Anatomie einer Nacht

Anatomie einer Nacht
Titel: Anatomie einer Nacht
Autor: Anna Kim
Genre: Belletristik
Seiten: 303 Seiten
Verlag: Suhrkamp Verlag
ISBN-10: 3518423231
ISBN-13: 978-3518423233

Erste Sätze:
Die Epidemie fand ihren Höhepunkt im Spätsommer, an der Schwelle zum Herbst. Die elf Selbstmorde geschahen innerhalb von fünf Stunden, in der Nacht von Freitag auf Samstag, ohne Vorwarnung, ohne Ankündigung, ohne Abmachung. Das Sterben breitete sich seuchenartig aus, die Opfer schienen sich nur durch eine Berührung oder durch einen Blick infiziert zu haben –
im Nachhinein sprach man von einer Krankheit.

Klappentext:
Elf Lebensgeschichten,
elf letzte Stunden in Grönland,
dem Land der Extreme.

„Die Nächte in Amarâq sind eine undurchdringliche schwarze Masse, sie sind das, was man sich unter dem Nichts vorstellt: das Bild, an dem das Auge versagt.“

Inhalt:
Amarâq, ein fiktiver Ort in Grönland, ist der Schauplatz einer Nacht, in der sich elf Menschen umbringen. Elf Tote, die keinerlei Verbindungen aufweisen und doch irgendwie miteinander verknüpft sind, dadurch, dass sie alle selbst entscheiden aus dem Leben zu scheiden. Elf unterschiedliche Gründe, elf ganz unterschiedliche Leben, die doch zusammen gehören.

Meine Meinung:
Was schreibt man zu einem Buch, welches irgendwie an einem vorbeizog und in keinerlei Erinnerung geblieben ist? Amarâq, es scheint eine trostlose Kleinstadt, in der ein Leben nahezu unmöglich erscheint, schön ausgeschmückt wird der Ort bis ins Detail beschrieben, bis man ihn bildlich vor Augen hat, aber ansonsten herrscht leer in diesem Bild. Die Protagonisten sind zwar vorhanden, aber nicht so, dass sie der Leser greifen könnte, mehr fließen sie einen durch die Finger und hinterlassen keinerlei bleibenden Eindruck.

Eine Vielzahl an Protagonisten kommt im Buch vor und obwohl man zu Beginn eine kleine Übersicht hat, ist es trotzdem ein einzig großes Verwirrspiel und immer wieder ein stätiges fragen, welchen Charakter, mit welcher Geschichte, man jetzt vor sich hat. Neben den Hauptdarstellern tauchen auch immer wieder Personen auf, die mit der Geschichte nicht sonderlich viel zu tun haben, sondern einfach nur als Randfigur auftreten, dadurch aber noch einmal alles durcheinandermischen, bis man dann irgendwann daran verzweifelt.

Doch darin liegt die Grausamkeit und Gefahr dieser Nächte. Sie federn nicht ab, sie gleichen nicht aus, sondern sie intensivieren, richten den Fokus auf dem Schmerz und betonen ihn, indem sie die Zeit ausradieren, das Vergangene und Zukünftige, und es mit einem Mal ausschließlich die Gegenwart gibt, das Hier und Jetzt. (Seite 235)

Mit 303 Seiten ist das Buch jetzt nicht dünn, aber durch die Vielzahl der Protagonisten, durch die ganzen Erzählungen der einzelnen Geschichten, sind die Seiten doch schnell aufgebraucht, ohne aber dass man wirklich einer Person nahe gekommen ist. Die Schicksale, von ihnen hatte ich mir kleine psychologische Feinheiten erwartet, aber sie sind wie das Buch selbst, wirr und nicht gleich nachvollziehbar, durch die wenigen Seiten, die man jeden einzelnen gewidmet hat, fühlt man auch mit niemanden mit. Der schnelle Wechsel zwischen den Personen macht es einfach unmöglich, einen emotional irgendwie verfolgen zu können, weshalb letztlich niemand von allen einen berührt, ihre Schicksale am Leser irgendwie vorbeiziehen.

Sprachlich fällt das Buch durchaus auf, weil es poetisch und verwinkelt ist, doch irgendwann, irgendwann war auch dieser Aspekt einfach nur noch nervig, weil man sich nicht mehr auf die Geschichte konzentrieren konnte, sondern die einzelnen Sätze zerpflücken musst, um irgendwie einen Sinn im Ganzen erkennen zu können.

Fazit:
Die Autorin wollte so viel, vermutlich zu viel und konnte mich leider mit „Anatomie einer Nacht“ so gar nicht überzeugen.
2 Sterne

2 Gedanken zu “Anatomie einer Nacht

  1. Da bist du ja tatsächlich zu einem ganz ähnlichen Ergebnis gekommen wie ich. Ich verstehe gar nicht, was für Loblieder manche auf dieses Buch singen, neulich erst wieder auf ZEIT-Online.

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