Marcelo in the Real World

Marcelo in the real world
Titel: Marcelo in the Real World
Originaltitel: Marcelo in the real world
Autor: Francisco X. Stork
Genre: Jugendbuch ab 14 Jahren
Seiten: 368  Seiten
Verlag: Fischer FJB
ISBN-10: 3841421229
ISBN-13: 978-3841421227

Erste Sätze:
„Bist du bereit, Marcelo?“
Ich halte den Daumen och. Das heißt, ich bin bereit.
„Gut, ich schieb dich jetzt rein.“
Dann fährt er mich in den Tunnel. Mir gefällt das Gefühl, eng umschlossen zu sein. Das Licht ist nicht so hell, dass mir die Augen davon weh tun, aber ich schließe sie trotzdem.

Klappentext:
Wenn du die Welt mit neuen Augen sehen willst, betrachte sie mit den Augen von Marcelo.

Inhalt:
Marcelo hat eine Form des Asperger Syndroms, er kann sich gut Dinge merken, ist ziemlich schlau, kann allerdings nur schlecht die Emotionen von Menschen einschätzen, oder gar Dinge gleichzeitig tun, solche Sachen überfordern ihn. Marcelo ist aber nicht unglücklich, sondern eigentlich ein ganz normaler Teenager. In den diesjährigen Sommerferien, soll er einen Job in der Anwaltskanzlei seines Vaters annehmen, da dieser möchte, dass der Junge einmal die richtige Welt kennenlernt. Marcelo hätte zwar lieber einen anderen Job, beugt sich allerdings dieser Wahl. Nicht nur die Arbeit wird seinen Sommer bestimmen, nein, auch die Frage nach Gerechtigkeit spielt einen wichtige Rolle.

Meine Meinung:
Es gibt einige Bücher über Jugendliche mit Asperger Syndrom, neu ist die Idee also nicht, aber was „Marcelo in the Real World“ deutlich abhebt ist, dass der Protagonist nicht überzeichnet ist. Sonst kommt es einen oft vor, ein Autor würde alle möglichen Symptome aufzählen, nur weil sie zu diesem Krankheitsbild gehören, hier ist es anders, es wird nicht übertrieben, sondern realistisch erzählt, wie sich ein Alltag von Marcelo gestaltet.

Marcelo ist ein toller Charakter, durch seine kleinen Eigenheiten wird er nur noch liebenswerter und auch wenn er sich manchmal im Umgang mit Menschen schwer tut, so liest man doch raus, dass er alles Mögliche tut, um doch Verständnis für alle zu finden – noch so eine Sache, die ihn auszeichnet, er scheint keinerlei  böse Gedanken zu haben, sondern macht sich wertfrei an alle Situationen, was aber dazu führt, dass er in dem Buch tief in sich gehen muss, um eine Entscheidung zu treffen. Verraten mag ich jetzt nicht, worum es sich genau handelt, sonst bräuchte ja niemand das Buch lesen, aber sagen wir so, es ist eine Frage was richtig und was falsch ist, welche Moralvorstellungen man vertreten möchte. Es geht auch gar nicht darum, dass Marcelo eine Form von Asperger hat, sicherlich gehört es zum Gesamtbild, aber bei der Entscheidungssuche ist es vollkommen gleichgültig, so dass man darüber nachzudenken beginnt, wie man selbst handeln würde.  Eine Frage, die nicht leicht zu beantworten ist und so ist Marcelos Weg bewundernswert.

Das Cover ist wunderschön, allerdings stellte ich mir zu Beginn die Frage, was es wohl mit der Geschichte zu tun haben mag. Dieses Geheimnis wird gelüftet und es zeigt eigentlich nur auf, das Marcelo eine Verbündete findet, die ihm zur Seite steht. Hätte man gar nicht erwartet, es ist Jasmine, die eigentlich nur seine Vorgesetzte sein sollte, aber zwischen den beiden entwickelt sich so eine liebevolle Geschichte. Nichts romantisches, was wirklich zu viel gewesen wäre, sondern eine intensive Freundschaft, die einen sehr berührt.

Sucht man einen Kritikpunkt, so könnte man vielleicht wählen, dass das Buch stellenweise ein wenig langatmig ist, viel zu ausgeschmückt, auf der anderen Seite macht es diese unterschwellige Spannung wieder weg, wenn es darum geht, welche Entscheidung Marcelo treffen wird, weshalb es letztlich eigentlich doch keine Kritik am Buch gibt.

Interessanter Fakt: Francisco X. Stork  hat während seines Studiums in Einrichtungen gearbeitet, die unter anderem auch Leute mit Autismus-Spektrum-Störungen betreut hat. Heißt, der Mann kennt sich gut mit dem Thema aus und kann sicherlich eine Person mit dieser Erkrankung besser skizzieren, als jemand, der mit dem Thema noch gar nicht in Berührung kam.

Fazit:
„Marcelo in the Real World“ besticht vor allem durch seinen sehr liebenswerten Charakter, besitzt aber auch eine gesellschaftlich schwerwiegende Frage, die einen selbst zum Nachdenken bringt.
4 Sterne

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