Über uns Stille


Titel: Über uns Stille
Originaltitel: The Bomb
Autor: Morton Rhue
Genre: Jugendbuch ab 14 Jahren
Seiten: 256 Seiten
Verlag: Ravensburger Buchverlag
ISBN-10: 3473400815
ISBN-13: 978-3473400812

Erste Sätze:
Ich schrecke aus dem Schlaf. Jemand rüttelt mich grob an der Schulter, dann höre ich Dads Stimme.
„Aufwachen, Scott! Steh auf! Schnell!“

Klappentext:
Die Angst wächst jeden Tag.
Scotts Vater hat einen Bunker im Garten bauen lassen.
Seitdem stellt Scott sich die quälende Frage: Wird er es rechtzeitig in den Bunker schaffen, wenn der Krieg kommt? Und was, wenn dort kein Platz mehr für ihn ist, weil die Nachbarn schneller waren? Wie lange muss man eigentlich in so einem Bunker bleiben? Hätten sie überhaupt eine Chance zu überleben, wenn draußen alles verseucht wäre?

Inhalt:
Wir schreiben das Jahr 1962: Der 12-jährige Scott wohnt mit seiner Familie in den USA. Die Kuba Krise steht vor ihrem Höhepunkt, die Angst vor einem Atomangriff wächst, so dass Scotts Vater beschließt, in seinem Garten einen Bunker für seine Familie zu bauen. Dieser Bunker macht sie in der Nachbarschaft zum Gespött, da niemand wirklich annimmt, dass es zu solch einer Eskalation kommt.
Sie täuschen sich – die USA werden tatsächlich angegriffen. Scott, seine Familie und ihre Hausangestellte begeben sich in den Bunker, doch damit sind sie nicht die Einzigen, die dorthin flüchten. Die Nachbarn strömen zum Bunker, wollen dort Schutz finden, haben sie sich doch keinen eigenen Schutzraum gebaut. Zwar versucht Scotts Vater die Menschen draußen zuhalten, ist der Bunker doch nur für seine Familie ausgerichtet, doch es gelingt ihm nicht, alle hinauszusperren. Mit der Familie befinden sich jetzt Ronnie, Scotts Freund und seine Eltern, Mr Mc Govern und seine Tochter Paula mit im Bunker.
Nach einem Atomangriff ist vorgesehen, dass man mindest zwei Wochen in diesem Raum bleibt, da er aber nur für vier Personen ausgerichtet war, kommt es schnell zu Problemen: das Essen wird knapp, Trinkwasser will nicht in den Wassertank gelangen und die Anspannung untereinander wächst zu einem bedrohlichen Ausmaß.

Meine Meinung:
Ich war zuerst ein wenig skeptisch, ob mir das Buch zusagt, da mich Geschichte nicht sonderlich interessiert und die Kuba Krise, doch schon in der Vergangenheit liegt, doch das Thema Atomwaffen ist aktuell, aktueller als man vielleicht möchte. Man kann die Geschichte also sehr gut auf die heutige Zeit umlegen, wie es wäre, wenn eine solche Katastrophe jetzt geschehe.

Die einzelnen Kapitel des Buches wechseln zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her. Einerseits ist der Aufenthalt im Bunker beschrieben, wie die einzelnen Menschen mit der Situation umgehen, zu welchen Problemen und Konflikten es kommt, auf der anderen Seite wird die Zeit vor dem Angriff beschrieben. Die Zeit, als sich die Leute noch über den Bunker lustig gemacht haben, alle zwar Angst vor einen Angriff hatten, niemand aber wirklich daran geglaubte.

Besonders die Szenen im Bunker sind eindringlich beschrieben, zeigen deutlich, zu welchen Spannungen es unter den Menschen kommt. Auch das Thema Rassismus findet im Buch Platz, da die Hausangstellte von Scotts Eltern schwarz ist und einige Anwesende im Bunker der Meinung sind, dass sie selbigen verlassen sollte, damit die Überlebenschance der anderen größer wird. Generell sind es die, die den Bau des Bunkers belächelt haben, die sich letztlich in ihm selbst wie die Chefs aufspielen.
Sie wollen ihre Familie beschützen, keine Frage, aber ihr egoistisches und arrogantes Verhalten war einfach unausstehlich, statt Dankbarkeit, dass sie Zuflucht fanden, haben sie nur Kritik übrig. Ehrlich, Ronnies Eltern, sowie Mr Mc Govern lernt man im Buch einfach nur abgrundtief zu hassen.

„Ich halte mich an Nietzsche, der einmal gesagt hat: „Die Hoffnung ist in Wahrheit das Übelste der Übel, weil sie die Qual der Menschen verlängert.“ (Seite 185/186)

Die Geschichte wird aus der Sicht von Scott erzählt, der durch seine 12 Jahren, doch noch eine kindliche Naivität an den Tag legt, die die Erzählung  eindringlicher macht, weil sie in einem so starken Kontrast zu dem gefährlichen und lebensbedrohlichen Angriff steht.

Schlecht gewählt fand ich das Ende. Es kommt zu abrupt, zeigt nicht, wie es nach dem Angriff für die Familie weitergeht. Man wird einfach ohne irgendwelche Informationen zurückgelassen, was ein sehr unbefriedigendes Gefühl entstehen lässt.

Fazit:
“Über uns Stille“ ist ein Buch, was zum Nachdenken und zum Mitfühlen verleitet. Die Kubakrise mag der Vergangenheit angehören, doch Atomwaffen sind immer noch ein aktuelles Thema, so dass die Geschichte eine Eindringlichkeit besitzt, die einen Gänsehaut bekommen lässt.

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