Hauptsache nichts mit Menschen

Hauptsache nichts mit menschen
Titel: Hauptsache nichts mit Menschen
Autor: Paul Bokowski
Genre: Kurzgeschichten
Seiten: 160 Seiten
Verlag: Satyr Verlag
ISBN-10: 398148911X
ISBN-13: 978-3981489118

Erste Sätze:
Etwas Schreckliches ist passiert. Nie hätte ich gedacht, dass es wirklich so weit kommen könnte, aber es ist. Plötzlich unerwartet und ohne jede Vorwarnung: Meine Mutter hat mich gegoogelt.
Zu meiner großen Überraschung und all den sinistren, morbiden, beschämenden und vor allem unmoralischen Informationen über mich, die dieses wundervolle Unding namens „Internet“ einfach nicht vergessen will, war es ausgerechnet mein Backblog, der meine Mutter in eine gewisse Unruhe versetzte.

Inhalt:
Paul Bokowski, Berliner mit polnischen Wurzeln, versucht einfach durch den Alltag zu kommen, aber was soll man schon machen, wenn der Alltag einen Situationen in die Hand spielt, die nur mit viel Sarkasmus erlebt werden können. Skurrile Alltagerlebnisse, verpackt in Kurzgeschichten, die punktgenau beschreiben, wie absurd manchmal das Leben sein kann.

Meine Meinung:
Der Titel hat mich dazu verleitet, nach dem Buch zu greifen. Das Cover trägt auch sehr zu meiner Wahl bei, warum kann ich nicht genau sagen, aber egal, die Hauptsache ist doch, dass ich danach gegriffen habe. Die hier versammelten Kurzgeschichten überzeugen nämlich auf ganzer Linie und bescheren einen ein paar richtig gute Lesemomente.

Die vorliegenden Kurzgeschichten spielen sich alle in Berlin, meist in Wedding, ab. Als nicht Großstädter blieb mir manchmal nur ein Kopfschütteln übrig, allerdings ein amüsantes. Ich glaube, wenn man selbst aus der Hauptstadt kommt, dann wirkt das Buch vielleicht noch witziger, auch wenn es mich doch erreicht, bleibt einfach die Vermutung, dass jemand, der die „Szene“ kennt, noch mehr Freude haben könnte. Nebenher ist es aber nicht nur Berlin und seine Eigenheiten die thematisiert werden, Paul Bokowski gelingt es auch wunderbar, sich und seine Verhaltensweisen ins rechte Licht zu rücken. Ob er sich die Rettung seines Bezirkes auf die Fahne geschrieben hat, einen Nachruf auf seine Großmutter verfasst, einfach nur eine skurrile Unterhaltung mit der geliebten Frau Nachbarin führt, oder sich einen Schrank kaufen gehen möchte und dann doch irgendwie auf einer Weihnachtsfeier von IKEA landet, die Geschichten laden einfach zum Schmunzeln ein.

Ich las, dass sich einige beim lesen des Buches vor Lachen nicht mehr beherrschen konnten, was ich jetzt nicht so ganz unterschreiben kann. Keine Frage, da ist so viel Absurdität in den Geschichten beinhaltet, wie ich es selten mal gesehen habe, aber mehr als der Humor steht für mich der triefende Sarkasmus im Vordergrund, der einen schon mal sprachlos macht. Gelacht wird, sicherlich, aber mehr hatte ich mir die Frage gestellt, wie ein Mensch bitte auf solche Ideen kommt. Der Autor besitzt auf jeden Fall ein einzigartiges Gefühl, den Alltag in Geschichten zu packen, den Blick so zu rücken, dass die Situationen einen irgendwie doch immer wieder bekannt vorkommen.

Was man bei dem Buch beachten muss – durch die geballte Wortkraft fliegt man nur so durch die Geschichten, allerdings verpasst man dadurch auch viel, weil man einfach so überlagert von Eindrücken wird, dass es eigentlich empfehlenswert wäre, eine Geschichte zu lesen und danach das Buch wegzulegen, um eine Pause einzulegen und es nach einiger Zeit wieder zur Hand zu nehmen. So bleibt nämlich die Kraft jeder einzelnen Kurzgeschichte erhalten und geht nicht vielleicht irgendwo unter.

Wisst ihr, was wirklich schade ist? Es gibt kein weiteres Buch von Paul Bokowski – sarkastische Kurzgeschichten gibt es viele, richtig gute leider wenige, deswegen sollten manche Menschen mehr schreiben und ich hoffe inständig, noch viel mehr von dem Autor lesen zu dürfen.

Fazit:
Wer sarkastische Alltagsgeschichten sucht, ist mit „Hauptsache nichts mit Menschen“ wunderbar bedient. Für mich eines der besten Bücher auf diesem Gebiet.
5 Sterne

5 Gedanken zu “Hauptsache nichts mit Menschen

  1. Das Buch und auch Deine Rezension klingen sehr interessant für mich, daher habe es es gleich mal auf meine Wunschliste gesetzt. 😉

  2. Ich hab Paul Bokowski zum ersten Mal auf der Leipziger Buchmesse gesehen. Jeder der dabei war, wird verstehen warum er dort auftreten durfte. Er hat in ganz wenigen Minuten bestimmt 200 Menschen in seinen Bann gezogen und begeistert. Ich hab das Buch seitdem sicher schon 6 oder 7 Mal verschenkt. Es hat ausnahmslos jedem meiner Freunde gefallen. Sogar meine Eltern waren begeistert (und die sind zusammen fast 140 Jahre alt!).Ich finde es daher umso erstaunlicher, dass das Buch hier so polarisiert. Die 1-Sterne-Rezensionen kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Aber wie auch: Es mangelt ihnen total an Inhalt oder Argumenten. Klingt für mich einfach nur nach drei beleidigten und enttäuschten Lesern, die ihrem Ärger Luft machen wollten. Wirklich schade!Für mich steht fest: Eines der besten Bücher des letzten Jahres. Mein Exemplar gebe ich nicht mehr her. Es ist nämlich signiert!

      • Das scheint ein Spam- oder Bot-Kommentar zu sein. Die Rezension ist echt, aber anscheinend von amazon geklaut. Deshalb ergibt der Satz über die 1-Sterne-Rezensionen keinen Sinn.
        Wie auch immer:
        Coole Rezension eines coolen Buches! Und ein cooler Bücherblog sowieso!

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