Ohne Netz

Titel: Ohne Netz
Autor: Alex Rühle
Genre: Erfahrung/Sachbuch
Seiten: 220
ISBN: 978-3608946178

Erste Sätze:
Mittags, auf den Weg in die Kantine, bitte ich Christopher und Bernd, mit mir einen kurzen Umweg zu machen, bei den Jungs von der IT, im zweiten Stock, vorbei. Ich will die beiden als Zeugen dabeihaben. Der Sachbearbeiter, der mir das Gerät vor etwa einem Jahr ausgehändigt hat, fragt zuerst, ob das ein Scherz sei.

Klappentext:
„War ein eher ruhiger Tag: 68 Mails im Eingang, 45 geschrieben. Ich mach den Rechner aus, zieh meine Jacke an, stell mich in den Aufzug und denke: ‚Harakiri. Gute Nacht, du schöne Welt.'“

Alex Rühle ist ein erfolgreicher Journalist, er kommt ganz schön rum, ist glücklich verheiratet und hat zwei Kinder und er ist süchtig. Er ist ein Internet-Junkie. Kein Extremfall, nicht mal die Ausnahme. Er ist gerade so abhängig wie Sie und ich es sind, nur dass wir es nicht immer wissen. Doch Alex Rühle weiß es und macht Ernst: Ein halbes Jahr wird digital gefastet, und das Leben als Journalist und Vater muss offline weitergehen. Dabei ist das Porträt einer Zeit entstanden, in der alles immer schneller geht und man doch keine Zeit hat, und in der das Allein-Sein zur Tortur geworden ist.

Inhalt:
Für ein halbes Jahr verzichtet der Journalist Alex Rühle auf das Internet, obwohl er durch Arbeit, aber auch im Privatleben teilweise davon abhängig ist. Es ist der Versuch, ob man tatsächlich abhängig ist, oder es sich viel mehr nur einredet. Zusätzlich zum Internetentzug verzichtet er für die Dauer des Experimentes auch auf sein BlackBerry, ganz ohne Handy geht es aus beruflicher Sicht nicht, jedoch ist es ein Modell ohne Kamera, Internet und all den Schnickschnack.
Ist es heutzutage möglich, aus der Internetwelt auszusteigen, wenn man erst einmal drin ist?

Meine Meinung:
Schafft es ein Mensch in der heutigen Welt, für ein halbes Jahr auf das Internet zu verzichten? Gewiss, mit viel Durchhaltevermögen, allerdings gebe ich es zu, es zwar selbst durchaus schaffen zu können, jedoch nicht darauf verzichten zu wollen. Freundschaften laufen über E-Mails, Bankangelegenheiten werden online geregelt, oder man klickt sich manchmal nur sinnlos durch Videos, weil die Alternativen fehlen. So ergeht es vielen Leuten, kostet man erst einmal ein Stück Internet, möchte man es nicht mehr missen.
Alex Rühles Werk ist interessant, setzt sich viel damit auseinander, wie das Internet uns Menschen verändert hat. Er spricht und zitiert Fachleute, „Ohne Netz“ wird dadurch teilweise zu einem Fachbuch, was mich etwas enttäuscht hat, weil ich mir wirklich nur einen Erfahrungsbericht vorgestellt habe. Vor einen halben Jahr habe ich „Ich bin dann mal offline“ von Christoph Koch gelesen, der „nur“ für 40 Tage sowohl auf Internet wie auch auf sein Handy komplett verzichtet hat. Was mir daran so gefallen hat, war wirklich, dass er beschreibt, wie sich seine Welt verändert hat. Probleme die im Freundeskreis auftreten, wenn man nicht sofort und überall erreichbar ist. Die Verwendung von alten Medien wie Lexikon, Wörterbücher und Telefonbüchern. Die schwierigen Bedingungen für einen Journalisten, wenn man für einen Bericht nicht schnell mal googeln kann usw. Alle diese Hindernisse fehlen mir bei Alex Rühle, ein halbes Jahr scheint ihm beinahe keine Probleme gemacht zu haben. Er bewegt sich viel mehr auf der fachlichen Ebene und lässt sein Leben etwas außen vor. Er schrieb in seinem Buch, er möchte nicht so über die Probleme jammern, deswegen erzählt er nicht x-mal wie schwer es für ihn, aber genau das hätte ich lesen wollen. Jammern und Selbstmitleid während deswegen so faszinierend für mich, weil ich vermutlich selbst darin verfallen würde. Möchte von keinen tapferen Offline-Helden lesen, sondern lieber von einem Online-Süchtigen wie mir.

Es ist kein schlechtes Buch, sondern eher eines, was mehr aus der fachlichen Sicht geschrieben wird und vermutlich für jene empfehlenswert, die neuen Medien skeptisch gegenüberstehen und interessiert sind an wissenschaftlichen Meinungen.

Fazit:
Obwohl kein schlechtes Buch, würde ich eher „Ich bin dann mal offline“ von Christoph Koch empfehlen, da dieser es schafft Humor und Ernst der Lage zu verbinden. Alex Rühles Buch ist eher trocken.

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