Vom Atmen unter Wasser


Titel: Vom Atmen unter Wasser
Autor: Lisa-Marie Dickreiter
Genre: Belletristik
Seiten: 272
ISBN: 978-3827009456

Erste Sätze:
Mit sieben Jahren beschloss ich, meine kleine Schwester für immer loszuwerden.
Wir saßen allein in der Küche. Sarah in ihrem Laufstall, für den sie längst zu alt war, und ich am Tisch vor meinem Müsli. Wo meine Mutter an diesem Morgen war, weiß ich nicht, und auch nicht, was sie tat.

Klappentext:
Ein Jahr ist vergangen, seit Sarah, die sechzehnjährige Tochter der Bergmanns, ermordet wurde. Inzwischen ist der Täter verurteilt, das Leben geht wieder seinen normalen Gang. Für alle – bis auf die Bergmanns. Was geschieht mit denen, die zurückbleiben, die nicht einfach so weitermachen können? Mit großem psychologischen Einfühlungsvermögen entwirft Lisa-Marie Dickreiter das intime Porträt einer Familie, die am Verlust der Tochter zu zerbrechen droht.

Meine Meinung:
Das Buch beschreibt die Welt der Familie Bergmann ein Jahr nachdem die 16-jährige Sarah ermordet wurde.  Die Vorkommnisse haben alle verändert und trotzdem versuchen sie wieder im Leben anzukommen. Simon, der Bruder von Sarah, setzt sein Medizinstudium fort, versucht durch das Lernen Ablenkung zu finden, der Vater geht seiner Arbeit als Bewährungshelfer nach und versucht so, den Alltag wieder näher zu kommen. Nur die Mutter findet kein Ventil für ihre Verzweiflung, ihre Trauer nimmt überhand und sie wird nach einem Selbstmordversuch in eine Klinik eingeliefert.
Wieder wird das Leben aller Beteiligten erschüttert, die Dinge ändern sich und jedes Klammern an den Alltag mag nicht so wirklich gelingen.
Simon, der eigentlich in einem Studentenwohnheim wohnt, zieht wieder zu Hause ein, um ein Auge auf seine Mutter zu haben, während der Vater bei der Arbeit ist. Zwischen Selbstaufgabe und ständiger Rücksichtnahme, versuchen alle langsam einen Weg für sich selbst zu finden.

Die Geschichte wird aus der Sicht der drei Familienmitglieder erzählt, jeder kommt abwechselnd zu Wort und erzählt über sein Leben und die Veränderung seit dem Tod von Sarah.
Mutter Anne vergräbt sich in ihrer Trauer und Verzweiflung, schließt ihren Sohn und Mann vollkommen aus und verbringt ihre Tage mit Erinnerungen an Sarah.
Vater Jo sehnt sich nach der Familie, die sie einmal waren, nach Geborgenheit und Liebe. Dem Gefühl von verstanden werden, doch scheint es unerreichbar, so dass er andere Weg wählen muss, um zu erreichen, wonach er sich sehnt.
Simon nimmt sich nach dem Selbstmordversuch seiner Mutter ein Urlaubssemester, wobei dies eher geschieht, weil sein Vater ziemlichen Druck auf ihn ausübt. Er versucht zu seiner Mutter vorzudringen, möchte ihr den Schmerz nehmen und scheitert doch immer wieder. Die Beziehung zu seinem Vater ist eher doch Ablehnung und Enttäuschung geprägt. In meinen Augen verlangt sein Vater auch einfach viel zu viel von dem gerade erst 20-jährigen. Natürlich ist es verständlich, dass untereinander Rücksichtnahme herrschen sollte, aber sein Vater entzieht sich oft Situationen und lastet sie Simon auf, vielleicht weil er sie selbst nicht ertragen kann, nicht weiß wie damit umgehen, aber sie deswegen dem Sohn aufzulasten, wahrscheinlich nicht der richtige Weg, wobei es eine Extremsituation ist, so dass vermutlich jeder so reagiert, wie er kann. Mir als Leser kamen einige Handlungen von Jo und Anne ziemlich egoistisch vor, da besonders Simon immer zwischen den Parteien stand und nicht wusste wohin. Besonders seine Zerrissenheit war für mich deutlich wahrnehmbar, seine Eltern scheinen ihn beinahe zu vergessen, sind zu sehr auf sich bedacht. Klar, jeder muss seinen Weg zurück ins Leben finden, durchaus mal egoistisch sein, aber dabei den Sohn komplett außer Acht lassen? Es war auf der einen Seite verständlich, auf der anderen wieder nicht, wobei man bei so einer Geschichte vermutlich nie wirklich etwas versteht, solange man solch eine Situation nicht selbst erlebt hat.

Was mich ein wenig gestört hat, war die fehlende Emotion, während des Lesens fühlte ich nicht sonderlich mit den Beteiligten mit. Die Gefühle sind nicht wirklich zu mir durchgedrungen.
Trotzdem was das Buch einzigartig, weil es die Zerstörung einer Familie in Worte fasst, die mich als Leser ziemlich erschüttert hinterlassen haben. Möchte nicht sagen „Die Geschichte ist gut“, weil es irgendwie nicht passt, viel eher ist sie beklemmend, beklemmend realistisch.

Fazit:
„Vom Atmen unter Wasser“ behandelt kein leichtes Thema und doch gelingt es der Autorin, Worte für das Unaussprechliche zu finden. Lesenswert.


Das Buch wurde übrigens verfilmt, leider ist allerdings keine DVD dazu erhältlich – zumindest momentan.

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