Solange die Nachtigall singt


Titel: Solange die Nachtigall singt
Autor: Antonia Michaelis
Genre: Jugendbuch ab 16 Jahren
Seiten: 447 Seiten
Verlag: Oetinger
ISBN-10: 378914293X
ISBN-13: 978-3789142932

Erste Sätze:
Etwas war geschehen.
Der Wald zu still, die Blätter der hohen Buchen schienen zu zittern, als kostete es sie beinahe übermäßige Anstrengung, sich nicht zu rühren, als wollte die Bäume ihre rauschenden Stimmen zu einem Schrei erheben.

Klappentext:
Ein Haus, abgeschieden von der Zivilisation.
Ein Wanderer, der sich verirrt.
Ein Wald mit zu vielen Gräbern.

Völlig unverhofft trifft der achtzehnjährige Jari auf die geheimnisvolle Jascha, deren Schönheit er sich nicht entziehen kann. Er folgt ihr in das abgeschiedene Haus mitten im Wald, wo sie lebt. Und das, obwohl er spürt, dass dieser Ort ein düsteres Geheimnis birgt. Etwas ist geschehen. Etwas, das schrecklicher ist als alles, was Jari sich je hätte ausmalen können. Etwas, das ihn in tödliche Gefahr bringt.

Inhalt:
Jari, ein 18-jähriger Tischler, hat gerade seine Lehre abgeschlossen und beschließt sich für zwei/drei Wochen auf Wanderschaft, in den Zittauer Gebirge, zu begeben. Am Bahnhof trifft er, in seinen Augen, auf das hässlichste Mädchen der Welt und doch, trotz ihrer Hässlichkeit, strahlt sie eine Faszination für ihn aus, der er sich nicht entziehen kann. Es kommt dazu, dass er seine Wanderschaft mit dem Mädchen, dessen Name übrigens Jascha ist, beginnt. Und nach einiger Zeit verwandelt sich dieses hässliche Mädchen, in das schönste was er je gesehen hat, nicht durch Zauberei, sondern einen Trick, denn man allerdings lesen muss, um ihn verstehen zu können.
Es ist auch der Moment, in dem Jari Jascha verfällt, er bleibt an ihrer Seite, begleitet sie bis zu ihrem Haus im Wald. Sie bietet ihn eine Unterkunft für die Nacht an, welche er gerne annimmt, doch aus einer Nacht, werden Tage und aus Tagen Wochen, bis Jari letztlich die Realität aus den Augen verliert und sich in einen Jäger verwandelt.

Meine Meinung:
Antonia Michaelis war mir schon durch „Den Märchenerzähler“ und „Die Nacht der gefangenen Träume“ ein Begriff. Besonders ihr einmaliger Schreibstil hat es für mich geschafft, dass sie eine meiner Lieblingsautorinnen ist und auch „Solange die Nachtigall singt“ kann mit einer Portion Poesie in wenigen Worten aufwarten. Der Schreibstil hat also seine bekannte Magie versprüht, nur der Rest, da habe ich keine Ahnung, was das war.

Die Geschichte klingt seltsam und genau so ist sie – seltsam. Es hat ein bisschen etwas von einem Mystery – Horror Szenario gehabt, was die Atmosphäre definitiv den Leser liefern konnte. Der geheimnisvolle Wald, dichter Nebel, rasche Szenenwechsel, plötzliches Auftauchen und Verschwinden, ja, es war alles sehr seltsam in der Geschichte und durchaus einnehmend. Was mich irgendwann gestört hat, waren diese dauerhaften Wiederholungen, die kein Ende nehmen wollten. Jascha ist verschwunden, taucht wieder auf, sie springt um Jari herum, der langsam den Verstand verliert, es geschehen komische Dinge und es geschehen noch mehr komische Dinge und eigentlich geschieht nichts aussagekräftiges. Mich hat das Buch einfach zu langweilen begonnen und da war noch nicht einmal die Hälfte der Geschichte erreicht, einzig der Schreibstil und die überspringende Atmosphäre ließ mich durchhalten, wobei gelohnt hat es sich nicht wirklich.

Es ist so, man liest immer wieder kleine Einschübe aus der Vergangenheit im Buch, wie es eben dazukam, dass Jascha jetzt alleine im Wald lebt und durch diese kurzen Sprüngen, kann man sich relativ leicht eine Geschichte zusammendichten, wie „Solange die Nachtigall singt“ enden könnte, dass es dann tatsächlich so kam, wie ich es mir vorgestellt hat, war kein Überraschung für mich. Es ist vorherzusehen, wie sich das Ganze entwickelt und welche Richtung es einnimmt.

„Ganz alleine sein ist schrecklich. Der Wind heult draußen, wenn du ganz allein bist, und klagt und weint in den Ästen. Die Kälte wird unerträglich kalt und die Dunkelheit unerträglich dunkel. Und in den Ecken lauert die Angst. Wenn du ganz allein bist im Wald, wirst du verrückt. Dann bist du verloren. Ausgeliefert. Hilflos. Dann hat dich die Nacht.“ (Seite 36)

Was die Autorin wirklich gut kann, ist die Grenzen zwischen Realität und Fiktion so zu verwischen, so dass man als Leser irgendwann selbst an sich zu zweifeln beginnt, dutzende Male nachdenken muss über eine Situation, nur um dann zu keinen Ergebnis zu kommen. Man kann die Geschichte nur wirken lassen, darf sich nicht den wirren Gedankengängen hingeben, denen man vielleicht versucht ist nachzuhängend, dann nämlich glaube ich, hat man sich verloren, oder vielleicht war dies auch mein Fehler, ich bin nicht verloren gegangen, weil ich ein viel zu rational denkender Mensch bin und mich auf viele Situationen nicht eingelassen habe. Eventuell wird das Leseabenteuer deutlich höher, wenn man die Realität loslässt und sich ins Buch fallen lässt, wie gesagt, ich konnte es leider nicht, weshalb das Buch mich nicht überzeugt hat.

Fazit:
Eine einzigartige Atmosphäre, die durch den Schreibstil von Antonia Michaelis fassbar macht, bestimmt das Buch und die Geschichte, nur leider war es das auch schon. Geprägt von Wiederholungen und Langatmigkeit, kann ich keine Empfehlung für „Solange die Nachtigall singt“ abgeben.


Der Trailer hingegen ist wirklich gelungen:

4 Gedanken zu “Solange die Nachtigall singt

  1. Schade, denn der Trailer ist wirklich gelungen und hätte mich total neugierig gemacht. Aber ständige Wiederholungen mag ich auch nicht! LG 😉

  2. Ich kann mich Tanja nur anschließen – der Trailer verspricht ja Spannung und Gänsehaut pur. Und auch die Geschichte an sich klingt wirklich gut (und wäre auch für mich mal etwas Neues). Aber deine Kritikpunkte sind nachvollziehbar.
    Irgendwie bin ich dennoch neugierig geworden – vielleicht gebe ich dem Buch ja doch irgendwann mal einen Versuch.

    • Ich denke sogar, jeder muss sich selbst an das Buch wagen, um dann entscheiden zu können. Habe schon viele gute Rezensionen zum Buch gelesen, eventuell war ich einfach nicht die „richtige“ Leserin dazu.

      • Ja,mich hat das Buch seit deiner Rezension nicht losgelassen und daher habe ich heute auch einmal ein paar andere Rezensionen gelesen. Die meisten sind wirklich positiv und es gibt Lob ohne Ende.Um so besser finde ich es aber daher auch nun, dass du ein paar Kritikpunkte angebracht hast. Generell mag ich es immer, zu hochgelobten Büchern auch mal ein oder zwei negative Meinungen zu hören – oft bekommt man dadurch ein besseres Gefühl,ob das Buch wirklich etwas für einen sein könnte.
        Ich werde es auf jeden Fall einmal lesen und danke dir für deine Rezension, die meine Neugier ja erst geweckt hat (vorher habe ich – zugegebenermaßen – auch noch nicht von dem Buch gehört). 🙂

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