Ich werde immer da sein, wo du auch bist


Titel:
Ich werde immer da sein, wo du auch bist
Originaltitel: Hold Still
Autor: Nina LaCour
Genre: Jugendbuch
Seiten: 320
ISBN: 978-3596854134

Erste Sätze:
Ich sehe den Wassertropfen zu, wie sie von meinen Haarspitzen perlen. Sie rinnen am Handtuch entlang und bilden eine Pfütze auf dem Sofakissen. Mein Herz klopft so laut, dass es in meinen Ohren dröhnt.

Klappentext:
Als ihre beste Freundin sich das Leben nimmt, bricht Caitlins Welt auseinander und ihr Herz gleich mit. Warum hat sie das getan? Warum hat sie nichts gesagt? Hätte Caitlin ihr nicht helfen können?
So viele Fragen, die unbeantwortet bleiben. Doch dann macht Caitlin eine Entdeckung und erfährt noch viele Dinge über ihre Freundin. Fast mehr, als sie ertragen kann. Und kann endlich Abschied nehmen.

Inhalt:
Caitlins Welt ändert sich von einem Tag auf den anderen als sich ihre beste Freundin Ingrid das Leben nimmt. Hätte sie nicht etwas merken müssen? Hätte sie mehr tun sollen? Ist es ihre Mitschuld?
Verloren in Gedanken lässt sie den Alltag an sich vorbeiziehen, ohne ihn wirklich wahrzunehmen – bis zu dem Tag, an dem sie eine Entdeckung unter ihrem Bett macht. Ingrids Tagebuch.
Darf man die Privatsphäre eines Menschen verletzten und seine geheimsten Gedanken lesen, ohne sich schuldig zu fühlen? Wie liegt die Sache, wenn die Person tot ist?
Möchte Caitlin wissen, was sie übersehen hat – hat sie überhaupt etwas übersehen?

Meine Meinung:
Die Teenagerzeit eines Menschen gehört wohl zu den emotionalsten überhaupt. Es ist extrem schwierig dafür die richtigen Worte zu finden, ohne irgendwie ins kitschige abzurutschen. Nina LaCour gelingt es einzigartig diese Achterbahnfahrt verständlich und auch sehr berührend zu beschreiben.
Caitlin leidet sehr unter dem Verlust ihrer besten Freundin und hat Schuldgefühle, da sie anscheinend nicht in der Lage war, Ingrid zu retten. Das „Warum?“ steht bei einem Selbstmord ja immer im Vordergrund und oft gibt es darauf keine Antwort, aber Ingrid wollte ihrer Freundin eine Antwort geben, weshalb sie ihre Tagebuch bei Caitlin versteckt hat.

Die Mischung macht dieses Buch aus, denn man verliert sich jetzt nicht in Tagebucheintragungen, sondern diese werden im richtigen Maß in die Geschichte eingestreut. Sie zeigen Seiten an Ingrid, die diese erfolgreich vor ihrer Außenwelt versteckt hat, weil sie wusste, wie zerstörerisch sie sein können. Durch Caitlin lernen wir aber auch die fröhliche Ingrid kennen, die es durchaus gab und in den Herzen vieler noch weiterlebt.
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Das Buch beginnt im Sommer nach Ingrids Selbstmord und endet ein Jahr später. Ein Jahr voller Schmerz, Trauer, Wut, aber auch Hoffnung, Freundschaft und Liebe. Während des Lesens ist man seinen Gefühlen hilflos ausgeliefert, weil man einfach so viele Eindrücke in sich aufnimmt und in der Geschichte komplett untergeht. Man spürt Caitlins Verzweiflung durch ihre Worte, aber man teilt auch die Freuden – man lebt einfach im Buch mit.
Und ich bin immer wieder beeindruckt, wenn es Autoren schaffen, alleine nur durch Worte, eine körperliche Reaktion bei mir auszulösen.

Einen kleinen Kritikpunkt gibt es allerdings, wobei der sich auf einen einzigen Absatz bezieht. Eine Person sagt zu Caitlin :“Das Leben ist beschissen.“ und ihre Reaktion darauf „Kann schon sein, aber nicht immer. Nicht immer, glaube ich.“
Diese Situation findet genau ein Jahr nach Ingrids Selbstmord statt und nachdem was sie erlebt hat, hätte ich mir da eine andere Reaktion erwartet/gewünscht. Irgendwie mehr Interesse und auch eventuell das Angebot, darüber zu sprechen usw.
Wie gesagt, ist nur ein winziger Makel.

Als Leser begleitet man Caitlins zurück in ihr Leben, fällt mit ihr, steht allerdings auch immer wieder auf und sucht zusammen mit ihr nach dem Leben.
Für mich das beste Jugendbuch 2011.

Fazit:
Es gibt Geschichten, bei denen wünscht man sich, sie würden niemals enden, weil sie einen einfach so sehr fesseln und berühren. „Ich werde immer da sein, wo du auch bist“ ist so ein Buch.

2 Gedanken zu “Ich werde immer da sein, wo du auch bist

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