Die Nacht von Shyness

Titel: Die Nacht von Shyness
Originaltitel: This is Shyness
Autor: Leanne Hall
Genre: Jugendbuch
Seiten: 320
ISBN: 978-3351041540

Erste Sätze:
Mit finsterer Miene betrachtet der Türsteher meinen Ausweis. Das Neonschild über uns färbt sein Gesicht violett. Ich reibe mir die nackten Arme. In den letzten paar Minuten ist es bestimmt fünf Grad kälter geworden.

Klappentext:
„Wusstest du, dass die Sonne hier nicht aufgeht?“ Sie lacht laut und herzhaft. Dann verebbt ihr Lachen. „Das ist dein Ernst, oder?“ – Ich nicke. „In ganz Shyness. Völlige Dunkelheit.“ Sie stützt den Kopf auf. Ich sehe ihr an, dass sie überlegt, ob sie mir glauben soll. Ob ich spinne oder nicht. Ich weiß nicht, wie lange ich noch dasitzen kann, ohne sie zu berühren.

Ein Junge und ein Mädchen tauchen für eine Nacht ein in die Dunkelheit des Ortes, an dem die Sonne nie mehr scheint.

Meine Meinung:
Nia, ihre Freundin Rose und ihr Kollege Neil wollen einen gemütlichen Abend in der Bar Diabetic Hotel zusammen verbringen. Schon bald fällt Nia dort ein außergewöhnlicher Junge auf, denn sie nicht mehr aus den Augen lässt. Durch einen „Unfall“ kommen die beiden ins Gespräch und er stellt sich ihr als Wolfboy vor, weil sie den Namen als Scherz aufnimmt, nennt sie sich selbst Wildgirl. Er erzählt ihr, dass er aus Shyness kommt, der Stadt in der ewige Dunkelheit herrscht und niemals die Sonne aufgeht. Ihr Interesse geweckt, bittet sie in darum, ihr diese Welt zu zeigen. Zusammen machen sie sich auf nach Shyness, um die Nacht gemeinsam zu verbringen, aber auch den Tag abzuwarten, neugierig, ob wirklich keine Sonne aufgeht.
Auf ihrem Streifzug stoßen sie auf allerhand skurrile Personen, sind es nun Träumer, die weit weg von der Realität wirken, zuckerabhängige Kinder, die sie ausrauben (natürlich Süßigkeiten, kein Geld), oder einen mehr als angsteinflößenden Psychiater.

Wolfboy ist die ganze Geschichte über eine sehr geheimnisvolle Person, die nur langsam Vertrauen zu Wildgirl aufbaut. In den einzelnen Kapiteln werden seine Geheimnisse genauer beleuchtet und erklärt, so dass sein Leben zu einem stimmigen Bild wird – beinahe. Auch nach Abschluss des Buches bleiben Fragen offen, die sich der Leser zunächst selbst erklären muss und die vermutlich erst gelöst werden, wenn der zweite Teil von „Die Nacht von Shyness“ erscheint. Richtig gelesen, hier handelt es sich um den ersten Teil einer Reihe, weshalb die Geschichte zwar einen Abschluss findet, aber trotzdem offen gehalten wird.
Auch das Leben von Wildgril ist nicht unbedingt ein leichtes, zusammen mit ihrer Mutter lebt sie in einer Sozialwohnung und flüchtet immer wieder von dort, um auf andere Gedanken zu kommen. Die schwierigen Situationen der beiden Leben verbinden und machen die Gespräche zwischen ihnen stimmig.

An sich ist es kein Buch, wo beständig Spannung herrscht. Eher kommt die Geschichte auf leisen Sohlen daher, hält Überraschungen bereit, lebt aber hauptsächlich davon, dass man mit zwei Menschen die Wunder einer Nacht erlebt. Jetzt muss so eine Nacht natürlich ausgefüllt werden und so bringt die Autorin einige seltsame Begebenheiten zu Papier, die durchaus das ein oder andere Lächeln bei mir verursacht haben. Generell ist das Buch, trotzdem der ernsten Leben der beiden Hauptprotagonisten, sehr unterhaltsam.

Das Buch ist in kurze Kapitel unterteilt und in der Ich-Perspektive erzählt, wobei der Erzähler von Kapitel zu Kapitel wechselt. Einmal erleben wir die Sicht von Wildboy, dann lesen wir wieder, was Wildgirl empfindet.

Einziger Kritikpunkt für mich ist, dass das Buch ein Teil einer Reihe ist und man es im Vorhinein nicht wusste. Nur in dem Anhang enthaltenem Interview mit der Autorin liest man, dass sie an einer Fortsetzung der Geschichte arbeitet und somit hoffentlich dort die zahlreichen Ungereimtheiten aufklärt.

Besonders herauszuheben ist das Cover des Buches, denn all die weißen Flächen leuchten nachts, was eine geniale Idee und perfekt zu einem Ort passt, in dem es nie hell wird.
Ein zusätzliches Extra gibt es noch: Ein kleines Notizheft, für die eigenen Nachtgedanken.

Fazit:
Eine ruhige und unauffällige Geschichte, von der man sich nicht Daueraction, dafür eine Menge schöner Gedanken und Situationen erhoffen darf.

Danke für das Rezensionsexemplar an den aufbau-Verlag und lovelybooks!

Ein Gedanke zu “Die Nacht von Shyness

  1. Skurril trifft es wirklich, wenn man dieses Buch mit einem Wort beschreiben will. 😉 Ich habe leider kaum Zugang zu den Figuren gefunden und fand die Handlung einfach zu abgedreht. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich den zweiten Teil lesen werde…

Kommentar verfassen