Der Zwerg reinigt den Kittel


Titel: Der Zwerg reinigt den Kittel
Autor: Anita Augustin
Genre: Belletristik
Seiten: 336 Seiten
Verlag: Ullstein
ISBN-10: 3550080050
ISBN-13: 978-3550080050

Erste Sätze:
Sie nehmen dir alles, wenn es sow eit ist. Alles, was du noch hast. Den Wohnungsschlüssel, die Möbel, die Gummipalme. Sie nehmen dir das Recht, aufzuwachsen, wann du willst, und einzuschlafen, wann du willst.

Klappentext:
Sitzen vier Omas im Knast.
Klingt wie ein Witz, aber Humor haben die Damen gerade keinen, dafür ein Problem. Schwere Körperverletzung, wahrscheinlich mit Todesfolge. Ursprünglich war das anders gedacht: Ferien für immer im Altenheim. Die Idee war gut, die Wirklichkeit nicht so. Club Tropicana hat zwar keine erwartet, aber die Endlagerstätte für senile Altlasten auch nicht: talentfreie Zivis, verrückte Mitinsassen, sadistische Oberschwestern – irgendwann reicht’s. Die vier Alten schlagen zurück, und das klingt schon wieder wie ein Witz, ist aber keiner.

Inhalt:
Vier Omas sitzen im Knast – Grund ist eine schwere Körperverletzung, mit vermutlicher Todesfolge. Klingt schon mal außergewöhnlich, wird aber noch um eine Spur verrückter. Almut, eine der vier Damen, wird zum Gefängnispsychologen geschickt und soll erzählen, was wirklich war und so erzählt sie. Einerseits von ihrer seit vierzig Jahren anhaltenden Schlaflosigkeit, Gewaltphantasien, die sie immer mal wieder hat, andererseits aber auch von dem Plan, denn die Freundinnen hatten.
Nach einem langen Arbeitsleben, steht die Rente vor der Tür, an ihrer Seite die Einsamkeit. Was soll man mit so viel Zeit anfangen? Im Bett liegen, rauchen, still und heimlich sterben? Klingt nicht sehr verlockend und so entschließen sich die Freundinnen auch dazu, ihren Lebensabend in einer Seniorenresidenz zu verbringen. Klingt nett, gemeinsam basteln, Karten spielen und Tee trinken, aber nichts da, diese Damen sind aus einem anderen Holz geschnitzt, sie haben ihren Spaß daran, Pfleger zu verschrecken, Altersgebrechlichkeit vorzuspielen (damit sie überhaupt im Heim sein dürfen) und die Tage rauchend wie ein Schornstein zu verbringen.

Meine Meinung:
Almut ist die Person, an deren Seite man durch das Buch wandert. Ist die Geschichte alleine schon sehr skurril, bleiben es doch die vier Damen, die absolut bestechen. Mürrisch, gepaart mit einem zynischen und trockenen Humor, schließt man sie schnell ins Herz, möchte allerdings hoffentlich nie etwas mit ihnen zu tun haben. Jede von ihnen hat ihre Eigenheiten, doch zusammen ergeben sie ein brandgefährliches Pulverfass.

Die Geschichte startet damit, dass sich die Freundinnen nach langer Zeit wieder sehen. Alle sind in Rente, alle langweilen sich und so entsteht wieder ein Kontakt unter ihnen, mit fatalen Folgen. Körperverletzung, mit vermutlicher Todesfolge. Kein Kavaliersdelikt und so landen sie letztlich im Gefängnis. Kleines Manko: man erfährt nicht, wie und was tatsächlich bei dem Verbrechen vorgefallen ist, man weiß nur, dass eine andere Dame darin verwickelt war und aus. Macht die Situationen ein bisschen undurchsichtig, aber ist auch eigentlich nur eine Nebensituation. Im Gefängnis angekommen, wir Almut als Anführerin der „Band“ schließlich zum Gefängnispsychologen geschickt, damit dieser beurteilen kann, wie gefährlich die Damen sind. Hier beginnt dann auch die eigentliche Geschichte.

Das Buch wechselt zwischen den Perspektiven hin und her. Einmal befindet man sich im Altersheim, erfährt, was da alles so vor sich ging und dann wieder, findet man sich mit Almut beim Gefängnispsychologen wieder. Diese Erzählweise kann manchmal ein bisschen verwirrend sein, aber man gewöhnt sich relativ zügig daran, so dass man irgendwann deutlich unterscheiden kann, an welchen Ort man sich tatsächlich befindet.
Die Zeit im Altersheim ist amüsant erzählt, weil eben die alten, gebrechlichen Damen nicht immer so lieb und nett sind, wie man vielleicht zuerst denkt. Es wird allerdings auch nicht an Kritik gegenüber dem Gesundheitssystem gespart, so dass es eine ausgewogene Mischung zwischen ernst und lustig wird.

Das Schicksal ist ein diskreter Kellner. Und er kommt nicht mit Kindstod und Autounfall, er kommt mit der Rechnung.
Da steht: 1 x falsche Entscheidung mit Pommes.
Und dann zahlst du.
In bar.
In Jahren.
Das ist die Währung: Lebensjahre. Viele, viele Jahre deines Lebens, vielleicht alle, die du noch hast nach der einen falschen Entscheidung. (Seite 116)

Man könnte jetzt meinen – schöne Satire, lässt sich locker leicht lesen, stimmt irgendwie auch, aber das Ende des Buches, meine Herren, dass ist mal eine ganz andere Hausnummer. Wo man vorher noch lachte, bleibt einem dort der Lacher im Halse stecken und es breitet sich eine unglaubliche Schwere über einen aus, die man auch nach der Beendigung des Buche nicht mal so locker abschüttelt. Warum? Selber lesen!

Tipp von meiner Seite: Eventuell die Leseprobe zu dem Buch lesen und schauen, ob man mit dem Humor und Erzählstil etwas anfangen kann, da beides doch sehr eigen ist und sicherlich nicht jedermann zusagt.

Fazit:
Zerstört wird das Bild von den lieben, alten Damen, was man vielleicht vor dem Buch im Kopf hatte, dafür lernt man eine Welt, gebaut aus Skurrilität, kennen, die zumindest meinen Humor punktgenau getroffen hat und zwischendrin immer wieder vor Tiefgründigkeit strotzt.

 

Ein Gedanke zu “Der Zwerg reinigt den Kittel

  1. Hallo 🙂
    Ich habe die selbe Meinung wie du, nur leider verstehe ich das Ende dieses Buches nicht ganz. Ich muss demnächst ein Buchreferat über dieses Buch machen und kapiere den Sinn des Titels noch nicht ganz und eben wie ich das ganze meinen Mitschülern erklären soll…
    Wäre total nett, wenn du mir schreiben könntest

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