Hoffnungslauf


Titel:
Hoffnungslauf
Autor: Aysun Ertan
Genre: Belletristik
Seiten: 172
ISBN: 978-3000347078
Verlag: backbone

Erste Sätze:
Als mein Körper auf den nassen, kalten Boden aufprallt, hat es überhaupt nicht wehgetan. Vielleicht war ich aber auch nur abgelenkt durch die Schreie der Frauen, die mich von weit oben nach tief unten stürzen sahen. Vielleicht war ich abgelenkt von dem ohrenbetäubenden Lärm der Straße, dem vielen Hupen und dem Flugzeug über mir.

Klappentext:
Von der Such nach Liebe und Glück vollkommen erschöpft und durch zahlreiche Rückschläge vom Leben zu oft bitter enttäuscht, stürzt sich eine Frau vom 28. Stockwerk eines Hochhauses in die Tiefe. Genau von dem Hochhaus, das der Mann gebaut hat, den sie liebte.

Während sie dort unten liegt, beginnt im 1. Stockwerk ihre Lebens- und Leidensgeschichte und führt Stufe für Stufe wieder hinauf in das 28. Stockwerk. Oben angekommen und wieder dort stehend, blickt sie hinab und muss sich entscheiden, ob sie aufgibt oder dem Leben, das nicht immer gut zu ihr war, eine zweite Chance gibt. Dunkelrot und in seiner Schwere kaum zu erfassen ist das klitzekleine Etwas, das ihr die Entscheidung leichter macht.

Meine Meinung:
Eine Frau stürzt sich aus dem 28. Stockwerk.
Wie kommt diese übermächtige Verzweiflung zustande, dass ein Mensch keinen anderen Ausweg mehr  sieht?
Was muss in seinem Leben geschehen sein?
Hoffnungslauf beantworten diese Fragen Schritt für Schritt.

Geboren in einem fernen Land,  von der Mutter an die Großmutter abgeschoben, wächst das Mädchen in einer Kultur auf, die ihr jeden Atem raubt.  Ohne Liebe und Vertrauen, versucht sie ihren Platz im Leben zu finden. Aus einer Laune der Mutter heraus, kommt das Mädchen doch wieder zu seinen Eltern, doch was im ersten Augenblick positiv klingt, entwickelt sich in eine fatale Richtung.
Der Vater ein Tyrann, die Mutter jemand der emotional verloren erscheint, ist es auch hier kein Ort der Sicherheit für das Mädchen. Ihr Leben gleicht einer Suche nach Liebe, aussichtslos, wenn man sich in Erinnerung ruft, wo wir die erwachsene Frau kennenlernen – auf dem Dach eines Hochhauses.

Das Buch behandelt ein sehr ernstes Thema und regt zum Nachdenken an, lässt sich nicht eben mal locker durchlesen, sondern verlangt die volle Aufmerksamkeit des Lesers. Wie wächst ein Kind heran, was niemals gewollt war? Stockwerk für Stockwerk erfährt man von ihrem Leben, ihrem Leiden.
Mir persönlich war das Ganze ein wenig zu einseitig, durchgängig, ohne wahre Lichtblicke, versinkt das Leben des Mädchens/letztlicher der erwachsenen Frau in Schlechtigkeiten, ihr scheint niemals etwas Gutes zu widerfahren. Jemand der sich umbringt, hat meist nicht gerade ein wunderbares Leben, ist schon klar, aber eines so ganz ohne helle Momente war mir persönlich zu unglaubwürdig.

Mein Hauptproblem an dem Buch ist aber wohl, dass ich mit dem Mädchen nicht mitfühle. Ich lernte sie durch ihr Leiden kennen, aber mir fehlte eine Persönlichkeitsbeschreibung, irgendwas, wodurch ich sie besser kennenlernte.

Meine Erwartungshaltung zu „Hoffnungslauf“, war ein Roman der biografische Züge hat und einen nahebringt, wieso  jemand sterben möchte. Bekommen habe ich Fetzen einer Lebensgeschichte, zusammenhangslos miteinander verbunden nur durch das schreckliche Leid. Dieser Aufbau der Geschichte hat mir persönlich jetzt nicht unbedingt gefallen.

Herausheben möchte ich aber den Schreibstil von Aysun Ertan, weil er in meinen Augen mehr als gelungen ist. Die Autorin schafft es, Worte so miteinander zu verbinden, dass sie einen direkt ins Herz treffen.

Fazit:
Mich konnte das Buch leider nicht überzeugen, es gelang mir einfach nicht, Mitgefühl für das Mädchen/die Frau zu entwickeln.

2 Gedanken zu “Hoffnungslauf

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