110 – Ein Bulle hört zu


Titel:
110 – Ein Bulle hört zu
Autor: Cid Jonas Gutenrath
Genre: Erfahrung
Seiten: 400
ISBN: 978-3864930010

Erste Sätze:
Ein weiteres Buch aus der Reihe „Bücher, die die Welt nicht braucht?“ Schon wieder ein Bulle, Marke „außen hart, innen weich“, der sich in Selbstbeweihräucherung und Selbstmitleid ergießt und an der Realität zu zerbrechen droht? Oder, noch schlimmer, einer, der alles richtig macht, uns mit seinen Moralvorstellungen nervt und zu allem Überfluss auch noch den Hemingway in sich entdeckt?
Falsch. Alles falsch.
Es geht nicht um mich. Es geht um uns. Um uns alle.

Klappentext:
Ein Freigänger erschlägt seine Frau mit einer Axt, eine verzweifelte Mutter sucht Rat in Erziehungsfragen, ein Yacht-Besitzer empört sich, weil er auf dem Landwehrkanal „geblitzt“ wurde: Wenn Cid Jonas Gutenrath Notrufe entgegennimmt, kommt er den Menschen sehr nahe. Ob er eine Frau zum Weiterleben überredet oder einen kleinen Jungen tröstet – Gutenrath begegnet ihnen allen auf seine ganz persönliche, faszinierende Art.
Beim Lesen seiner authentischen Geschichten lacht man Tränen oder es stockt einem der Atem.
Dieses Buch lässt niemanden kalt.

Meine Meinung:
Cid Jones Gutenrath arbeitet in der Notrufzentrale der Berliner Polizei, gelandet ist er dort, über nur alle erdenklichen Umwege. Jetzt sitzt er jedoch dort und berät Menschen in lebensgefährlichen Situationen, persönlichen Tragödien oder einfach nur jemanden, der nach jemanden zum Reden sucht. Für alle nimmt sich Herr Gutenrath Zeit, nie um Worte und Ratschläge verlegen, bleibt er an ihrer Seite, bis die Sachlage geklärt, oder die Kollegen vor Ort den Fall übernehmen.

Wieder einmal ein Buch, über den Berufsalltag von irgendeinem Menschen, der denkt, sein Leben wäre interessant. Wie man merkt, ich bin gegenüber solchen Geschichten relativ skeptisch, weil der Markt davon nahezu überschwemmt wird und dann ist „110 Ein Bulle hört zu“ auch noch 400 Seiten stark – noch ein Punkt, der mich eine abwartende Haltung einnehmen ließ. Was will mir der gute Mann denn alles erzählen, ohne sich ständig zu wiederholen?

Tja was soll ich sagen, alle meine Vorurteile gegenüber solchen Büchern, wurden schon nach den ersten Seiten weggewischt. Das Buch ist anders, weil vermutlich Cid Jones Gutenrath anders ist.
Die Geschichten aus seinem Arbeitsalltag greifen alle Gefühle des Lesers an: mal lacht man, dann stockt einen wieder der Atem und dann, dann verdrückt man einfach ein paar Tränen, weil es eben so ist, das Leben.

Ehrlich gesagt, dachte ich, ich wüsste wer den Notruf wählt, aber jetzt ist mir klar, dass ich gar nichts wusste. Von der Lebensmüden, dem Mörder, bis hin zum Mann, der zuerst wissen möchte, ob man tätowiert ist und falls ja, doch lieber mit einem anderen Polizisten sprechen möchte.
Manchmal geht es einfach nur um sehr banale Dinge und trotzdem wird jeder am Telefon ernst genommen, oder zumindest, mit einem Witz abgelenkt.

Außergewöhnlich an Herr Gutenrath finde ich, dass er zu allen Themen einen Ratschlag parat hatte. Manchmal waren es so seltsame Dinge, oder Situationen, dass mir die Luft wegblieb, aber ihm fiel immer wieder eine Lösung ein – irgendwelche Worte, mit denen er den Menschen am Ende der Leitung erreichen konnte.

Zwar wurde der Autor in Hamburg geboren, allerdings finde ich, dass er sich schon diese „Berliner – Schnauze“ innehat.  Niemals unfreundlich, aber bei jeder noch so stressigen Situation versucht er, mit seiner lockeren Art und Weise den Anrufer zu erreichen. Ich für meinen Teil bin fasziniert von diesem Mann, selbst war er in seiner Jugend nicht der bravste und hat jetzt doch einen Platz gefunden, an dem er definitiv richtig ist.
Meine Hochachtung gilt allen Polizisten, die in einer Notrufzentrale arbeiten. Was es tatsächlich heißt, wurde mir erst durch dieses Buch klar und ich bin dankbar, dass ich in diese Welt abtauchen durfte.

Übrigens hätte ich das Buch locker in einem durchlesen können, so großartig ist es geschrieben, allerdings lassen es einige Geschichten einfach nicht zu, weil man nach ihnen eine Pause braucht, so sehr berühren und bringen sie einen durcheinander.

Ich kann nur hoffen, dass „110 Ein Bulle hört zu“ nicht das erste und einzige Buch von Cid war. Möchte unbedingt mehr lesen, mehr von ihm wissen – einfach noch ein Buch!

Fazit:
Kurz und knapp rate ich allen: Lest dieses Buch, wenn ihr lachen, weinen oder einfach etwas zum  Nachdenken haben wollt.
Obwohl das Jahr noch jung ist, bin ich mir sicher, „110 – Ein Bulle hört zu“ wird zu meinen Highlights 2012 zählen.

Danke für das Rezensionsexemplar an den Ullstein Verlag und

Bestellen könnt ihr das Buch HIER!

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