Trisomie so ich dir


Titel: Trisomie so ich dir
Autor: Dirk Bernemann
Genre: Belletristik
Seiten: 188
ISBN: 978-3942920056

Erste Sätze:
Was bisher geschah: nichts. Gar nichts. Und es gibt Leute, die finden es nicht mal bedrohlich, wenn nichts passiert, die machen einfach weiter mit den Verrichtungen des Alltags, ignorieren ihren Herzschlag, halten das Leben für einen Prozess der Selbstverständlichkeit und lassen alles laufen.

Klappentext:
Roy hat ein Herz aus Pudding, Solveig züchtet Illusionen und Ingeborg muss am Ende ihres Lebens ihre Liebe halbieren. Die Leben dreier Menschen kollidieren, antriebsgestört, gefühlsüberfüllt und impulsbescheuert. Dabei passieren unnacherzählbare Dinge, bei denen nicht nur Gott lieber wegschaut.

Dirk Bernemann erzählt die verstörenden Biographien von drei Zufallsexistenzen, deren Lebenswege wie Regentropfen an der Fensterscheibe zusammenlaufen. Dazu benutzt er eine Spreche, die gleichzeitig dokumentiert und herzergreifend berührt.

Meine Meinung:
Bis jetzt habe ich alle Bücher von Dirk Bernemann gelesen und war jedes Mal beeindruckt, doch kann sich „Trisomie so ich dir“ leider nicht  zu diesen Erfolgen gesellen.
Wie üblich handelt es sich um Geschichten, in Geschichten und in Geschichten. Die drei Protagonisten sind: Roy, der an Trisomie 21 (Down Syndrom) leidet und auf der Suche nach der Liebe, zufällig auf die rothaarige Solveig stößt. Sie ist auf der Suche nach ihrem Leben und empfindet das Gefühl, einfach keinen Platz zu finden. Mit einer Freundin lebt sie in einer WG, ihre Nachbarin ist die ältere Ingeborg, die zu Hause ihren bettlägerigen Mann pflegt und sich daran gewöhnen muss, ein anderes Leben zu leben, wie es einst zu zweit war.
Durch Nachbarschaft, oder den lieben Zufall, trifft man sich des Öfteren, spricht Worte miteinander, schweigt sich an, hängt Gedanken nach oder ignoriert einander gekonnt.
Die Hauptperson, die Roy auf eine gewisse Weise ist, leidet am Down Syndrom und damit wagt sich der Autor auf dünnes Eis, da es doch immer gefährlich ist, irgendwo anzuecken, diskriminierend zu wirken, aber es gelingt ihm fabelhaft, eine gewisse Normalität in sein Leben fließen zu lassen.

Was Dirk Bernemann einfach fantastisch kann, ist es menschliche Charaktere zu erschaffen, die durch ihre Gedanken zu etwas besonderem werden.

Was mich dieses Mal nicht überzeugt hat, war der Schreibstil. Normalerweise gelingt es ihm mit einem Satz mehr auszusagen, als anderen Autoren mit einem ganzen Buch, aber nun fehlt irgendwie diese poetische Ader, die die Schrecklichkeit der Menschheit in Schönheit verwandelt. Ziemlich genervt hat mich auch, dass sich die Geschichte um Roy und Solveig die meiste Zeit um Sex gedreht hat. Klar, der Autor hat schon immer gerne provoziert und genau das hat seine Bücher so besonders gemacht, aber es lässt sich einfach nicht erkennen, was es mit dieser ganzen Sexualisierung auf sich hat. In seinen früheren Büchern kam natürlich auch Sex vor, passt perfekt hinein, war wohl dosiert, aber jetzt war es einfach zu viel, für meine Gefühle. Es wurde nicht mehr als Mittel zum Zweck verwendet, um eine Situation zu unterstreichen, sondern fand einfach immer und zu jeder Gelegenheit statt. Man könnte jetzt interpretieren, dass die Menschen nichts anderes mehr im Kopf haben und deswegen ein Hauptaugenmerkt in der Geschichte daraufgelegt wird, sollte es so gewesen sein, kam es bei mir nicht wirklich an.

Was ich positiv herausheben möchte, ist die Geschichte von und mit Ingeborg. Sie lebt mit ihrem, nach einem Schlaganfall, bettlägerigen Mann zusammen, pflegt ihn und scheint glücklich zu sein, weil da ja doch noch jemand ist, der sie sieht und der sie braucht. Als ihr Mann dann stirbt ändert sich alles für sie und es wird ein wichtiges Thema behandelt, nämlich Einsamkeit im Alter und dies gelingt dem Autor recht gut.

Das Ende der Personen ist jeweils ziemlich überraschend und hat sich durch nichts erahnen lassen. Sie sind anstößig und unmoralisch, aber so ist nun mal die Welt und genau diese Wahrheit zeichnet das Buch aus. Straftaten befürwortet vermutlich niemand und trotzdem geschehen sie.

Fazit:
Dirk Bernemann gehört wirklich zu meinen Lieblingsautoren, allerdings konnte mich „Trisomie so ich dir“ nicht überzeugen. Zu viel Sex und zu wenig Wortgewalt.

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