34 Meter über dem Meer

34 Meter über dem Meer
Titel: 34 Meter über dem Meer
Autor: Annika Reich
Genre: Belletristik
Seiten: 272 Seiten
Verlag: Carl Hanser Verlag
ISBN-10: 3446238638
ISBN-13: 978-3446238633

Erste Sätze:
Manchmal tauchte sie ab, um in einem anderen Leben wieder aufzutauchen. Sie konnte das – verschwinden und wieder auftauchen in einem anderen Leben. Meist verschwand sie nur in ihren Gedanken, aber manchmal verschwand sie auch ganz und gar. Und wenn sie dann wieder auftauchte, strahlte sie, erzählte von Unfällen und Zufällen und streichelte dabei mit den flachen Fingerkuppen sein Bein.

Klappentext:
Ella ist eine junge Frau, deren Kopf voller Wünsche ist. Horowitz ist ein in die Jahre gekommener Meeresbiologe, der niemals am Meer war. Ella und Horowitz könnten nicht unterschiedlicher sein. Doch eines verbindet sie:  Sie wünschen sich beide ein anderes Leben. Also tauschen sie ihre Wohnungen und entdecken ein neues.

„Tausche Wohnung!“ Auf dem Zettel stand tatsächlich: Tausche Wohnung. Und darunter: Älterer Herr möchte seine Wohnung tauschen. 6-Zimmer-Wohnung in Charlottenburg zu tauschen gegen 2/3 Zimmer. Kein Aufpreis, keine Nebenkosten, keinerlei Avancen. Sie musste lachen. „Keinerlei Avancen“ – wer schrieb denn so was?“

Inhalt:
Horowitz, ein mittelalter Meeresbiologe, der noch nie das Meer gesehen hat, möchte aus seiner gewöhnten Umgebung ausbrechen und hängt deswegen Zettel aus, an denen er anbietet, seine Wohnung zu tauschen.
Ella hat gerade ihr Studium beendet, steht kurz vor ihrer ersten festen Arbeitsstelle und hat das Gefühl, mehr ein Verwirrspiel als ein Leben inne zu haben. Sie stößt zufällig auf die Wohnungstauschzettel und erhofft sich durch diese ungewöhnliche Methode mehr Klarheit für sich, ihre Liebe und ihr Leben.
Die beiden tauschen ihre Wohnung und lernen dadurch nicht nur neue Bekanntschaften kennen, nein, sie kommen sich selbst auch wieder viel näher.

Meine Meinung:
Die Idee hinter dem Buch klingt durchaus interessant, einfach mal aus deinem eigenen Leben hinausschlüpfen und ein anderes ausprobieren, schauen, ob man vielleicht in einer anderen Umgebung, sich auch ein wenig selbst verändert. Die Charaktere tun es, sie verändern sich stätig im Laufe des Buches, was vermutlich daran liegt, dass sie in ihrer neuen Wohnung, auf Bekannte des anderen stoßen, neue Verbindungen knüpfen, die ihr Leben positiv beeinflussen.

Was ich ein wenig Schade fand war, dass die Zwei, oder zumindest der Meeresbiologe, der noch nie das Meer gesehen hat, zwar kauzig klingen, aber nicht wirklich so rüberkommen. Ella war nett beschrieben, sie ist einen in ihren großen und kleinen Sorgen schnell vertraut und auch sympathisch, Horowitz dagegen, man liest von seinen Eigenarten, kann sich aber darüber nicht wirklich ein klares Bild machen, weil einfach doch das Facettenreichtum, meiner Meinung nach, nicht wirklich ganz ausgeschöpft wurde. Er bleibt, so eigenen wie er sein mag, relativ farblos und damit ausdruckslos.

„Glaubst du, dass ich mir was vormache, dass ich mir das Leben schönrede? Wenn das Leben nur das ist, was ich daraus mache, dann ist Schönreden vielleicht gar kein Problem, dann ist es vielleicht sogar das Beste, was man machen kann; aber wenn es doch noch ein anderes Leben gibt, eines, in dem es Wahrheiten gibt, die mit meiner Sicht der Dinge nichts zu tun haben, dann verstelle ich mir das Leben, indem ich es mir schönrede, dann lebe ich daran vorbei – und das ist das Letzte, was ich möchte.“ (Seite 198)

Ellas Leben dreht sich sehr stark um die Beziehung zu Paul, von der sie selbst noch nicht sicher ist, was sie davon halten kann, das heißt, man hat immer wieder ein paar romantische Elemente eingeflechtet, wobei man mit der Protagonisten auf der Seite steht, nicht zu wissen, wie sich die Geschichte entwickelt.  Generell ist es schwierig zu wissen, wohin sich Ella sowie Horowitz entwickeln, weil es immer wieder diese kleinen Überraschungsmomente und Wendungen gibt, die man sich gar nicht erwartet hat.  Diese Erzählweise hält die Spannung gut und durchgehend aufrecht.

Mein Leben fühlt sich an wie die Antwort auf eine Frage, die ich nicht kenne. (Seite 45)

Neben den positiven und negativen Gesichtspunkten, bleibt mir nur zu sagen, dass die Geschichte nett ist, mehr allerdings nicht. Der Schreibstil ist gut gewählt, lässt einen dranbleiben und wissen wollen, wie die Leben der Zwei sich entwickeln, allerdings ist nichts wirklich so herausstechend, dass es das Buch zu etwas besonderen machen würde. Sicherlich kann man das Buch lesen, so als kleine Lektüre zwischendrin, aber mehr als nett kommt mir dafür letztlich nicht in den Sinn.

Fazit:
Eine nette, kurzweilige Geschichte, über das ausbrechen aus alten Mustern.
3 Sterne

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