Gott bewahre


Titel: Gott bewahre
Originaltitel: The Second Coming
Autor: John Niven
Genre: Belletristik
Seiten: 400
ISBN: 978-3453675971

Erste Sätze:
„Da kommt Gott – tut so, als wärt ihr beschäftigt!“ – Das steht auf dem zerfledderten Aufkleber, der an dem Metallschrank neben dem Wasserspender klebt. Aber heute ist es kein Witz: Gott kommt wirklich, und die Leute geben sich auch alle Mühe, beschäftigt zu wirken.

Klappentext:
„Da kommt Gott – tut so, als wärt ihr beschäftigt.“ Denn Gott ist stinksauer. Nachdem Er sich im Himmel eine einwöchige Auszeit für einen Angelurlaub gegönnt hat, kehrt Er nach etwa vierhundertfünfzig Jahren (ein Tag im Himmel entspricht siebenundfünfzig Erdenjahren) wieder zurück an Seinen Schreibtisch und muss mit ansehen, wie die Erde in der Zwischenzeit den Bach runtergegangen ist. Umweltsünden, Kriege, moralischer Verfall, kirchliche Hassprediger, skrupellose Kommerzialisierung – die Menschen sind auf dem besten Weg, sich selbst zu zerstören. Und so bleibt Gott nichts anderes übrig, als Seinen Sohn Jesus Christus, dem es im Himmel blendend geht und der mit Jimi Hendrix Gitarre spielt und Joints raucht, wieder auf die Erde zu schicken, um Gutes zu tun und das einzig wahre Gebot SEID LIEB zu predigen. Widerwillig landet Jesus in New York und versucht, zunächst erfolglos, als Sänger und Gitarrist in einer Rockband Gehör zu finden. Derweil schart er seine ersten Jünger um sich – Drogenabhängige, Gescheiterte, Obdachlose, denen er zu helfen versucht. Als seine Mission, die Massen zu erreichen, zu scheitern droht, greift er zum letzten Mittel: Er nimmt an einer Castingshow teil. Damit beginnt eine denkwürdige Odyssee quer durch Amerika.

Inhalt:
Was denkt Gott über die momentane Weltsituation?
Warum unternimmt er nichts, wenn er doch allmächtig sein soll?
Wieso lässt er die schrecklichsten Dinge zu?

Was wenn die Antwort auf diese Fragen ganz einfach ist? Gott gönnte sich einmal in seinem endlosen Leben Urlaub und aufgrund der unterschiedlichen Zeitrechnungen zwischen Himmel und Erde war seine Ferienwoche im Himmel, auf der Erde 400 Jahre lang.
Nach dem Angelurlaub kehrt er in sein Büro zurück und muss sich mit den Schandtaten der Menschheit auseinandersetzen. Und weil es schon einmal funktionierte, entschließt er seinen Sohn Jesus auf die Erde zu schicken, damit er die einzig wahre göttliche Botschaft verkündigen kann: Seid lieb!
Jesus, zuerst von der Aufgabe nicht sonderlich begeistert, will er doch weiter mit Jimi Hendrix Musik machen, kiffen und einfach nur die Ewigkeit genießen, findet sich schließlich doch damit ab und kehrt im Jahre 2011 auf die Erde zurück.
Wie verkündet man die frohe Botschaft, in einer Zeit, wo der Glaube entweder gar nicht oder extrem ausgelebt wird? Gestrandet in New York schließt er sich mit einigen Menschen zusammen, die in etwa dieselben Interessen wie er teilen. Kiffen, Musik, chillen.  Erst als sie auf ein Plakat der Sendung American Pop Stars aufmerksam werden, entsteht ein Plan, wie man die Menschen erreichen könnte.

Meine Meinung:
Das Cover sprang mich sozusagen gleich an, da es doch mit einem ziemlich heiklen Thema spielt: Religion. Da ist der rauchende Jesus, vor einer Gefängniswand abgebildet – der Titel „Gott bewahre“ lässt natürlich viele Vermutungen offen, sicher ist nur – dabei muss es sich um eine skurrile Geschichte handeln. Die ersten Seiten bestätigen diesen Eindruck auch relativ schnell, wenn man über das Himmelsbüro liest und mit dem herrlich lockeren Schreibstil konfrontiert wird.
Jesus kommt einen trotz seines Alters (33 Jahre auf der Erde) wie ein Jugendlicher vor, der Träumen nachhängt und eigentlich keine wirkliche Ahnung hat, was er mit seinem Leben machen sollte. Er ist eben auch nur ein Sohn, Gottes Sohn eben und als dieser ihn auf die Erde schickt, ist er erst nicht so begeistert, erinnerte er sich doch, was das letzte Mal geschah als er den Menschen einen Besuch abstattete. Trotzdem beugt er sich und findet auf der Erde schnell ein paar „Jünger“ (Drogenabhängige, Alkoholiker, Obdachlose) mit denen er sich umgeben kann. Die Truppe ist relativ sympathisch und man liest gerne von ihnen, von ihren Wegen irgendwie zu überleben.
Jetzt hat sich mir die Frage gestellt, wie Jesus es wohl anstellen wird, seine Botschaft zu verkündigen, immerhin findet man heutzutage schwerlich Gehör. Die Idee des Autors ihn bei American Popstars (Deutschland sucht den Superstar in den USA) teilnehmen zu lassen, ist wohl der amüsanteste Punkt des Buches, ansonsten ist der Humor nämlich eher dünn besiedelt.
Die Geschichte ist relativ flüssig geschrieben, die Seiten lassen sich schnell weglesen und spannend ist es zudem auch, so dass man das Ende wissen möchte.

Bin selbst jetzt nicht wirklich gläubig, was aber bei dem Buch gar nicht notwendig ist, solange man von der (eventuellen) Existenz von Gott, Jesus, Himmel und Hölle weiß, ist man mit den besten Hintergrundwissen ausgestattet. Gläubigen Menschen, die sich auch an die Kirche, Bibel und all diese Sachen halten, wird „Gott bewahre“ wohl eher nicht zusagen, weil vieles davon durch den Kakao gezogen wird.

Eigentlich wollte ich nur 2 Sterne vergeben, weil das Buch einen nicht wirklich vom Hocker reißt, aber letztlich werden es doch 3 Stück, da die Geschichte mal etwas vollkommen anderes ist. Nichts Vergleichbares würde mir einfallen und letztlich war es doch ein amüsantes Lesevergnügen.

Fazit:
Nicht so humorvoll, wie vielleicht erhofft – trotzdem ein interessantes Buch für Zwischendurch.

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