Alles muss versteckt sein

Alles muss versteckt sein
Titel: Alles muss versteckt sein
Autor: Wiebke Lorenz
Genre: Thriller
Seiten: 352 Seiten
Verlag: Karl Blessing Verlag
ISBN-10: 3896674692
ISBN-13: 978-3896674692

Erste Sätze:
Weißt du, wozu du fähig bist? Ahnst du es auch nur ansatzweise?
Du liest die Zeitung oder schaltest den Fernseher ein und siehst die Nachrichten, Meldungen von Mord und Todschlag rieseln auf dich nieder wie der Wetterbericht oder die Aktienkurse, du merkst nicht einmal auf, wenn du hörst, dass ein Kind entführt und missbraucht wurde oder ein Mann erschossen, eine Frau gequält, enthauptet, zerstückelt, eine ganze Familie in Raserei ausgelöscht.

Klappentext:
Was tust du, wenn deine Mordfantasien Wirklichkeit werden?
Ihre Gedanken sind mörderisch, ihre eigene Angst davor unaussprechlich: Nach einem Schicksalsschlag erkrankt Marie an aggressiven Zwangsgedanken, betrachtet sich als Gefahr für sich selbst und andere. Monatelang kämpft sie gegen die grausamen Mordfantasien an, die wie Kobolde durch ihren Kopf spuken, ständig verbunden mit der Panik, sie könne diese furchtbar realen Fantasien eines Tages nicht mehr kontrollieren und in die Tat umsetzen. Und dieser Tag kommt, als Marie neben ihrem toten Freund erwacht, der mit einem Messer auf grausamste Weise niedergemetzelt wurde. Am Ende eines Gerichtsprozesses wird sie aufgrund ihrer Schuldunfähigkeit zum Maßregelvollzug in der forensischen Psychiatrie verurteilt. Dort sucht Marie verzweifelt nach Erinnerungen an die Mordnacht, denn für Marie selbst sind die Geschehnisse wie ausgelöscht. Nur ihr Arzt Jan scheint sie zu verstehen und ihr helfen zu wollen. Aber schon bald wächst in Marie der Verdacht, dass in Wahrheit vielleicht nichts so gewesen ist, wie es scheint…

Inhalt:
Marie erkrankt, nach einem schweren Schicksalsschlag, an Zwangsgedanken. Sie wird von Gewaltfantasien geplagt und befürchtet, diese in die Realität umzusetzen. Die Angst zermürbt sie und machte es ihr beinahe unmöglich, einen normalen Alltag zu führen. Eines Tages werden ihre schlimmsten Befürchtungen wahr, sie wacht neben ihrem toten Freund auf. Er wurde mit einem Messer grausam ermordet, genau wie es immer Maries Fantasie war, doch ihr Problem ist es, dass sie sich nicht dran erinnern kann, die ganze Nacht liegt wie in einen Nebel vor ihr. Die Beweise sprechen allerdings definitiv für sie als Mörderin, weshalb sie verhaftet wird. In einem Gerichtsverfahren erklärt man sie für schuldunfähig und weist sie in eine forensische Psychiatrie ein. Dort versucht sie ihre Erinnerung wiederzufinden, da die Ungewissheit an ihr nagt. Ist sie wirklich eine Mörderin, oder ist die Wahrheit doch eine ganz andere?

Meine Meinung:
Viel Gutes habe ich über das Buch gehört, so dass ich es einfach lesen musste. Meine Erwartungshaltung war riesig und auf den ersten Seiten wurde sie auch noch erfüllt. Der Einstieg gelingt leicht und schon bald ist man in der Geschichte gefangen. Man erfährt, wie sich die Zwangsgedanken in Maries Alltag einschleichen, welche Intensität sie haben und wie schwer sie wiegen. Marie arbeitet als Kindergärtnerin und so wenden sich ihre ersten Gewaltfantasien gegen ihre Schützlinge. Ein Grund scheint noch nicht ersichtlich, erst später wird man auf ein erlebtes Trauma gebracht, was der Auslöser sein könnte. Soweit, so gut. Die Geschichte hatte mich schnell gepackt, aber irgendwann schlich sich bei mir ein wenig Langeweile ein. Marie ist in der Psychiatrie, man erfährt von ihren Gedanken, woran sie sich erinnern kann und man lernt ihren Alltag kennen, aber irgendwie war es für mich ein wenig langatmig. Das Buch lässt sich gut lesen, der Schreibstil ist es keinesfalls, nein, er lädt noch dazu ein, immer weiterzulesen, für mich war es eher der Inhalt, der in Mitte der Geschichte ein wenig oberflächlich verläuft und eigentlich wusste ich auch schon, wie es weitergeht. Das Ende ist überraschend, aber den Verlauf bis zu den letzten 50 Seiten kann man eindeutig erahnen, weshalb ich deswegen auch nicht so gefangen von dem Ganzen war.

Authentisch und glaubwürdig sind die Beschreibungen, was vermutlich daher kommt, dass die Autorin selbst an Zwangsgedanken erkrankte. Ihre richteten sich wie im Buch gegen Kinder und deswegen ist es vom psychologischen Aspekt höchst interessant, weil es doch erschreckend ist, wie plötzlich solche Fantasie in einem entstehen, mit welcher Brutalität sie bei jedem auftauchen können, ohne dass man jetzt ein gewalttätiger Mensch sein muss.

Marie ist ein sehr sympathischer Charakter, der einnehmend ist, man fühlt mit ihr, in jeder Situation, mit. Die Beklemmung, die sie erlebt, während sie von den Zwangsgedanken gequält wird, ist nahezu greifbar. Auch die anderen Protagonisten sind sehr gut dargestellt und absolut realitätsnah.

Fazit:
Ein psychologisch ausgeklügelter Thriller, der in der Mitte leider einen Spannungsverlust erlebt und langatmig wird. Anfang und Ende sind genial, nur der Mittelteil kann leider nicht mithalten.

3 Sterne

2 Gedanken zu “Alles muss versteckt sein

  1. Danke für diese spannende Besprechung, durch die ich noch einmal in die Geschichte des Buches eintauchen konnte. Ich habe es während der Weihnachtsfeiertage gelesen und auf meinem Blog besprochen. Das Genre war für mich völlig unbekannt, aber ich habe das Buch als sehr lesbar und spannend empfunden. Anders als du, habe ich auch bis kurz vor Schluss nicht geahnt, in welche Richtung die Geschichte gehen würde.
    Danke auch für die zusätzlichen Informationen zur Autorin, da ich gar nicht wusste, dass sie auch an Zwangsgedanken erkrankt ist.

    • Du sagst es in deiner Rezension sehr treffen, „Alles muss versteckt sein“ ist kein typischer Thriller, was aber meine Erwartungshaltung war, ich hätte mir wirklich eine actionreiche Geschichte erhofft und in diese Kerbe schlägt das Buch eben nicht.
      Meine Vermutung, wie das Ende abschließt, war eigentlich nur geraten, dass es stimmte war vermutlich einfach nur Glück.
      Es ist aber tatsächlich spannend, einen zweiten Einblick in die Geschichte zu erhaschen, wo doch unsere Meinungen doch grundverschieden sind. Danke dir dafür!

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