Elefanten sieht man nicht

Titel: Elefanten sieht man nicht
Autor: Susan Kreller
Genre: Jugendbuch ab 14 Jahren
Seiten: 208
ISBN: 978-3551582461

Erste Sätze:
Die Sache, die im blauen Haus passiert ist, hat mir viele böse Blicke und meinen Vater beschert. Die Blicke blieben bis zum Ende der Ferien, aber mein Vater ist schon nach zwei Stunden wieder abgereist. Ich hätte ihn gern noch länger hier gehabt und irgendwann vielleicht von ihm erfahren, dass das Falsche, das ich getan hatte, gar nicht falsch war, oder nur ein bisschen falsch, fast richtig.

Klappentext:
Max atmete ruhig und gleichmäßig, nur manchmal  schnarchte er leise. Julia hatte sich zusammengerollt, aber nicht so, als hätte sie Angst, eher, als hätte sie nichts mehr zu befürchten, weil draußen jemand Wache hält.

Und auf einmal kam mir der Gedanke, dass man Menschen beschützen kann. Ich drehte mich um und schlich zur Tür. Ich hörte den Gesang der Amseln und ein Autohupen in der Ferne, und ich hörte mein schlagendes Herz.
Ich schloss die Tür.
Drehte den Schlüssel zweimal herum.
Und dann rannte ich.

Meine Meinung:
Die 13-jährige Mascha verbringt ihre Sommerferien meistens bei ihren Großeltern, die in einer kleinen Siedlung leben, in der jeder jeden kennt. Sie fühlt sich dort relativ wohl, allerdings auch einsam, was sich ändert, als sie die neunjährige Julia und ihren kleinen Bruder Max auf einem Spielplatz kennenlernt. Zwar ist ihr das Verhalten der Kinder oft ein Rätsel, trotzdem ist sie froh, bekannte und liebenswürdige Menschen gefunden zu haben. Eines Tages entdeckt sie an Julias Bauch blaue Flecken und auch Max hat eine Verletzung auf seiner Stirn. Das Gesehene lässt Mascha nicht in Ruhe und einige Nachforschungen bringen schnell ans Tageslicht: Julia und Max werden von ihrem Vater geschlagen.
Hilfesuchend wendet sich die 13-jährige an die „Erwachsenen“, möchte den beiden Kinder aus der schrecklichen Situation helfen, doch alle verschließen die Augen vor dem Problem. Niemand will wahrhaben, dass in ihrer sauberen Siedlung so etwas stattfinden kann.
Mascha will der Situation nicht tatenlos zusehen und entscheidet sich zu handeln. Eine Handlung mit unabsehbaren Folgen.

Bis man sich in „Elefanten sieht man nicht“ einfindet, braucht es ein wenig Zeit. Das Mitgefühl war schon vorhanden, weil Kindesmisshandlung so etwas vermutlich automatisch auslöst, allerdings fiel es mir schwer, diese Gefühle wirklich durch die Geschichte zu erleben. Man lernt die einzelnen Charaktere kennen und sie lernen sich untereinander kenne. Mascha, die eher unnahbar wirkt, Julia die selbstsichere, tapfe und Max, der auf den ersten Blick in seiner eigenen Welt zu leben scheint. Sie sind klar beschrieben und je mehr man von ihnen weiß, desto mehr kann man mit ihnen fühlen, sich auf ihre Geschichte einlassen.
Was ich einzig an den Personen auszusetzen habe ist eventuell, dass Mascha für ihre 13 Jahre doch relativ naiv auf mich wirkt. Kann sein, dass der Kontrast zu der doch, für ihr Alter, sehr erwachsenen Julia dieses Bild entstehen lässt, aber für mich gab es einige Handlungen, die nicht sonderlich nachvollziehbar sind.

Anders als erwartet schadet es der Geschichte allerdings nicht, es ist vielleicht alles ein bisschen überspitzt dargestellt, aber vielleicht braucht es genau das, damit die Menschen aufmerksamer sind. Ihr Augenmerk auch auf die kleinen Dinge richten, weil es die sind, die ein Gesamtbild erschaffen.

Die Situation und Reaktion in der Siedlung hat mich auf der einen Seite wütend gemacht, auf der anderen war sie einfach nur realistisch. Hinter vorgehaltener Hand wird einiges getratscht, einmischen möchte sich aber niemand, weil es nur Probleme geben könnte und sowieso selbst jeder wissen muss, wie man seine Kinder erzieht.
Allerdings zeigt die Geschichte auch, dass man nicht aufgeben sollte, nur weil andere wegschauen, nicht zu hören wollen. Sicherlich ist es manchmal schwierig, sich durch die Widrigkeiten zu kämpfen, aber letztlich geht es darum, dass man niemals alleine ist, es gibt die Menschen, die zuhören und es lohnt sich, nicht aufzugeben, bis man an solch einen gerät.

Fazit:
Für mich war letztlich wirklich die Frage, inwieweit die Geschichte tatsächlich so geschehen sein könnte, wie sie die Autorin beschreibt und für mich bleiben einfach leise Zweifel übrig. Nicht alles überzeugt 100 %.

Trotzdem bleibt „Elefanten sieht man nicht“ ein wichtiges Buch, was erschreckt, aber hoffentlich vor allem aufrüttelt.

Danke für das Rezensionsexemplar an den den CARLSEN Verlag und lovelybooks!

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