Die Behandlung


Titel: Die Behandlung
Originaltitel: The Treatment
Autor: Mo Hayder
Genre: Thriller
Seiten: 512
ISBN: 978-3442456260

Erste Sätze:
Als alles vorbei war, musste sich Detective Inspector Jack Caffery von der Mordkommission Südlondon eingestehen, dass ihn an jenem wolkenverhangenen Juliabend in Brixton am meisten die Krähen aus der Fassung gebracht hatten.

Klappentext:
Ein schockierendes Verbrechen stellt die Londoner Polizei vor ein Rätsel: Im Haus der Familie Peach muss sich Unaussprechliches zugetragen haben, bevor die Polizei die Wohnung stürmte und bevor Rory, der kleine Sohn der Peaches, enrführt wurde. Doch die Eltern können oder wollen keine Angeben zu den Geschehnissen machen. Schon bald macht in der Gegend das Wort von einem unheimlichen „Troll“ die Runde, der kleine Kinder töten soll – und der vielleicht bereits sein nächstes Opfer ausgesucht hat.

Meine Meinung:
Zusammen mit dem Polizist Jack Caffery macht man sich auf die Suche nach dem Troll, der scheinbar dafür verantwortlich ist, was im Haus der Peaches passierte. Schnell wird auch klar, dass der Polizist nicht nur völlig uneigennützig an dem Fall arbeitet, denn vor 27 Jahren verschwand sein Bruder Ewan und er sieht in der Sache einen neuen Hinweis endlich herauszufinden, was mit dem damals 9-jährigen Jungen passiert ist. Durch seine privaten Verbindungen beginnt er sich in den Fall hineinzusteigern, hat keine anderen Gedanken mehr übrig, auch nicht für seine Freundin Rebecca. Sie wünscht sich nichts sehnlicher, dass Jack endlich den Fall seines Bruder abschließt, zudem lebt sie in der ständigen Angst, dass er einen Blödsinn begeht, nur um die Wahrheit zu erfahren. Unrecht soll sie mit ihren Befürchtungen nicht haben, denn Jack begibt sich in die tiefen eines pädophilen Netzwerks – die Informationen dort scheinen ihn beinahe um den Verstand zu bringen.

Nach ca. 150 Seiten überlegte ich ernsthaft das Buch zur Seite zu legen, zu schrecklich waren die Dinge, die dem Leser präsentiert wurden. Einerseits geht einen die Grausamkeit des Verbrechens nahe, auf der anderen Seite ist es aber auch die sachliche Ebene, der alltägliche Ton der Polizei, die einen tief verstören. Natürlich ist es deren Arbeit, sich von dem Fall so gut wie möglich zu distanzieren, aber jemanden der nicht täglich mit Mord, Vergewaltigung und Gewalt zu tun hat, geht ihre Vorgehensweise doch ziemlich nahe.

Der erste Teil befasst sich mit dem Verbrechen an der Familie Peaches, welches natürlich den Verlauf des Buches bestimmt, allerdings geht es im zweiten Teil mehr um die Suche nach dem Troll, da Jack Caffery schwer annimmt, dass er sich schon wieder eine neue Familie gesucht hat, die er quälen kann. Recht soll er behalten und man durchlebt mit der Familie die schrecklichen Tage die sie durchstehen müssen.
Bis zum Ende hin ist unklar, wer denn nun der Troll ist, zwar werden Fährten gelegt, jedoch kommt es immer anders wie man denkt.  Der Autor versucht die Spannung dauerhaft zu erhalten, allerdings hatte ich nach ca. 300 Seiten einen kleinen Einbruch. Jetzt kann ich es auf die Grausamkeit schieben, von denen ich einfach nicht mehr lesen wollte, oder aber darauf, dass ein kleiner langatmiger Teil durchzustehen war. Sicherlich spielen beide Faktoren eine wichtige Rolle, allerdings hat es sich letztlich doch sehr gelohnt, durchzuhalten.

Ein paar Ungereimtheiten bezüglich des Trolles gibt es für mich schon, wobei es vermutlich zu viel verraten würde, diese anzuführen – trotzdem ist es für mich ein deutlicher Minuspunkt, obwohl es vermutlich nur zu dem Verwirrspiel des Autors gehört, die Dinge so zu beschreiben, wie er es eben tut.

Fazit:
Für zartbesaitete Menschen sicherlich nicht das geeignete Buch, aber als Thriller ist er einfach klasse und empfehlenswert.

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