Extrem laut und unglaublich nah

Titel: Extrem laut und unglaublich nah
Englischer Titel: Extremly loud and incredibly close
Autor: Jonathan Safran Foer
Genre: Belletristik
Seiten: 480
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN-10: 3596169224
ISBN-13: 978-3596169221

Erste Sätze:
Wie wäre es mit einem Teekessel? Wie wäre es, wenn die Tülle beim Austreten des Wasserdampfs wie ein Mund auf- und zuklappte und hübsche Melodien pfiffe, Shakespeare aufsagte oder einfach mit mir ablachte? Ich könnte auch einen Teekessel erfinden, der mir zum Einschlafen mit Dads Stimme etwas vorliest, vielleicht auch einen ganzen Haufen Kessel, die im Chor den Refrain von „Yellow Submarine“ singen, einen Song der Beatels, die ich wahnsinnig gern mag, denn die Entomologie ist eine meiner raisons d’être, und das ist eine französische Redewendung, die ich gelernt habe.

Klappentext:
Wie wunderbar er erzählen kann, hat Jonathan Safran Foer schon in seinem ersten Roman „Alles ist erleuchtet“ bewiesen. Mir der unvergesslichen Geschichte des kleinen Oskar Schell, der am 11. September den Vater verloren hat, zeigt Foer erneut sein literarisches Können. Ein mutiges Buch, gefühlsstark, traurig und komisch zugleich.

Inhalt:
Der 9-jährige Oskar ist ein ganz außergewöhnlicher Junge, dass zeigt schon seine Vistenkarte:

OSKAR SCHELL
ERFINDER, SCHMUCKDESIGNER, GOLDSCHMID, AMATEUR-ENTOMOLOGE, FRANKOPHILER, VEGANER, ORIGAMIST, PAZIFIST, PERKUSSIONIST, AMATEUR-ASTRONOM, COMPUTER-SPEZIALIST, AMATEUR-ARCHÄOLOGE, SAMMLER VON: seltenen Münzen, Schmetterlinge, die eines natürlichen Todes gestorben sind, Mini-Kakteen, Beatles-Andenken, Halbedelsteinen und andern Dingen.
E-MAIL: OSKAR SCHELL@HOTMAIL.COM
TELEFON: PRIVAT/MOBIL: PRIVAT
FAX:     ICH HABE NOCH KEIN FAX

Doch mehr als seine Hobbies und Überzeugungen, bestimmt der Tod seines Vaters sein Leben. Thomas Schell kam bei den Terroranschlägen am 11. September 2001 ums Leben. Dieser Verlust wiegt für den kleinen Jungen schwer, war sein Vater doch die Hauptbezugsperson von ihm. In seinem Kleiderschrank stößt der Junge auf einen Schlüssel, einen Schlüssel der überall in New York ein Schloss aufsperren könnte und genau darin sieht Oskar seine Bestimmung – das dazugehörige Schloss zu finden. Einziger Anhaltspunkt ist das Wort Black auf dem Umschlag, in dem er den Schlüssel gefunden hat. Nun macht er es sich zur Aufgabe, alle Menschen mit den Nachnamen Black in New York aufzusuchen und zu überprüfen, ob eine Verbindung zu seinem Vater besteht. Wie man sich denken kann, wird es ein langer Weg zur Wahrheit, voller Höhen und Tiefen.

Neben Oskars Geschichte, lernt man auch dessen Großvater kennen, der bei den Bombenanschlägen von Dresden (2.Weltkrieg) seine große Liebe Anna verloren hat und in ein rigoroses Schweigen verfallen ist. Nach diesem Trauma heiratet er die Schwester von Anna, Oskars Großmutter, doch die Liebe steht immer unter dem Tod der anderen Schwester und so ist es nicht verwunderlich, dass die Ehe nicht lange hielt. Der Großvater verlässt seine Frau, New York und lässt damit auch Thomas, seinen Sohn, hinter sich. In all den Jahren schreibt er jedoch Briefe an sein Kind, welche er allerdings nicht abschickt und die nach dem Tod von Thomas, jetzt auch niemals mehr ihr Ziel erreichen werden.

Meine Meinung:
“Extrem laut und unglaublich nah“ ist eine ganz außergewöhnlich Geschichte, über einen außergewöhnlichen Jungen, die einen schon ab den ersten Seiten in ihrem Bann zieht. Hauptthema des Buches ist der Verlust eines Menschen, die Veränderung, die ein Tod auf das Leben der Angehörigen hat. Die Gefühle sind eindringlich und sehr gut beschrieben, so dass sie schnell auf den Leser überspringen. Es ist kein lautes Buch, es kommt auf leisen Sohlen daher und setzt sich im Herzen fest, wo es beginnt zu arbeiten. Kein Mitleid wird beim Leser ausgelöst, sondern eine tiefe Verbundenheit, die man sich zu Beginn gar nicht so erwartet, wenn man mit der Geschichte anfängt, denn diese Geschichte, sie könnte so real sein, wie es die Terroranschläge waren.

Persönlich muss ich ja sagen, dass ich die Abschnitte über und von Oskar ansprechender fand, als die, die von seinem Großvater handelten, ehrlich gesagt hätte ich mir auch beinahe gewünscht, es wäre nur Oskars Geschichte, ohne andere Elemente, weil die Begegnungen mit den einzelnen Blacks durchaus noch ausbaufähiger und somit intensiver hätten sein können. Nicht das die Geschichte des Großvater nicht ebenso eindringlich gewesen wäre, so hat sie bei mir doch ein bisschen den Fluss des Buches unterbrochen, obwohl sie das gleiche Thema behandelt, nur eben auf eine andere Weise.

Schnell merkt man, dass Oskar kein „normaler“ Junge ist, allerdings wird im Buch nicht erwähnt, ob er jetzt hochbegabt ist, oder, wie es im Film angesprochen wird, am Asperger Syndrom leidet. Ein ziemlich wichtiger Punkt, lebt das Buch doch durch seinen Hauptdarsteller, deswegen ist das Fehlen, das erklären von Oskars „seltsamen“ Verhalten, doch ein wichtiger Punkt, der vergessen, oder einfach außen vor gelassen wurde.

Zur Unterstreichung der einzelnen Szenen wurden Bilder in das Buch eingebaut, die Oskar in seinem Tagebuch sammelt. Diese Bilder unterstützen oft die Eindringlichkeit der einzelnen Textstücke und sind ziemlich gut gewählt.

Fazit:
Dieses Buch bleibt im Gedächtnis kleben, lässt sich nicht mehr so leicht abschütteln und verursacht Bleifüße. Durch Oskar lebt die Geschichte, erhält eine Leichtigkeit und gleichzeitig Schwere, die den Leser nicht kalt lässt.
Einfach ein grandioses Buch!

Das Buch wurde 2011 verfilmt – ich kann den Film nur empfehlen!

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