Protokoll einer Abhängigkeit


Titel: Protokoll einer Abhängigkeit
Autor: Claire
Genre: Erfahrung
Seiten: 116
ISBN: 978-3492237857

Erste Sätze:
18.06 Uhr. In etwas weniger als einer Stunde würde Claire ihm gegenüberstehen, nach über dreißig Jahren, in weniger als sechzig Minuten den Mann sehen, der ihr alles genommen hatte, nur ihr Leben nicht, und während vieler Jahre hatte sie gedacht, daß er ihr damit nicht unbedingt einen Gefallen getan hatte.

Klappentext:
Claire ist noch ein kleines Mädchen, als sie dem Metzger zum ersten Mal begegnet. Die Bekanntschaft hat fatale Folgen, denn es kommt nicht nur zum Mißbrauch, sondern auch zu einer jahrelangen Abhängigkeit, zu gro0en Schuldgefühlen und grenzenloser Einsamkeit. Dreißig Jahre später sind die seelischen Narben zwar verblaßt, aber Claire entschließt sich zur Konfrontation mit dem Metzger und mit sich selbst, weil sie endlich Verantwortung für sich selbst übernehmen will.

Inhalt:
Claires Eltern sind überfordert mit ihren Kindern und beschließen deswegen das Mädchen in allen schulischen Ferien zu ihren Großeltern zu schicken, damit sie etwas mehr Ruhe haben. Mit dem Gefühl, von niemanden wirklich geliebt zu werden und nur ein Störfaktor zu sein, lernt sie im großelterlichen Schlachtbetrieb den Metzger kennen. Er kümmert sich um das kleine Mädchen, gibt ihr das Gefühl wertvoll zu sein, doch seine Zuneigung ist nicht uneigennützig – er beginnt Claire zu missbrauchen. Sie schweigt darüber, verbringt trotz einigen Schmerzen gerne die Zeit mit dem Metzger. Er ist und bleibt die einzige Person, für die sie eine Wichtigkeit besitzt.
Die Zeit vergeht und die Wege des Metzgers und Claire trennen sich. Dreißig Jahre später meldet er sich jedoch nochmals bei ihr und bittet um ein Treffen. Zwischen den Gefühlen hin und her gerissen, entscheidet sich Claire zur Konfrontation.

Meine Meinung:
Die Kapitel im „Protokoll einer Abhängigkeit“ wechseln immer zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her. Man begleitet die junge Claire (Vergangenheit) in den Weg der Abhängigkeit gegenüber dem Metzger. Es wird die Zerrissenheit in einer Kinderseele beschrieben, die bei solch einem Missbrauch oft stattfindet. Einerseits gibt einen die Person das Gefühl, ihr vertrauen zu können, für sie etwas Besonderes zu sein, auf der anderen Seite fügt sie einem Schmerzen zu. Wie soll man mit diesem starken Kontrast zurechtkommen, wenn man es gedanklich einfach noch nicht versteht. Richtig, Claire akzeptiert die zugefügten Verletzungen, solange sie ihre Bezugsperson behält.
Man begleitet aber auch die erwachsene Claire (Gegenwart), die sich auf das Treffen mit dem Metzger vorbereitet. Die durch die Vorkommnisse sich selbst die Schuld für alles gibt, immerhin hat sie nichts gesagt, sich nicht gewehrt, ja trotz allem immer wieder den Kontakt gesucht. War traurig, wenn sie vom Metzger manchmal mit Ignoranz gestraft wurde. Heute weiß sie zwar, dass was damals geschehen ist falsch war und in ihr wächst auch eine Wut heran, die jedoch durch die Zweifel an ihrer Unschuld oft in Unsicherheit endet. Sie steht im Zwiespalt, ob sie den Metzger überhaupt nochmal sehen möchte, oder ob sie die Sache lieber auf sich beruhen lassen sollte.

Ich glaube, noch nie habe ich ein so offenes und ehrliches Buch zum Thema Missbrauch gelesen. Für Claire ist der Metzger die einzige Person, der sie vertrauen kann, so lässt sie vieles über sich ergehen, nur damit sie ein bisschen Zuneigung erhält. Sie reagiert gekränkt, wenn der Metzger sie auf Abstand hält und wenn er sie auf Abstand hält, merkt man, dass er selbst mit sich kämpfen muss. Er ist erwachsen, weiß das er etwas Falsches macht und flüchtet dann auch manchmal aus der Situation, kann sich allerdings nicht vollkommen von seinen Sehnsüchten trennen.

Fazit:
Es ist großartig welche Geschichte auf gerade mal 116 Seiten erzählt wird, wie viel sie einen über Opfer, aber auch dem Täter sagt.

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