Dann bin ich seelenruhig


Titel: Dann bin ich seelenruhig
Mein Leben als Ritzerin
Autor: Angela S.
Genre: Jugendbuch/Erfahrung
Seiten: 164
ISBN: 978-3401065830

Erste Sätze:
„Laut Sanitäter war es der Patientin noch möglich gewesen, selbst zum Rettungswagen zu laufen. Während des Transports sei sie dann zunehmend eingetrübt…Der Rettungsdienst wurde durch einen Mitbewohner der Patientin gerufen, da sie 80 Tabletten um ca. 19 Uhr eingenommen habe. Eine Borderline-Störung ist bekannt, letzter stationärer Aufenthalt vor ca. sechs Wochen.“
Aus dem Klinikbericht der Intensivstation vom 21.04.2010

Klappentext:
Warum Angela sich zum ersten Mal verletzt hat, weiß sie heute nicht mehr. Sie war zwölf und da waren so viel Wut und Schmerz in ihrem Inneren, die nach draußen mussten. Seitdem war Angels dreimal in einer psychosomatischen Klinik, vor einem Jahr hat sie versucht, sich das Leben zu nehmen. Und doch kämpft sie jeden Tag aufs Neue: für sich, für ihre Zukunft und gegen diese Krankheit, die – noch – ein Teil von ihr ist.

Meine Meinung:
„Mein Leben als Ritzerin“ beginnt mit dem Selbstmordversuch der damals 18-jährigen Angela. Eigentlich wollte sie sich gar nicht umbringen, wollte nur endlich den Druck in sich selbst nicht mehr spüren und nahm deswegen Beruhigungstabletten – 80 Stück, weil der Schmerz in der Brust einfach nicht verschwinden wollte. Für die Ärzte war klar, dass es ein Selbstmordversuch war und somit findet sich sie in der Psychiatrie wieder und dort beginnt auch die eigentliche „Geschichte“. Angela erzählt von ihrem „Alltag“ in der Klinik, welche Gedanken und Gefühle sie dort durchlebt. Dazwischen kommen immer wieder Stücke, wo sie dem Leser versucht zu erklären, warum und wieso sie sich selbst verletzt.

Relativ unpassend finde ich den Titel „Mein Leben als Ritzerin“, weil sich das Buch nicht nur um dieses Problem dreht, sondern eines der Symptom ihrer Erkrankung – der Borderline Persönlichkeitsstörung – ist. Für mich war es viel mehr ein Erfahrungsbericht über das Leben mit dieser Krankheit, besonders weil auch die Abhängigkeitsproblematik, die ebenfalls ein Symptom ist, beschrieben wird. So ist es doch ein leicht falsches Bild der psychischen Störung, da man schnell annehmen könnte Borderline=Ritzen, was allerdings nicht stimmt. Sie können zusammen auftreten, müssen aber definitiv nicht.

Angela S. beschreibt ihr Leben, ihre Gefühlsachterbahn, die Suche nach dem Leben und sich selbst. Sie setzt sich mit Ihrer Vergangenheit auseinander, versucht das unveränderbare zu akzeptieren, damit sie ihren Platz findet. Einen zentralen Platz bei der Verarbeitung finden die Misshandlungen durch ihre Mutter. Welche der Leser auch durch das Lesen kennenlernt, allerdings nicht nur ihre schlechten Seiten, sondern auch die guten und das lässt eine deutliche Zerrissenheit spüren.
Was ich toll finde ist, dass in diesem Buch nichts übertrieben wird. Es gibt oft Bücher, wo man aus der Dramatik heraus, schnell mal alles überspitzt darstellt. Ist hier nicht, es ist sehr authentisch und durchaus nachvollziehbar.

Ein Betroffener wird sich in diesem Buch sicherlich wiederfinden und für Angehörige könnte es relativ hilfreich sein, dass denken des Menschen zu verstehen, was doch manchmal sehr komplex und unlogisch auf einen wirken mag. Und Interessierte bekommen einen guten Einblick in eine andere Welt.

Neben der Geschichte gibt es für mich nur einen Kritikpunkt: das Cover. Die Cover der „mein Leben“ – Reihe finde ich so dermaßen hässlich, dass ich mir zuerst überlegt habe, ob ich mir das Buch überhaupt kaufen soll (ja, ich orientiere mich am Cover, um zu entscheiden, ob ich ein Buch nehmen soll). Die Chance reinzulesen hat mich letztlich die Entscheidung treffen lassen und ich bin dankbar dafür.

Fazit:
Sehr guter und interessanter Erfahrungsbericht über die Borderline-Persönlichkeitsstörung.

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