Wenn die Nacht am stillsten ist


Titel: Wenn die Nacht am stillsten ist
Autor: Arezu Weitholz
Genre: Belletristik
Seiten: 224 Seiten
Verlag: Antje Kunstmann
ISBN-10: 3888977754
ISBN-13: 978-3888977756

Erste Sätze:
Am Ende geht es um den Moment. Wie das Mondlicht durch die Ritze der Jalousie auf den Parkettfußboden fällt. Wie das Auto unten vorbeifährt. Wie still es wieder wird.

Klappentext:
Am Ende geht es um den Moment. Wie das Mondlicht durch die Ritze der Jalousie auf den Parkettfußboden fällt. Wie das Auto unten vorbeifährt. Wie still es wieder wird. Du atmest. Ich sitze an deinem Bett.

Inhalt:
Anna sitzt neben ihrem Freund Ludwig auf dem Bett. Er hat eine Überdosis Tabletten genommen. Nun sitzt Anna neben ihn, versucht die Tat zu verstehen und fragt sich, ob sie überhaupt einen Arzt holen sollte. Sie sieht in der Situation relativ schnell einen positiven Aspekt: Ludwig, bewusstlos, könnte sie endlich ihre Lebensgeschichte erzählen, Dinge für die er früher kein Interesse hatte. Ihre Jugendzeit, ein anderer Selbstmord, die kranke Mutter und vieles mehr lastet auf ihrer Seele. Jetzt scheint der perfekte Zeitpunkt zu sein, um ihre Geheimnisse preiszugeben.

Meine Meinung:
Man könnte sich beinahe eine Liebesgeschichte erwarten, zumindest eine Erzählung über eine Beziehung, doch spielt eigentlich eine Trennung die wichtigste Rolle.
Zugegebenermaßen ist es zu Beginn doch ein wenig ungewöhnlich, dass Anna mit gar keinen großen Schrecken mit Ludwig redet. Beinahe scheint sie es erwartet zu haben, dass er sich versucht umzubringen, mit solch einer Selbstverständlichkeit behandelt sie den Zustand, als sie ihren Freund findet. Seltsam zusätzlich ist ihr Verhalten, dass nicht rufen von Hilfe, sondern dass sie anfängt mit ihm über ihr Leben zu sprechen.
Lebt man sich aber in diese Situation erst einmal ein, bekommt die Geschichte einen eigenen Glanz. Es wird die Lebensgeschichte von Anna, die sich aber nicht nur um sie dreht, auch Ludwig wird ein wenig beleuchtet. Mir fiel es relativ schwer in einzuordnen, da es einen einseitige Sicht war. Laut Anna muss die Beziehung zwischen den beiden eine furchtbar anstrengende gewesen sein. Fast scheint es so, als hätte es keinerlei Verständnis für den Partner gegeben, oder zumindest ein Interesse.

Das Buch unterteilt sich in zwei Hauptteile:
Im ersten wird beschrieben, wie Anna Ludwig findet, sich über ihn Gedanken macht. Ihn als charakterstarke, menschenverabscheuende, doch sehr intelligenten Mensch beschreibt. Wie sie Unverständnis in seiner Tat sieht, versucht zu ergründen, wie es dazukam.
Der zweite Teil setzt sich mit dem Tag vor dem Selbstmordversuch auseinander. Nicht was bei Ludwig passiert ist, sondern der Leser begleitet Anna durch den Alltag, wobei sie immer wieder in die Vergangenheit abtrieftet, Geschichten einflechtet, die einfach zu den Geschehnissen des Tages passen.

Weißt du, warum sie immer nach einem Grund fragen? Weil sie sich nicht vorstellen können, dass es keinen gibt. Es gibt aber keinen. Es gibt nur einen Moment. Einen glasklaren Augenblick, in dem alles auf einem Punkt zuläuft. Einen, der keine Alternativen zulässt. Dieser Moment ist ohne Zweifel. Er leuchtet, und man muss ihm nur wie einem Lichtstrahl folgen. Es ist kein Horror, es ist nicht dramatisch, ich glaube, es ist am Ende ganz leicht. Das Schwere ist davor. (Seite 41)

Besonderes Interesse hatte ich an dem Buch, weil die Autorin Arezu Weitholz neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit unter anderem für Madsen, Die Toten Hosen, Herbert Grönemeyer und 2raumwohnung als Textdichterin arbeitet. Wer die Texte dieser Musiker kennt, weiß das sie voller poetischer Dichte und sehr aussagekräftig sind. Genau diese Kraft habe ich mir von dem Buch erwartet – enttäuscht wurde ich nicht. Das Buch hat seine eigene Magie, natürlich, ein Liedertext bringt komprimiert und kurz sehr viele Gefühle zu dem Zuhörer, bei dem Buch wurde alles ein wenig aufgeteilt. Die Schönheit und Eindringlichkeit der Sätze spannt sich über die ganze Geschichte.

Allerdings gibt es für mich auch einen Kritikpunkt: das Ende. Es fügt sich zwar alles stimmig zusammen, doch bleiben für meinen Geschmack viel Fragen offen und ich mag lose Geschichten nicht so gerne. Das Buch lässt einen mit einigen Handlungssträngen alleine, verlangt, selbst die Erzählung weiterzuführen, obwohl man mit den Material, was einem die Geschichte liefert, es nicht wirklich möglich ist, alles aufzuklären.

Fazit:
Ein Buch, was vom Klappentext her eher eine Liebesgeschichte verspricht, aber letztlich viel mehr hergibt. Eine Biografie, die nicht nur die Erzählung einer Lebensgeschichte ist, sondern eine Gefühlsladung bereithält, die durch ihren Schreibstil voll und ganz überzeugt.

Danke für das Rezensionsexemplar an den Antje KunstmannVerlag und vorablesen.de!

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