Schüchtern – Bekenntnis zu einer unterschätzen Eigenschaft

Titel: Schüchtern – Bekenntnis zu einer unterschätzen Eigenschaft
Autor: Florian Werner
Genre: Sachbuch
Seiten: 176 Seiten
Verlag: Nagel & Kimche AG
ISBN-10: 3312005442
ISBN-13: 978-3312005444

Erste Sätze:
Es ist, als lastet auf dem Telefon ein böser Zauber. Als hätte ein polynesischer Stammeshäuptling über dem Apparat ein Tabu verhängt, das nur für mich bestimmt ist und das es mir unmöglich macht, den Hörer aufzunehmen und ein Telefonat zu führen.

Klappentext:
Unbekümmerte Selbstdarstellung ist heute selbstverständlich, Schüchternheit hingegen ist passé. Oder doch nicht? Amüsant und formvollendet erzählt Florian Werner von Erlebnissen und Verhaltensstrategien, von Selbstzweifeln und vom Glück des Zaudern, von falscher Scham und peinlichen Fragen.

Inhalt:
Schüchternheit ist im 21. Jahrhundert nicht mehr verantwortbar, viel zu sehr ist die Gesellschaft auf Leistung aus. Selbstbewusstsein ist das A und O, um überleben zu können, sich voranzutreiben und seinen Platz zu finden. Hier gibt es keinen Ort für den zurückhaltenden Menschen, weil er sich doch nur selbst im Weg steht, oder? Florian Werner ist schüchtern und zeigt, dass man diese Charaktereigenschaft nicht unterschätzen darf. Natürlich steht man sich manchmal im Weg, aber sieht man dadurch nicht mehr, wenn man sich mal die Zeit nimmt, den Moment zu betrachten? Auf unterhaltsame Art und Weise erzählt der Autor eigene Erlebnisse, zeigt aber auch auf, was Schüchternheit überhaupt ist und seit wann es ein Makel ist, diese Eigenschaft in sich zu tragen. Schnell wird dem Leser klar, dass Schüchternheit viel mehr ist, als man denken mag.

Meine Meinung:
„Schüchtern – Bekenntnis zu einer unterschätzen Eigenschaft“ scheint ein Fachbuch zu sein, doch letztlich ist es viel mehr. Vollgepackt mit Fakten, über die Entstehung, Verbreitung, aber auch dem Umgang mit der Charaktereigenschaft, wird das straffe Wissen dadurch aufgelockert, dass der Autor Geschichten aus seinem eigenen Leben erzählt, was eben davon dominiert wird, dass er schüchtern ist.
Das vermittelte Wissen ist interessant aufbereitet, allerdings ist es so, dass es an manchen Stellen einfach zu viel des Guten ist, zumindest was den Schreibstil betrifft. Den Inhalt kann man nichts ankreiden, nur scheint der Autor eine Vorliebe für Fremdwörter zu haben, so dass er mehr als nur einige einbaut. Dadurch wird der Lesefluss erheblich gestört, Sätze müssen öfters gelesen werden, um ihren Sinn zu erkennen, was letztlich sehr anstrengend ist.
Man muss sich im Klaren sein, dass es sich hier um ein Fachbuch handelt, die einzelnen Kapitel werden zwar durch persönliche Erlebnisse amüsant gestaltet, doch einen Mittelweg zwischen Humor und Wissen schafft das Buch nicht, es bleibt viel mehr auf der wissenschaftlichen Seite, was nicht tragisch ist, doch nach dem Klappentext ein wenig schwer zu deuten war.

Denke, das Buch ist nicht nur für schüchterne Menschen bestimmt, sondern auch für solche, die sich für die menschliche Charaktervielfalt interessieren. Selbst betroffen, findet man sich in vielen Situationen wieder, analysiert sich teilweise selbst, weil das Geschriebene zum Nachdenken anregt, allen anderen wird ein Verständnis für die manchmal unverständlichen Ängsten gezeigt (Angst vor dem telefonieren, zurückhaltendes Verhalten usw.).

Mit knapp 180 Seiten, ist das Buch eher auf der schmaleren Schiene unterwegs, was manchmal mir das Gefühl gegeben hat, dass einige Themen nur angerissen wurden und durchaus noch ausbaufähiger gewesen wären. Das gebotene Wissen ist umfassend und trotzdem, an der ein oder anderen Stelle wünscht man sich ein bisschen mehr Substanz, manchmal aber auch einfach ein paar mehr persönliche Erlebnisse, um das Gelesene zu verdeutlichen.

Fazit:
„Schüchtern“ ist ein vollgepacktes Fachbuch, über eine Charaktereigenschaft, der viel zu viele negative Attribute anhängen. Streckenweise schwierig zu lesen, bleibt es doch ein Buch, welches einen auf amüsante Weise die Schüchternheit näher bringt und zeigt, dass es sich durchaus lohnt, manchmal schüchtern zu sein.

Danke für das Rezensionsexemplar an den Verlag Nagel & Kimche AG und lovelybooks.de!

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