192
ISBN: 978-3813504040

Erste Sätze:
Ich habe einfach nicht damit gerechnet, dass sie wirklich weggeht.
Wenn man als Zehnjähriger abends einschläft, an einem ganz normalen Abend, der auch nicht dunkler, sternenklarer, stiller oder übel riechender ist als andere; an einem Abend, an dem dieseleben Muezzin von den Minaretten zum Gebet rufen wie immer; wenn man als Zehnjähriger – und das ist nur so dahingesagt, weil ich gar nicht genau weiß, wann ich geboren bin, denn in der Provinz Ghazni gibt es keine Geburtenregister – also, wenn man als Zehnjähriger einschläft, und deine Mutter drückt deinen Kopf vor dem Schlafengehen länger an ihre Brust als sonst und sagt:
Drei Dinge darfst du nie im Leben tun, Enaiat, jan, niemals, versprich es mir.
Erstens: Drogen nehmen. Manche duften und schmecken gut, und wenn sie dir vorgaukeln, mit ihnen ginge es dir besser als ohne, hör nicht auf sie, versprich es mir!
Versprochen.
Zweitens: Waffen benutzen. Auch wenn jemand dich oder deine Ehre beleidigt, versprich mir, dass deine Hand niemals zu einer Pistole, einem Messer, einem Stein, ja nicht einmal zu einem Holzlöffel greifen wird, wenn dieser Holzlöffel dazu dient, einen Menschen zu verletzen. Versprich es mir!
Versprochen.

Klappentext:
Es gibt Tage, da schenkt das Leben dir nichts.
Und es gibt Tage, da schenkt es dir alles.

Als der kleine Enaiat eines Morgens erwacht, ist er mutterseelenalleine. Mit dem Ziel, ein besseres Leben zu finden, begibt er sich auf eine lange Reise Richtung Westen. Er hat nichts, woran er sich halten könnte, außer das Versprechen, das er seiner Mutter beim Abschied gegeben hat: Jeden Tag nach einem Grund zu suchen, um glücklich zu sein.

Inhalt:
„Im Meer schwimmen Krokodile“ behandelt die Geschichte des 10-jährigen afghanischen Jungen Enaiat, der mit seiner Mutter vor den Taliban nach Pakistan flüchtet. Hier hört die Geschichte von Mutter und Sohn auf, da erstere in einer Nacht und Nebelaktion Enaiat alleine lässt, um zu ihren anderen Kindern, nach Afghanistan, zurückzukehren.
Von einen Tag auf den anderen ist seine Kindheit beendet und er muss um sein Leben kämpfen. Er nimmt Arbeit an, verdient Geld, bezahlt Schlepper und lernt die Menschen von all ihren Seiten kennen. Ihm wird schnell klar, dass es in Pakistan keine Zukunft für ihn gibt, Europa, davon reden immer alle und genau dahin möchte er. Was folgt ist eine Reise über Jahre, die durch die unterschiedlichsten Länder führt. Pakistan, Iran, Türkei, Griechenland und letztlich den Ort seiner Träume: Italien.

Meine Meinung:
Was bringt eine Mutter dazu, ihren 10-jährigen Sohn alleine in einem fremden Land zu lassen? Diese Frage ging mir während des Lesens immer wieder durch den Kopf. Natürlich ist es vielleicht ihr Wunsch gewesen, dass Enaiat ein besseres Leben irgendwo hat, aber ist dieser, wenn auch nachvollziehbare, Wunsch, ein Kinderleben wert?
Auf sich alleine gestellt, muss der Junge schnell lernen, für sich selbst zu sorgen, was nicht leicht ist, da immer die Gefahr lauert, als Illegaler entdeckt zu werden und in einem Gefängnis zu landen. So muss er sich auf seine Menschenkenntnis verlassen, entscheiden, wem er vertrauen kann und wem nicht. Was für einen Erwachsenen schon eine schwierige Aufgabe ist, wird für ein Kind fast eine unmögliche, doch Enaiat beweist Stärke, Wille und Mut. Immer mit den Gedanken vor Augen, irgendwann wo anzukommen, wo er hingehört, stellt er sich seinem Leben.
Seine Erfahrungen zu lesen, ist zutiefst beklemmende. Viele Situationen sind mit dem Tod verbunden, lassen einen nur erahnen, was diese Flucht in Enaiats Seele zurücklässt.

Früher las ich in der Zeitung: „Flüchtlingsschiff vor Küste untergegangen: 150 Tote“ und dachte mir, tja, selber schuld. Dieses Denken hat sich verändert, es ist der Frage gewichen, ob es in unserer heutigen, immer so gelobten entwickelten, Welt, wirklich noch so etwas geben muss.

Fazit:
Eine wahre Geschichte, die tief unter die Haut geht und einen lang nicht loslässt.

2 Gedanken zu “Im Meer schwimmen Krokodile

  1. Ich habe mir die Geschichte durchgelesen weil ich selbst auch geflüchtet bin und war schwer enttäuscht von dem Buch. Ich finde die Geschichte hat so viel Wahrheitsgehalt und Emotionen wie Vampire Diaries.

    • Liebe Hanna,
      ich musste nicht flüchten, Gott sei Dank, und es tut mir leid, dass dir es widerfahren ist. Wie viel Wahrheit in der Geschichte steckt, kann ich leider deswegen nicht beantworten, aber es bringt mich zum Nachdenken.

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