Wunder

Wunder

Titel: Wunder
Originaltitel: Wonder
Autor: Raquel J. Palacio
Genre: Jugendbuch ab 10 Jahren
Seiten: 384 Seiten
Verlag: Carl Hanser Verlag
ISBN-10: 3446241752
ISBN-13: 978-3446241756

Erste Sätze:
Ich weiß, dass ich kein normales zehnjähriges Kind bin. Ich meine, klar, ich mache normale Sachen. Ich esse Eis. Ich fahre Fahrrad. Ich spiele Ball. Ich habe eine Xbox. Solche Sachen machen mich normal. Nehme ich an. Und ich fühl mich normal. Innerlich. Aber ich weiß, dass normale Kinder nicht andere normale Kinder dazu bringen, schreiend vom Spielplatz wegzulaufen. Ich weiß, normale Kinder werden nicht angestarrt, egal, wo sie hingehen.

Inhalt:
August Pullman, genannt Auggie, hat es nicht einfach im Leben. Er wurde mit dem Treacher-Collins-Syndrom geboren, einem Gendefekt, dessen Auswirkungen sind, dass er ein missgebildetes Gesicht hat. Mit seinen 10 Jahren, hat er schon 27 Operationen hinter sich, die eher gesundheitlicher Natur waren, nichts unbedingt mit Schönheit zu tun hatten. So muss er sich einen Alltag stellen, in dem er immer sofort Außenseiter ist, allerdings trotzdem im Mittelpunkt steht, weil ihn alle Menschen anstarren.
Lange wurde Auggie zu Hause unterrichtet, doch nun soll er eine normale Schule besuchen, damit er so etwas wie einen geregelten Alltag erlebt und sich mit Altersgenossen auseinandersetzt.
Seine Familie gibt ihm einen Rückhalt, liebt ihm bedingungslos, doch in der Schule wird er auf bekannte, aber auch unbekannte Probleme stoßen. Wie der Junge sein Schicksal meistert, wird eindrucksvoll im Buch beschrieben.

Meine Meinung:
Wo anfangen? Vermutlich einfach mal, bei dem außergewöhnlichen und einzigartigen Jungen August. Mit seinen 10 Jahren hat er schon eine Menge erlebt und durch die Gesichtsanomalie wird er heute noch oft angestarrt, muss sich mitleidigen, abschätzigen oder erschrockenen Blicken stellen.  Eine Sache, die an seiner kleinen Seele nagt, obwohl er eine liebevolle Familie hinter sich stehen hat, die alles versucht, um in ein ganz normales Leben zu ermöglichen.  Einerseits hat er noch eine sehr kindliche Art an sich, die besonders durch den Schreibstil heraustritt, andererseits ist der durch seine Erfahrungen schnell erwachsen geworden, diese Mischung macht es besonders eindringlich, das Leben des Jungen zu verfolgen.

Ich heiße übrigens August. Ich werde nicht beschreiben, wie ich aussehe. Was immer ihr euch vorstellt – es ist schlimmer. (Seite 10)

Unterteilt ist das Buch in einzelne Abschnitte, die aus der Sicht der unterschiedlichsten Personen erzählt werden. Mal ist es August, sein Freund, seine Schwester Via oder eine Bekannte. Alle erzählen ihren Alltag, der entweder stark, oder wenig mit Augusts verbunden ist. Besonders eindrucksvoll ist es, dass jeder dieser Abschnitt in einem eigenen Stil verfasst ist. Die Charaktereigenschaften lassen sich aus den einzelnen Worten herauslesen und zeichnen ganz eigene Persönlichkeiten.
Es ist auch schön zu sehen, wie sehr Augusts Erkrankung alle Menschen in seiner Umgebung berührt, beeinflusst und lenkt. Gerade diese Perspektivenwechsel tun dem Buch wahnsinnig gut.

Vordergründig dreht sich das Buch darum, das August in eine normale Schule kommt, vorher wurde er von seiner Mutter zu Hause unterrichtet. Diesen Schritt beschließen alle, damit der Junge einen geregelten Alltagsablauf bekommt und nicht mehr abgeschottet wird. Unproblematisch ist dieses Unterfangen nicht. Neu an eine Schule zu kommen, würde schon Stoff für ein Buch liefern, neu und nach dazu anders zu sein, füllt eine eigene Welt. Es werden die positiven Seiten beleuchtet, die Menschen, die dem Jungen wertefrei begegnen, allerdings stößt er auch auf Ablehnung, was hier auch thematisiert wird.

Die Dinge, die wir tun, sind das Allerwichtigste. Sie sind wichtiger als das, was wir sagen oder wie wir aussehen. Die Dinge, die wir tun, bleiben auch nach unserem Tod erhalten. (Seite 82)

Was mir ein wenig fehlt – August ist ein einzigartiger Charakter, man lebt mit ihm mit, aber das Mitfühlen, dass blieb bei mir ein wenig auf der Strecke. Es ist schon da, aber nicht mit dieser Intensität, wie ich sie mir erhofft und erwartet hatte. Mag daran liegen, dass meine Erwartungen riesig waren und hier einfach zu hoch, weil, so wie es geschrieben ist, ist es nicht schlecht, aber für mich einfach ein wenig dünn besiedelt.

Das Buch hat die Altersempfehlung ab 10 Jahren, gesagt sei aber, dass man da doch schon ein sehr geübter Leser sein müsste und ich es eigentlich eher auf 12 Jahre anheben würde.

Fazit:
Ein außergewöhnliches Buch, über einen außergewöhnlichen Jungen, der eine schwere Last zu tragen hat, aber eines niemals tut – aufgeben. Es handelt sich zwar um ein Jugendbuch, aber lesen sollte es vermutlich jeder, weil es einen viel über Menschlichkeit und Moral lehrt.

Danke für das Rezensionsexemplar an den Carl Hanser Verlag und lovelybooks!
5 Sterne

5 Gedanken zu “Wunder

  1. Eine tolle Besprechung, die Lust macht das Buch sofort zu lesen. Schon allein aufgrund des Namens der Hauptfigur muss ich bei diesem Buch immer an das von John Green denken. Ich bin gespannt, ob mir „Wunder“ genauso gut gefallen wird. 🙂

    • Mein erster Gedanke war auch John Green, gesagt sei nur, er hat schon seinen eigenen Schreibstil, der viel macht, aber ansonsten, ja, von der Schönheit würde ich die beiden Bücher schon gleichsetzen. Falls du es liest, wäre ich auch sehr auf deine Meinung gespannt!

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