Alltagsnotiz

Meine Alltagsnotiz geht dieses Mal darüber, dass mir mein Alltag abhandengekommen ist und irgendwo in einer dunklen Ecke sitzt, sich vor mir versteckt. Im November 2012 hat mein Saisonjob geendet, mit Freude schaute ich auf die Zeit danach – Kaffee trinken, Schokolade essen, Bücher lesen und aus dem Fenster gucken. Freizeit, zeitweilig kann sie ganz schön sein, wird sie aber ein Dauerzustand, macht sie den Kopf stumpf. Kaffee schmeckt nur noch bitter, Schokolade schal, lesen kann man nicht 24 Stunden am Tag und irgendwann kennt man die Welt hinter seinem Fenster auswendig. Das Haus verlässt man nicht mehr, weil es ja keinen Ort gibt, wo man unbedingt hin müsste, da draußen gibt es niemanden, der auf einen wartet und so igelt man sich immer mehr ein, steht außerhalb der Welt, während das Leben um einen zu pulsieren scheint.
Man schreibt Bewerbungen, manchmal solche, bei denen man sie einfach schreibt, weil irgendwas geschrieben werden muss, doch manchmal schreibt man welche, nach denen man stündlich seinen Posteingang kontrolliert und es gar nicht erwarten kann, endlich eine Nachricht zu erhalten. Nachrichten sind allerdings selten und die Ungewissheit beginnt einen anzunagen. Ist irgendwann nur noch das Skelett übrig, fällt man in ein tiefes Loch und glaubt nicht mehr daran, jemals wieder Licht zu sehen.

Arbeitslosigkeit ist ein Gefühlskarussell, in welchen man Stammkunde ist. Man wird der Drehungen müde, Schwindel schleicht sich ein und eigentlich sucht man nur noch den Ausgang, aber es scheint, als würde es nie wieder einen geben. Hoffnungslosigkeit wird zum Lebenspartner und der Zweifel erobert das Herz. Wertlosigkeit beginnt den Kopf zu beschäftigen, es muss schließlich an einem selbst liegen, dass man aus dem gesellschaftlichen Rahmen gefallen ist, an wem auch sonst. Und so steht man morgens nicht mehr auf, weil man nicht weiß, wofür man jetzt auch aufstehen sollte, bleibt liegen und studiert die Zimmerdecke, die man schon viel zu genau kennt, fällt sie einen doch jeden Tag auf den Kopf. Schließt dann doch lieber wieder die Augen, weil schlafen zumindest bedeutet, nicht denken zu müssen und wenn man nicht denkt, wird man auch nicht verrückt.

Jeden Tag suche ich meinen Alltag, weil er doch irgendwo da draußen sein muss, außerhalb meines momentanen Sichtfeldes, aber doch, irgendwie will ich hoffen und nicht aufgeben, auch wenn aufgeben manchmal viel verlockender klingt, als jeden Tag neu zu beginnen.

6 Gedanken zu “Alltagsnotiz

  1. Puh, das hast Du gut beschrieben, ich kenn das auch. Und es macht so wenig Sinn, da zu jemand anderem zu sagen: „Kopf hoch!“ Das ist verdammt schwer. Ich wünsche Dir aber, dass sich ganz, ganz bald was tut. Und – geh trotzdem alle paar Tage ein bisserl raus, und wenn Du nur um den Block gehst. Der Fokus muss einfach mal verändert werden…es macht ein winziges bisschen zuversichtlicher. Alles Gute!

  2. Sehr treffender Text! Ich war zwischen Bachelor und Master auch eine ganze Weile auf Jobsuche und es war verzweifelnd. Kaum freie Stellen und wenn mangelte es an der Berufserfahrung. Im Jobcenter saß man Leuten gegenüber, die einen als Schmarotzer betiteln, obwohl man selbst nichts sehnlicher wünscht, als zu arbeiten, seine Fähigkeiten anzuwenden. Firmen haben im Schnitt drei Monate benötigt, bis man überhaupt von ihnen eine Antwort erhielt. Geldmangel sorgt dafür, dass man seine Freizeit nicht nutzen kann – kein Geld für ein neues Bewerbungsoutfit, einen Kinobesuch pro Quartal überlegt man sich dreimal, Reparaturen, eine neue Brille oder ähnliches bringen einen zum Verzweifeln und verbrauchen die mickrigen Ersparnisse, die in so einer Situation möglich sind. Das soziale Leben leidet, weil man Freunden oder dem Liebsten für jede Freizeitplanung absagen muss. Gesunde Ernährung ist auch nur bedingt möglich. Etc. etc.

    Was ich eigentlich damit sagen will: Ich versteh dich und ich wünsche niemandem so eine Situation. Ich hoffe, dass sich bei dir sehr bald alles wieder zum Positiven entwickelt und vor allem wünsche ich dir Kraft und Optimismus, was in solchen Zeiten viel zu schnell verloren geht.

    • Du beschreibst es ebenso treffend, ich stolpere immer über die mangelnde Berufserfahrung, aber woher soll man die auch nehmen mit 24, wenn man keine Chance bekommt und morgen darf ich wieder zum Amt, mich abwertenden Blicken aussetzen. Ein Spaß. So viele negative Dinge und doch versuche ich meinen Fokus auf das Gute zu richten, was doch sicherlich eines Tages kommen wird. Aufgegeben wird noch nicht. Danke dir, dass du dir die Zeit zum kommentieren genommen hast.

  3. das klingt ja nich so gut, ich wünsch dir viel kraft, es kommen wieder bessere zeiten. klingt doof und oberflächlich, is aber so 😉

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