Wie viel Leben passt in eine Tüte?


Titel: Wie viel Leben passt in eine Tüte?
Originaltitel: Survival Kit
Autor: Donna Freitas
Genre: Jugendbuch ab 13 Jahren
Seiten: 400 Seiten
Verlag: Gabriel Verlag
ISBN-10: 3522303121
ISBN-13: 978-3522303125

Erste Sätze:
Ich fand es an dem Tag, an dem meine Mutter beerdigt wurde. Sie hatte es an einem Ort verborgen, von dem sie wusste, dass ich dort nachschauen würde. Es hing an ihrem Lieblingskleid, das ich immer so gern hatte anziehen wollen.

Klappentext:
Ein iPod mit Liedern, ein Foto mit Pfingstrosen, ein Kristallherz, Buntstifte, ein Papierstern, ein Papierdrachen. Das alles befindet sich in der schlichten braunen Papiertüte mit der Aufschrift „Roses Survival Kit“, die Rose am Tag der Beerdigung ihrer Mutter findet. Es ist ein letztes Geschenk an Rose – und der Beginn einer Reise. Zögernd lässt Rose sich darauf ein. Jeder Gegenstand scheint sie dabei auf seltsame Art zu Will zu führen. Schon bald merkt sie, dass sie mehr für den zurückhaltenden Jungen empfindet. Doch dann geschieht etwas, das Rose und Wills aufkeimendes Glück tief erschüttert. Ob ihre Mutter ihr auch für diese Situation etwas hinterlassen hat?

Inhalt:
Die Mutter von Rose erliegt am 4. Juni ihrem langen Krebsleiden. Am Tag der Beerdigung findet sie eine Tüte im Kleiderschrank ihrer Mutter, die diese zusammengestellt hat – für ihre Tochter. So schnell öffnet Rose aber die Tüte nicht, sie braucht erst noch Zeit, bevor sie sich den Erinnerungen und Andenken ihrer Mutter stellen möchte. Sie legt sie einstweilen beiseite.
Einige Monate später findet sie den Mut, doch nachzusehen, was ihre Mutter ihr hinterlassen hat, wovon sie dachte, dass es in ihrem Leben hilfreich wäre. In diesem Survival Kit befinden sich die unterschiedlichsten Dinge: ein Abschiedsbrief, ein iPod mit persönlichen Liedern, Buntstifte, ein Kristallherz, ein Foto von Pfingstrosen, ein Papierstern und Papierdrache.
Dinge, die auf den ersten Blick nicht offenbaren, wie sie dem Mädchen über den Schmerz hinweg helfen sollen, doch langsam, ganz langsam entwickelt sich eine Geschichte, in der jedes Ding seinen eigenen und wichtigen Platz findet.

Meine Meinung:
Auf ganz einfühlsame Weise wird der Leser in die Geschichte geführt. Der Tod der Mutter, eigentlich die Beerdigung, steht ganz zu Anfang des Buches. Man spürt die Verwirrung, Trauer und das Gefühlschaos der einzelnen Familienmitglieder, natürlich bekommt man von Rose mehr mit, ist es doch auch sie, aus deren Sicht die Geschichte geschrieben ist.

Das Buch, die einzelnen Kapitel, sind auf ein Jahr aufgeteilt, so dass man durchlebt, wie Feiertage, Geburtstage, aber auch einfach wichtige Termine ohne die Mutter stattfinden. Der Vater ist meistens in seiner Trauer verloren, widmet sich dem Alkohol und vergisst darüber, die Verantwortung für seine Kinder zu übernehmen. Jim, der Bruder von Rose, ist auf den College, somit weit weg von der Familiensituation, die ganze Last liegt auf der Tochter, die beinahe daran zerbricht, ist doch auch ihre eigene Trauer wahnsinnig groß.

Ihr zur Seite steht einerseits ihre Freundinnen, besonders Krupa erweist sich als wichtiger Fels in der Brandung, andererseits gibt es aber auch noch den Nachbarsjungen Will. Er hat seinen Vater an den Krebs verloren, wird somit ein wichtiger Halt für Rose, versteht er doch ihre Gedanken und Gefühle. Langsam entwickelt sich zwischen den Beiden eine Beziehung, die man nur als besonders bezeichnen kann. Allerdings trägt Will selbst noch unendlich viel Trauer im Herzen, so dass sie sich nicht immer gegenseitig stützen können, sondern manchmal einfach Abstand voneinander brauchen.

Ich spürte meinen eigenen Körper nicht mehr – nicht, nachdem ich gesehen hatte, wie meine Mutter langsam verwelkt und gestorben war und damit für immer aus meinem Leben verschwand. Die letzten Bilder von ihr hatten mir gezeigt, dass der Körper auch eine Quelle der Verzweiflung und Schmerzen sein konnte, nicht nur der Freude. (Seite 64)

Das Buch ist so geschrieben, dass man es nicht mehr aus der Hand legen kann. Das Survival Kit, die Tüte, spielt natürlich eine zentrale Rolle. Auf die Gegenstände, wie sie Rose verwendet, ist das Hauptaugenmerk gelegt. Natürlich bringt es ihr ihre Mutter nicht mehr zurück, doch hilft es ihr dabei, die Situation langsam zu akzeptieren.
Gefühlvoll werden die einzelnen Szenen beschrieben, so dass man als Leser eine Gefühlsachterbahn durchmacht, wie man es selten hat.

Mir persönlich etwas zu dominant, war die Geschichte zwischen Rose und Will, es hat ein wenig das Survival Kit, den Tod der Mutter, überdeckt. Was allerdings der gewaltigen Gefühlsladung, der man während des Lesens ausgesetzt ist, letztlich keinen Abbruch tut. Nur ein bisschen weniger hätte von meiner Warte auch gereicht.

Fazit:
„Wie viel Leben passt in eine Tüte?“ nimmt den Leser auf eine Gefühlsachterbahn mit, bei der es keinen Ausgang gibt. Man verfällt der Geschichte und kann/will sich ihren Zauber irgendwann nicht mehr verwehren.

Danke für das Rezensionsexemplar an den Gabriel Verlag und buchbotschafter.de!

2 Gedanken zu “Wie viel Leben passt in eine Tüte?

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