Das Wunschspiel


Titel: Das Wunschspiel
Originaltitel: The Wishing Game
Autor: Patrik Redmond
Genre: Thriller
Seiten: 448
ISBN: 978-3442451357

Erste Sätze:
Draußen vor dem Fenster blies ein bitterkalter Wind, aber der Schein des Feuers verlieh dem Raum etwas Behagliches. Der junge Mann starrte von seinem Sessel zu der Uhr auf dem Kaminsims hinüber.
Zehn nach zwölf.

Klappentext:
England 1954: In einem Elite-Internat kommen unter mysteriösen Umständen mehrere Schüler und ein Lehrer ums Leben. Die englische Oberschicht ist geschockt und setzt alles daran, die Vorfälle zu vertuschen. Jahre später stößt ein Journalist auf die alte Geschichte und erfährt von einer gefährlich Freundschaft zwischen zwei Jungen, die mit dem Feuer spielten…

Meine Meinung:
Die Geschichte spielt in dem englischen Jungeninternat Kirkston Abbey, auf welches zumeist Söhne reicherer Eltern gehen. Jonathan kommt allerdings aus bürgerlichen Verhältnissen, was für viele seiner Mitschüler schnell zu einem Grund wird, um ihn zu hänseln. An der Schule hat er jedoch auch Freunde, wie zum Beispiel Nicholas und die Zwillinge Michael und Stephen. Durch sie wird der Alltag um einiges leichter, hat man doch jemanden zum Reden. Trotz allem wäre Jonathan gerne viel selbstsicherer, ungefähr so wie sein Mitschüler Richard Rokeby. Diesem scheint niemand etwas anhaben zu können, weil er sich in gewisser Weise über alle stellt. Schüler, aber auch Lehrer scheinen vor dem Jungen Respekt zu haben, genau was Jonathan auch möchte, so sucht er immer öfters Richards Nähe auf. Normalerweise hält dieser alle Menschen auf Distanz, doch Jonathan lässt er an sich ran, ihm bietet er eine einzigartige Freundschaft an, die der Junge gerne eingeht. Welchen Preis er dafür zu zahlen hat, wird ihn allerdings viel zu spät klar.

Begonnen hat das Buch damit, dass ein Journalist im Jahre 1999 einen ehemaligen Schüler des Internates aufsucht, um von ihm die Wahrheit über die Vorkommnisse von damals zu erfahren. Durch ihn wird die Geschichte auch erzählt, wobei ich nicht sagen möchte, welcher Schüler es ist, weil damit ein bisschen die Spannung genommen wäre.
Die Erzählung selbst spielt im Jahre 1954, wobei die Situation an der Schule durchaus auch auf heutige Verhältnisse passen würde. Unterschiedliche Charaktere: der Schweigsame, der Dominate, der Einzelgänger, ungerechte, aber auch faire Lehrer – alles findet man im Buch vor, die Personen sind so realistisch beschrieben, niemals übertrieben dargestellt, dass einem selbst durchaus Erinnerungen an die eigene Schulzeit hochkommen.
Gewissermaßen ist die Beziehung zwischen Richard und Jonathan mehr eine Art Abhängigkeit, da von Richards Seite sehr viel Druck kommt. Er ist gerne bereit Jonathan zu lehren, wie man selbstbewusster wird, dazu muss er aber nahezu alles aufgeben, was ihm lieb und wichtig ist. Selbstbewusstsein lässt sich nämlich nur erschaffen, wenn man hasst, alles und jeden. Die Egalhaltung gegenüber den Menschen macht es erst möglich, dass man eine gewisse Erhabenheit erreicht. Richard ist aber jetzt niemand, der durch körperliche Gewalt, Ansehen und Respekt von seinen Mitschülern erhält, mehr sind es seine sprachlichen Fähigkeiten, die zwar immer sehr sachlich, allerdings auf einer tieferen Ebene verletzen. Besonders dieser Aspekt hat mich sehr fasziniert, weil viele oft denken: lass die Leute reden, sie wissen es eben nicht besser, aber Worte können manchmal schmerzhafter sein, wie ein Schlag.

Das Buch wird als Psychothriller bewertet und nach dem Lesen konnte ich dem nicht so ganz zustimmen, doch je mehr Zeit vergeht, desto mehr pflichte ich dem bei. In einem Thriller muss nicht nur Blut fließen, hier spielen sich die Grausamkeiten zumeist auf der menschlichen Seele ab. Menschen werden manipuliert, psychisch verletzt und letztlich kommt die große Katastrophe.

Die Todesfälle an sich sind teilweise eindeutig, auf der anderen Seite kommt auch ein bisschen das Übernatürliche ins Spiel, was mich nicht störte, trotzdem ein wenig unglaubwürdig auf mich wirkte. Ein realistisches Ende hätte ich vorgezogen, aber wie gesagt, das Buch verfügt über eine extreme inhaltliche Gewalt, die einem in ihren Bann zieht, dass dieser kleine Schönheitsfehler übersehen werden kann.

Fazit:
„Das Wunschspiel“ ist eine Geschichte über Abhängigkeit, psychische Gewalt und Geheimnisse. Alles was man sich von einen spannendem Thriller wünscht. Sprachlich ist es leicht zu lesen, aber wieder so außergewöhnlich, dass man das Buch nicht weglegen kann.

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