Gegen einsam

Titel: Gegen einsam
Autor: Daniela Meisel
Genre: Belletristik
Seiten: 215 Seiten
Verlag: Picus Verlag
ISBN-10: 3854526792
ISBN-13: 978-3854526797

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Erste Sätze:
Ein durchschnittlicher Mitteleuropäer besitzt siebzehntausend Gegenstände. Von der Büroklammer bis zu seinem Auto.
Ich betrachte die Tafel, auf der die Sätze geschrieben stehen. Helle Schrift. Ihr Grund dunkel. Eine doppelte Linie umgibt den Text.

Klappentext:
Ich lache nicht gerne. Ich habe mich dabei im Spiegel betrachtet. Meine Mundwinkel schieben sich nach außen und oben, drücken meine Wangen hoch, lasse sie geschwollen aussehen, als hätte ich Mumps. Mein Mund wird breit. „Maja, meine Breimaulfröschin“, hat mein erster Freund einmal zu mir gesagt. Ich habe ihn nie wieder geküsst.

Manuel frönt einer außergewöhnlichen Sammelleidenschaft, Maja verbringt ihre Freizeit bei Bewerbungsgesprächen in Wohngemeinschaften. Ist es Zufall, der die beiden zusammenführt, oder doch Schicksal? Ihre unkonventionelle Beziehung jedenfalls verändert beider Leben für immer…

Inhalt:
Die zwei Protagonisten in „Gegen einsam“ sind wie der Titel verrät, einsam, manchmal gemeinsam, oft aber in ihrer eigenen Welt gefangen.

Da wäre der Postbeamte Michael, der dadurch auffällt, dass er eben niemals auffällt. Von den meisten ungesehen, führt er ein unaufregendes, meist durch Sehnsucht nach anderen Menschen geprägtes Leben. Was ihn so unspektakulär macht ist, dass er durchschnittlich ist: seine Größe, sein Gewicht, sein Aussehen, sein Job, nichts würde aus der Norm fallen, dass es Aufmerksamkeit erregen würde. In Laufe der Jahre hat er sich daran gewöhnt, was nicht heißt, dass er es akzeptiert hat.
Eines Tages stößt er auf eine Information, die sein Leben grundlegend verändert, ihm einen Sinn gibt: ein durchschnittlicher Mensch besitzt 17.000 Gegenstände und somit beschließt er, 34.000 Gegenstände zu sammeln, um eben den Durchschnitt entfliehen zu können. So viele Gegenstände brauchen Platz, weshalb in eine größere Wohnung zieht und dadurch trifft er auf Maja.

Maja ist Angestellte in einer Steuerkanzlei und hat wie Manuel ein, sagen wir, außergewöhnliches Hobby. In ihrer Freizeit stöbert sie durch den Immobilienteil der Zeitungen, immer auf der Suche nach WGs, die einen Mitbewohner suchen. Nicht etwa, dass sie tatsächlich umziehen möchte, ihr geht es viel mehr darum, eine Statistik zu erstellen, wie viele Zimmer sie bekommen hätte, wie ihr Anklang bei den Menschen ist.

Meine Meinung:
Manuel ist eher der unauffällig Typ, der, denn man leicht übersieht, wenn man nicht genau hinsieht und die Beschreibungen der Autorin verdeutlichen dieses Bild eindringlich. Es gibt nichts an dem Mann, was wirklich hervorsticht, so dass er ein verschwommener Mensch bleibt, der durch nichts hervorsticht. Erst als er es sich zum Ziel setzt, 34.000 Gegenstände zu sammeln, legt er eine Eigenheit an den Tag, die einen beschäftigt. Sein Hobby spielt aber auch im Geheimen ab, dringt nicht zur Außenwelt durch, so dass die Aufmerksamkeit nur der Leser mitbekommt und Maja, Maja die immer mehr zu einem Fixpunkt in Manuels Leben wird.

Maja mag zwar auf den ersten Blick auch nicht sehr auffällig wirken, doch besitzt sie eine Schlagfertigkeit gegenüber den Menschen, die sie durchaus zu etwas Besonderem machen, sei es nun in der Arbeit, oder bei der Suche nach einer WG.

Die Hobbies der beiden klingen sehr seltsam und sind es auch, doch verleihen sie der Geschichte eine eigene Dynamik und lassen einen Manuel und Maya  durchaus sympathisch finden.  Wieso sie ihre Leidenschaft gewählt haben, wird auch schnell klar: Maya sucht nach Bestätigung, will erreichen, dass sie Anerkennung erlangt und sieht, dass eine Zusammenleben mit ihr begehrt ist.
Manuel will der Durschnittsfalle entkommen, viel zu lange ging er in der Menschenmasse unter, sei es in der Schule, auf der Arbeit oder im Leben, niemals hat ihn etwas ausgezeichnet, weshalb er sich seinen eigenen Weg erschafft, auszubrechen.

Der Titel des Buches lautet „Gegen einsam“, aber weniger einsam als zu Beginn der Geschichte, wird in deren Verlauf eigentlich niemand. Maja versucht zwar Manuel zu helfen, da er sich in seinem Hobby beginnt komplett zu verlieren, aber wirklich durchdringen kann sie nicht zu ihm. Zwischen den Beiden bleibt dem Buch über eine Distanz, die der Leser mitbekommt und die ich schade fand, vom Titel her hatte ich mir nämlich zumindest eine leichte Annäherung gewünscht.

Die Kapitel innerhalb des Buches wechseln zwischen Maja und Manuel hin und her, die immer aus der Ich-Perspektive erzählt werden. Obwohl mir klar war, dass dieser Wechsel stattfand, war es manchmal schwer für mich, zu wissen, wer jetzt gerade an der Reihe war. Erst durch die ersten Absätze eines Kapitels wurde es irgendwann klar, wer diesmal der Erzähler ist.

Es fällt mir schwer, die Geschichte zu beurteilen, weil einerseits die Hobbies der beiden schon skurril sind, doch anderseits sehe ich nichts, was mir aus dem Ganzen hängen bleibt. Für zwischendurch sicherlich ein empfehlenswertes Buch, da es sich locker und leicht liest, aber es gab keinerlei Tiefen, die das Ganze für mich besonders gemacht hätten.

Fazit:
Sicherlich eine außergewöhnliche Geschichte, die durch ihre Protagonisten lebt, nur leider sind diese zwei Charaktere nicht so einnehmend, wie man es sich wünschen würde. Zwischendurch sicherlich ein kleines Lesevergnügen, allerdings nichts was lange nachwirkt.

Danke für das Rezensionsexemplar an den Picus Verlag und !

2 Gedanken zu “Gegen einsam

    • Finde deine Rezension ziemlich ausdrucksstark, besonders die Vermutung, dass Manuel an Asperger leidet, würde die Geschichte in ein bisschen anderes Licht rücken. Danke für diesen anregenden Gedanken! Lieben Gruß zurück!

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