Der frühe Wurm hat einen Vogel


Titel: Der frühe Wurm hat einen Vogel
Autor: Michael Niavarani
Genre: Humor/Kurzgeschichten
Seiten: 352
ISBN: 978-3850027649

Erste Sätze:
Dies ist also die erste Geschichte. Diese erste Geschichte schreibe ich nur aus einem einzigen Grund: Man hat mir abgeraten, mit der zweiten Geschichte zu beginnen. Ich selbst hätte nichts dagegen gehabt, aber von Seiten des Verlages meinte man, es würde ein wenig Verwirrung stiften, mit der zweiten Geschichte zu beginnen und dann erst als zweite Geschichte die erste Geschichte zu bringen.

Klappentext:
Na sowas! Das darf ja nicht wahr sein! Dass ausgerechnet Sie jetzt die Hinterseite meines Buches lesen! Wer hätte das gedacht? Gerade Sie, um genau diese Uhrzeit, in exakt dieser Buchhandlung – unglaublich. Wenn mir jemand vor drei Jahren gesagt hätte, dass wir einander hier begegnen, ich hätte es kaum für möglich gehalten.

Aber nachdem der Zufall lediglich eine Wirkung ist, deren Ursache offensichtlich nicht in unserem Universum liegt, wundert es mich gar nicht so sehr.

Ich soll Ihnen von den Figuren aus den Geschichten dieses Buches die besten Grüße übermitteln. Reinhard Waldemar, der mitsamt seinem Burnout noch im Wellnesshotel in der Steiermark weilt, würde Sie gerne kennenlernen. Herr Kowalski würde Sie gerne auf seiner Quantenwahrscheinlichkeitswelle durchs Multiversum mitnehmen. Sollte Ihnen die Prinzessin auf der Erbe begegnen, nehmen Sie sich in Acht, sie ist etwas hysterisch. Hannes, er ist erst neunzehn, würde gerne von Ihnen getröstet werden, hat ihn doch seine Freundin vor kurzem verlassen. Der, der auszog das Fürchten zu lernen, lässt fragen, ob Sie Marihuana brauchen? Doreen lädt Sie zu ihrem Konzert ein, Penelope wartet in einem Stundenhotel auf Sie.

Meine Meinung:
„Der frühe Wurm hat einen Vogel“ ist ein Buch mit 9 Kurzgeschichten, wobei meine Meinung zu den Einzelnen sehr unterschiedlich ist.

In der ersten Geschichte stellt sich der Autor selber vor, redet über seine Schreibblockade, dass er eigentlich kein Buch schreiben mag und gibt uns, dem Leser, Empfehlungen was man außer lesen noch tun könnte. War für mich ein gelungener Start, weil es ein etwas anderer Einstieg in ein Buch war.
Geschichte 2 ist skurril, lässt sich flüssig lesen und ist doch sehr vom Kommissar Zufall beeinflusst, was der Autor aber durchaus selbst zu gibt.
Geschichte 3 ist furchtbar. Der Welt steht kurz vorm Untergang, nur der Autor kann es verhindern, indem er die Show „Dancing Stars“ nicht moderiert. Jetzt klingt alles schon ziemlich seltsam, aber die Idee war eigentlich gut, was in mir Abneigung erzeugt hat, war das Gerede über Paralleluniversum und Physik. Mich interessiert letzteres nicht sonderlich, deswegen habe ich einfach irgendwann abgeschalten, weil es einfach das Hauptthema war und ich nichts mehr verstand/verstehen wollte.
Geschichte 4 ist weder gut noch schlecht, sie ist ok.
Geschichte 5 fängt großartig an, hat mich gefangen genommen. Gott wird dort als   Praktikant der Firma „Schöpfung & Universen – Intelligent Design GmbH & Gott KG“ vorgestellt und man lernt ihn mal von einer anderen Seite kennen. Gefiel mir wirklich sehr gut, nur leider kam dann der Absturz. Der Autor kommt wieder zu seinem Lieblingsthema Physik und schon war die Lesemotivation wieder auf dem Nullpunkt.
Geschichte 6 lässt sich nicht erklären, die muss man selbst lesen, um zu verstehen.

Wir befinden uns jetzt auf Seite 170, bislang konnte das Buch nicht sonderlich überzeugen, war eher enttäuschend.

Und dann fängt man mit der 7. Geschichte „Es war einmal“ an und freut sich. Im Märchenwald wird es zu gefährlich, deswegen ziehen gute Fee, böser Wolf, Schneewittchen und alle anderen Figuren in unsere Welt. Nehmen Menschengestalt an und versuchen sich irgendwie zurechtzufinden. Gut geschrieben und einfach fesselnd.
Mit Geschichte Nummer 8 hat mich der Autor  dann vollkommen für sich gewonnen, weil man bei ihr einem Gefühlsrausch ausgesetzt wird. Sie spielt in einem Wellnesshotel, in der auch Menschen Urlaub machen, die ein Burn out haben und genau solche trifft man, lacht und weint mit ihnen.
In der 9. Geschichte schmeißt der Autor eine Party für alle Figuren in seinem Buch, er ist relativ froh, sein Buch fertig zu haben und bedankt sich fürs Lesen. War in Ordnung, passt als Abschluss perfekt.

Fazit:
Bis Seite 170 sind die Geschichten ziemlich langweilig, überzeugen nicht und zerren stark am Nervenkostüm, aber ab dann hat man das Gefühl, ein vollkommen anderes Buch in den Händen zu haben. Die folgenden Geschichten fesseln, lassen einen mitfühlen und lassen einen fast die Strapazen des ersten Teiles vergessen.
Tipp: Einfach gleich auf Seite 170 mit dem Lesen anfangen.

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