Rachekind

Rachekind

Titel: Rachekind
Autor: Janet Clark
Genre: Thriller
Seiten: 512 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
ISBN-10: 3453409272
ISBN-13: 978-3453409279

Erste Sätze:
Er hat meine Augen nicht geschlossen. Mein starrer Blick stört ihn nicht. Er schaufelt Erde auf meinen leblosen Körper, bedeckt ihn Zentimeter für Zentimeter, ohne eine Pause einzulegen. Unwirklich. Alles ist so unwirklich. Selbst die Stille der Nacht. Kein Knacken von Zweigen, kein Rascheln im Gebüsch.

Klappentext:
Eines Abends verschwindet Hannas Mann Steve spurlos und lässt sie mit ihrer einjährigen Tochter Lilou zurück. Hanna ist sich sicher, dass etwas Schlimmes passiert ist, doch niemand glaubt ihr. Also begibt sie sich allein auf die Suche nach ihrem Mann. Als Lilou sich immer seltsamer verhält, scheint es, als stehe sie in Kontakt mit Steve. Hanna begreift, dass sie den Zeichen ihrer Tochter folgen muss, denn dies ist ihre einzige Chance, Antworten zu bekommen. Bisher hat ihre verzweifelte Suche nur eines zutage gefördert: Der Mann, den sie unter dem Namen Steve Warrington kennen und lieben lernte, hat offiziell nie existiert. Sie macht sich auf die Suche nach der Wahrheit und begibt sich dabei in tödliche Gefahr …

Inhalt:
Hanna kommt nach einer Veranstaltung gut gelangt nach Hause, doch irgendwas scheint dort anders zu sein. Steve, ihr Mann, ist spurlos verschwunden. Lilou, ihre einjährige Tochter, liegt mit Atemstillstand in ihrem Bettchen. Panik erfasst Hanna, in letzter Sekunde kann ihre Tochter gerettet werden, doch die Gefahr schwebt weiterhin über den beiden – was eine versuchte Entführung von Lilou bestätigt. Neben all diesen Dingen bleibt die Frage nach dem Verbleiben von Steve. Hanna beginnt Nachforschungen anzustellen, doch was sie entdeckt, schockiert sie zu tieft, ihr Mann Steve Warrington scheint nicht der zu sein, den sie kennt. Ihre Recherchen bringen sie in eine tödliche Gefahr…

Meine Meinung:
Durch schwärmerische Rezensionen ließ ich mich zu diesem Thriller verleiten. Beschreibungen zufolge sollte es sie ja hier um ein Highlight der Extraklasse handeln, mit dieser Erwartungshaltung machte ich mich auch an die Geschichte. Nach den ersten hundert Seiten fühlte ich mich zwar gut aufgehoben, aber nicht überwältigt. Es beginnt gleich damit, dass Hanna die Wohnung leer vorfindet und ihre Tochter, mit einem Atemstillstand, im Bettchen, so ist man sofort im Geschehen drin und stellt sich die ersten Fragen zu den Vorkommnissen. Ich dachte zwar, dass die ersten Seiten nicht spannend sind, doch hierbei handelt es sich um einen miesen Trick der Autorin. Sie beginnt einen langsam einzuhüllen, mit jeder Seite wird man mehr ans Buch gebunden, ob man mag oder nicht. Nach Seite 100 gelingt es unter Garantie nicht mehr, „Rachekind“ aus der Hand zu legen, viel zu sehr ist man schon in dieser Welt gefangen, auch wenn man zuerst das Gefühl hatte, gar nicht mal so gefesselt zu sein.

Es entsteht ein Verwirrspiel um Steves Verbleiben, schließlich gibt es keinen plausiblen Grund, wieso er Hanna hätte verlassen sollen, auch hätte er nie seine kleine Tochter im Stich gelassen. Viele Fragen bleiben, welche noch dadurch genährt werden, dass es im Buch im wieder zu Rückblenden einer fremden Person kommt. Diese Abschnitte stammen aus dem Jahr 1991, lange vor der Zeit, bevor die eigentlich Geschichte sich abspielt. Man fragt sich ständig, von wem die Einträge stammen und besonders, was sie überhaupt mit allen zu tun haben. Durch die Unwissenheit beginnt man, sich die wildesten Fantasien zusammenzustellen. Tausend Wege scheinen möglich, man verzweifelt sogar beinahe darüber, aber kurz vor der großen Verzweiflung lichtet sich alles – genau rechtzeitig. Ich war mir unsicher, ob ein Buch wirklich 500 Seiten lang die Spannung halten kann, ohne irgendwann langweilig zu werden. Janet Clark kann einen unter Strom setzen, spannt einen so lange auf die Folter, bis man schier nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht, aber dann fügt sich alles zusammen, ein Gesamtbild entsteht. Ich bin immer noch fasziniert darüber, wie beständig wirklich die Spannungskurve aufrechterhalten wurde.

Hanna ist gut beschrieben, man fühlt sich schnell in sich hinein. Lilou, die sich nach ihrem Atemstillstand verändert hat, gibt einem das ganze Buch über Rätsel auf. Hier spielt ein bisschen ein Mystikaspekt mit, der aber niemals übertrieben ist, sondern jederzeit glaubhaft und beginnt die Gedanken zu beschäftigen. Die Frage, ob so etwas wirklich geschehen könnte.
Allen anderen Charakteren steht man bis zum Ende hin skeptisch gegenüber, vertraut wird aus Prinzip niemanden und vertraut man mal doch, bekommt man wegen dieser Torheit eins vor den Latz geknallt. Die Personen sind authentisch beschrieben, aber dieses tiefe Misstrauen gegen alle lässt sich einfach nicht abschütteln, sondern bleibt an einem kleben – fantastisch.

Normalerweise nenne ich immer noch einen Kritikpunkt in einem Buch, weil es eigentlich auch immer einen gibt – bei „Rachekind“ nicht. Von der ersten bis zur letzten Seite ist man gefangen in einer Geschichte, bei welcher man niemanden vertrauen und schon gar nicht alles glaubt darf.

Fazit:
Ein durchgehender Spannungsbogen und eine Geschichte, die einen langsam einhüllt und niemals wieder loszulassen scheint. Genau so muss ein Thriller sein.
5 Sterne

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