Asoziales Wohnen

asoziales wohnen
Titel: Asoziales Wohnen
Autor: Dirk Bernemann
Genre: Belletristik
Seiten: 320 Seiten
Verlag: Unsichtbar
ISBN-10: 394292014X
ISBN-13: 978-3942920148

Erste Sätze:
Was ist eigentlich Wohnen? Sein. Bleiben. Gewohnt sein. Zufrieden sein. Das Dach über den Köpfen, die Wände um die Körper und unsichtbar fließt Strom durch die Mauern. Und wenn du Licht machst im Treppenhaus, geht es irgendwann auch wieder aus.

Klappentext:
Wie wohnt man eigentlich richtig? Warum sind manche Tage depressive Kinder, die heute nicht mehr zum Spielen rauskommen? Was verbirgt sich hinter den Türen, hinter denen Menschen leben, die nie die Tür öffnen?

Asoziales Wohnen beschäftigt sich mit dem Zusammenleben von Menschen,
die Nutznießer und Opfer von räumlicher und zeitlicher Enge werden. Und je enger und später es wird, desto mehr wird der Mensch zur Marionette der Verhältnisse.

Inhalt:
Acht Wohnungen in einem Mehrfamilienhaus, nichts außergewöhnlich und dann doch, wenn Dirk Bernemann den Menschen einen Alltag auf dem Leib schneidert. Unterschiedlich sind die Bewohner, mal ein alleinlebender Künstler, mal die typische Vorstadtfamilie, aber typisch sind sie irgendwie alle nicht, weil sich jeder anderes der trostlosen Wahrheit stellt, die unweigerlich lauert. Anonym leben die Bewohner unter dem selben Dach und treffen doch aufeinander, weil die meisten Leben doch irgendwie miteinander verwoben sind.
Ein Mehrfamilienhaus irgendwo in der Welt, mit Menschen, die durch ihre Alltäglichkeit bestechen und an deren Leben man für einen kurzen Ausschnitt teilhaben darf. Eine spannende Sache!

Meine Meinung:
Das Leben im Mehrparteienhaus ist trist, einen positiven Roman darf man sich nun wahrlich nicht erwarten, aber vielleicht ist so genau der Alltag, meistens schwer zu ertragen. Dirk Bernemann hat einen ganz eigenen Stil, weshalb es wohl wichtig wäre, einfach einmal in seine Bücher hineinzulesen, oder zumindest die Texte auf seinen Blog anzuschauen (http://dirkbernemann.blogspot.co.at/).
Ich liebe seinen Stil, mir fällt spontan kein Autor ein, der diese Prätension in seinen Schilderungen unterbringt, der so alltäglich einen Alltag beschreibt, dass es einen beinahe den Atem raubt, weil die Gedanken sind einen irgendwie bekannt sind, aber wer will schon Trostlosigkeit denken, in einer Gesellschaft wo nur noch funktioniert wird.

Vermutlich wird das Buch die Leser spalten, einigen wird sicherlich die tiefe Trostlosigkeit auf den Senkel gehen, weil es wenig positive Lichtblicke gibt, sie sind schon vorhanden, aber so klein, dass man sie leicht übersieht. Dirk Bernemann ist wie bekannt direkt, was auch vermutlich nicht bei allen auf Wohlgefallen trifft, weshalb es wohl einfach wichtig ist, in seine Texte mal hineinzuschnuppern, aber alles was spalten könnte, liebe ich an dem Autor.

Die kommt jetzt übrigens rein, die Zeit, setzt sich zwischen Frust und Sibylle auf die Couch und bittet darum, totgeschlagen zu werden. Sieht wieder suizidgefährdet aus, die Zeit. Sie vergeht und verkommt und sie ist immer unterwegs, die alte Uhrenhure. (Seite 134)

Der Schreibstil ist poetisch und braucht deswegen die gesamte Aufmerksamkeit des Lesers, weshalb es wohl eher nicht ratsam ist, es als Zwischenlektüre zu lesen, sondern sich aufmerksam hinzusetzen, den Text auf sich wirken zu lassen und einfach in eine Welt einzutauchen, die voller Dunkelheit nur so glänzt.

Obwohl ich alle Bücher von Dirk Bernemann gelesen habe, fand ich, dass keines mehr wirklich mit „Ich habe die Unschuld kotzen sehen“ mithalten konnte und nach „Trisomie so ich dir“, welches ich wirklich furchtbar fand, war die Erwartungshaltung gering, sogar eher nicht vorhanden, aber das Buch hat mich eines Besseren belehrt – eindeutig gezeigt, dass es der Autor drauf hat, ich würde vielleicht soweit gehen und sagen „Asoziales Wohnen“ ist das beste Buch von allen.

Kritik gibt es auch an dem Buch, aber nicht an der Geschichte, es geht eher um die Lektoratsarbeit , leider strotzt es nur so von Rechtschreibfehler, was schade ist, aber allerdings auch nicht tragisch, weil wenn man wirklich komplett in der Welt versunken ist, dann nimmt man sie nicht unbedingt war, Tatsache allerdings bleibt, sie sind da.

Fazit:
Ohne viel herumzureden, sage ich es gleich: „Asoziales Wohnen“ ist mein Jahreshighlight 2012.

5 Sterne

Ein Gedanke zu “Asoziales Wohnen

  1. Ich habe das Buch auch gerade beendet und eine Rezension dazu verfasst. Kann dir nur zustimmen. Ich mochte es und doch war „Ich habe die Unschuld kotzen sehen“ noch etwas gelungen schockierender.

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