Wie ein Flügelschlag

Titel: Wie ein Flügelschlag
Autor: Jutta Wilke
Genre: Jugendbuch
Seiten: 282
ISBN: 978-3649605669
Verlag: Coppenrath

Erste Sätze:
Montag, 25.Januar
Wenn ich hier fertig bin, bringe ich sie um. Eigenhändig.
Noch vierundzwanzig Runden.

Klappentext:
„Ich war fünf, als ich fliegen lernte. Ich schlüpfte aus den Armen meiner Mutter, die im hüfthohen Wasser stand, wand mich unter dem Seil hindurch und flatterte davon wie ein kleiner Vogel. Kein Boden mehr unter den Füßen und keine Hände mehr, die mich umklammerten. Über mir der Himmel und unter mir nichts als Wasser.“

Meine Meinung:
Jana lebt für ihren Sport, das Schwimmen. Durch Talent, aber vor allem Leidenschaft und hartes Training hat sie sogar ein Stipendium erhalten, darf ein renommiertes Sportinternat besuchen.
Ist sie nicht in der Schule, wohnt sie zusammen mit ihrer Mutter in einem sozialen Brennpunkt und genau diese Tatsache macht sie auch zur Außenseiterin – sie scheint für ihre wohlhabenden Mitschüler, aufgrund ihrer schwachen sozialen Stellung, einfach nicht auf die Schule zu passen.
Nur Melanie, ihre Klassenkameradin, hält zu ihr, zumindest tat sie es einmal, doch alles wurde zwischen den beiden anders, ein Geheimnis belastete die Freundschaft. Und dann, dann ist Melanie tot. Sie wird leblos im Schwimmbecken des Internates aufgefunden, ein Schock für Jana, sie begibt sich auf die Spurensuche, auf die Antwort zur Frage „Warum?“.

Eigentlich dachte ich mir, mit „Wie ein Flügelschlag“ einen Jugendroman gekauft zu haben, aber ich würde es eher Jugendthriller nennen. Die Geschichte beginnt mit dem Tod von Melanie, spielt dann in der Vergangenheit, wie auch der Zukunft. Einerseits lernen wir Jana besser kennen, auch die Freundschaft zu Melanie wird thematisiert, aber dann erfährt man auch, was den Bruch zwischen den beiden verursacht hat, oder besser gesagt, man erfährt es nicht, man tappt ein wenig im Dunkeln. Melanie wendet sich von Jana ab, ein Grund scheint nicht ersichtlich, auch nicht für Jana, zusammen mit ihr rätselt man. Und man rätselt bis zum Schluss, bis zu dem Moment, wenn es zu einem grandiosen Finale kommt. Im Nachhinein ist alles sonnenklar, man fragt sich, warum man nicht selbst darauf gekommen ist, aber genau solche Dinge, machen gute Bücher wohl aus.

Etwas war passiert.
Er wusste nicht, was es war, aber etwas hatte sich verändert.
Die Kälte lag nicht länger nur in der Luft. Sie kam jetzt auch von innen. Und sie führte dazu, dass zwei nicht mehr miteinander sprachen, die sich doch eigentlich ergänzten. Wie Yin und Yang bildeten sie eine Einheit. Das eine würde ohne das andere zugrunde gehen.
Niemand wusste das besser als er.
Aber es noch zu früh einzugreifen. (Seite 89)

Melanie war mir nie wirklich sympathisch, obwohl man in der einen oder anderen Sache mit ihr Mitleid haben sollte, weil ihr Leben wirklich vom Ehrgeiz ihres Vaters zerfressen ist, gelang es mir nicht wirklich. Wobei ich denke, dass es gar nicht von der Autorin gewollt gewesen ist, dass man Melanie mag. Janas Hartnäckigkeit, eine Freundin zu sein, obwohl der Gegenpart nur Gemeinheiten übrig hat, habe ich bewundert, manchmal aber auch nicht verstanden. Für mich war irgendwann der Punkt gekommen, an dem ich einfach nicht mehr verstand, warum sie sich um Melanie bemüht.

Die Umgebung, das Internat, fand ich wirklich wunderbar beschrieben. Man taucht wirklich in das System einer solchen Schule ab, durchlebt mit Jana einen Ort des Widerstandes. Einerseits sind da ihre Mitschüler, die ihr das Leben erschweren, nur weil sie nicht in ihre Welt passt, andererseits sind da auch die Lehrer, der Trainier, die nicht gerade eine Wohlfühlatmosphäre entstehen lassen.
Trotz dieser Widrigkeiten bleibt Jana standhaft, gibt sich dem Schwimmen hin, nicht nur, weil sie Erfolg haben möchte, sondern weil sie im Wasser Freiheit erlebt, die Welt um sich vergessen kann und diese Leidenschaft spürt man, sie färbt auf einen ab.

In die Geschichte wird auch eine Liebesgeschichte eingeflochten, wobei es in einem angenehmen und nicht nervigen Rahmen geschieht. Sie fügt sich gut ein und ist niemals übertrieben, sogar eher still, leise.

Das Buch ist in kurze Kapitel unterteilt, was dazu beiträgt, dass man schnell durch die Geschichte kommt, wobei vermutlich die durchgängig vorhandene Spannung zusätzlich ein Grund dafür ist.

Fazit:
„Wie ein Flügelschlag“ ist ein Jugendthriller der Sonderklasse. Spannend bis zum Schluss, mit einem Ende, was man sich niemals erwartet hätte. Es sollte mehr Bücher wie dieses geben.

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