The Lovely Way


Titel: The Lovely Way. Nur wenn du aufgibst, wird der Tod lebensgefährlich
Originaltitel: Kapitulera omedelbart eller dö
Autor: Sanne Näsling
Genre: Jugendbuch ab 14 Jahren
Seiten: 256 Seiten
Verlag: Oetinger
ISBN-10: 3789143367
ISBN-13: 978-3789143366

Erste Sätze:
Ich kann sie zwar nicht sehen, aber ich weiß, dass Lovely auf dem Balkon sitzt, weil vor dem Fenster Rauchwölkchen aufsteigen. Sie entfalten sich wie Blumen in der Luft, wie große Rosenblüten.

Klappentext:
„Was würdest du machen, wenn ich sterbe?“
Ihre Stimme klingt hart.
Ich wende meinen Blick ab und betrachte die Sterne:
„Hör auf. Ich kann nicht darüber reden.“
„Und ob du das kannst“, sagt Lovely. „Wenn ich sterbe, musst du mir nämlich the prettiest funeral ever organisieren.“

Die anderen an der Schule sagen, dass Mary einen an der Klatsche hat. Aber Mary und Lovely sind trotzdem unzertrennlich. Sie lieben den Schmerz, die Freiheit, süße Cupcakes und gute Songtexte. Sie verachten das geige Mittelmaß. Mamas neuen Freund und all die überflüssigen Idioten dieser Welt. Gemeinsam kämpfen sie gegen ihre deprimierend unspektakuläre Existenz und wünschen sich nichts sehnlicher als einen bleibenden Schaden und ein wenig Perversion. Doch auch Seelenschwestern wie Marie und Lovely können der Realität nicht auf ewig entkommen.

Inhalt:
Die beiden Freundinnen Mary und Lovely verbringen die meiste Zeit miteinander, ob es nun in der Schule oder in der Freizeit ist, sie scheinen nahezu untrennbar. Sie teilen alles miteinander, ihre geheimsten Sehnsüchte, Gedanken und Hoffnungen. Ein zentrales Thema ist der Wunsch, eines Tages gemeinsam in London zu leben. Dieser Wunsch findet sich auf beinahe jeder Seite des Buches wieder. Sie erfinden sich eine Traumwelt, wie sie sich dort erschaffen wollen. Ihr beider Leben ist von einer Trostlosigkeit gezeichnet, die ihnen aber gar nicht so unrecht kommt, immerhin ermöglicht es ihnen das Philosophieren. Ihre Andersartigkeit, ihre Verrücktheit ist beiden durchaus bewusst, doch gegen die Idioten in der Schule können sie sich mehr als nur gut wehren, finden sogar gefallen an dem Herausfallen aus der Masse.
Mithilfe ihrer Gedanken an London versuchen sie ihren jetzigen Leben zu entfliehen und ein Ziel für sich zu schaffen, was das Leben lebenswert macht.

Meine Meinung:
Ein seltsames Buch, durch und durch. Klappt man die Buchdeckel zusammen, muss man erst einmal durchatmen, fragt man sich, was man da jetzt überhaupt gelesen hat, weil eine tatsächliche Geschichte gibt es nicht.
Sicherlich, wir erfahren Dinge über das Leben von Mary und Lovely, teilen mit ihnen die Gedanken und erleben zusammen Situationen, aber es ist definitiv keine Geschichte, die erzählt wird, viel mehr hat man mit „The Lovely Way“ eine Gedankensammlung vor sich. Diesen Aspekt sollte man sich vor dem Lesen verinnerlichen, denn einen roten Faden wird man das ganze Buch über nicht finden.
Und auch wenn man gar nicht so genau weiß, was man da gelesen hat, liest man unaufhörlich. Die Worte besitzen eine eigene Magie, schlingen sich um die Brust und fesseln einen an die Seiten. Man kann, man mag das Buch nicht weglegen.

Wichtig für das Buch wären Englischkenntnisse, zumindest ein paar Brocken sind vom Vorteil, da sich beide Mädchen in ihren Träumereien an London, ganz oft der englischen Sprache bedienen. Sprich, wenn sie im Alltag miteinander reden, ist es eine Mischung aus Englisch und Deutsch, wobei letzteres überwiegt, aber für das allgemeine Verständnis wäre es gut, Englisch zu beherrschen.

Klingt alles ganz positiv und ist es auch, allerdings kommt der große Kritikpunkt nach dem Lesen: man vergisst das Buch. An die Rahmengeschichte kann man sich zwar erinnern, aber was zwischen den Zeilen steht, geht ganz schnell verloren und bleibt einem nicht im Kopf. Was ich darauf zurückführe, dass das Buch einfach nichts aussagt. Es erzählt die Geschichte zweiter Mädchen, die ihre Andersartigkeit feiern und doch nicht so anders sind, wie alle anderen.

„Die haben nicht die geringste Persönlichkeit“, sage ich. „Babys sind
strunzdumm und haben keine eigene Meinung. Sie können zwar Schmerz empfinden, aber das können Fische auch. Das ist wissenschaftlich erwiesen.“ (Seite 218)

Man fühlt sich Lovely und Mary zwar relativ verbunden, doch war mir ihr Verhalten einfach nur oft peinlich. Die Mädchen sind zwar liebenswert und man kann ihre Gedanken durchaus nachvollziehen, aber manchmal war mir alles zu viel. Wobei, dieses Verhalten kann man ohne Probleme auf die Realität umlegen, die Gedanken, sie könnten von wirklichen Jugendlichen kommen, allerdings kann ich mit deren Handlungen meist auch nichts anfangen. Es ist eine aufgesetzte Coolness, die das Buch beherrscht, dadurch authentisch, allerdings auch schwer zu fassen macht.

Fazit:
Faszinierende Geschichte, mit keinerlei Inhalt, die aber mit ihren Worten auf ganzer Linie überzeugt und einen in den Bann zieht.

Kommentar verfassen