Alles dreht sich

Alles dreht sich
Titel: Alles dreht sich
Autor: Rosemarie Eichinger
Genre: Jugendbuch ab 14 Jahren
Seiten: 208 Seiten
Verlag: Chicken House
ISBN-10: 3551520496
ISBN-13: 978-3551520494

Erste Sätze:
Wenn ich lüge, vermeide ich Augenkontakt, nestle an meinem Shirt herum, im schlimmsten Fall grinse ich blöd. Jeder Idiot erkennt, wenn ich lüge. Ich bin erledigt.
Ich haste hin und her, nage an meinen Fingernägeln, bleibe stehen. Nein, keine Lösung. Weiter hin und her.

Klappentext:
Moral wird überbewertet, ganz klar. Denn global betrachtet war die Lüge schließlich nur ein Furz im Universum. Und mit der Lüge kam die Liste. Und nach der Liste ging es erst richtig los.

Wir haben wenig Zeit und viel vor!

Inhalt:
Linda hat einen Gehirntumor. Ihr Leben verändert sich schlagartig. Im Krankenhaus lernt sie Max kennen, der ebenfalls an Krebs erkrankt ist. Gemeinsam beschließen sie, eine Liste zu erstellen, mit Dingen, die man unbedingt noch machen sollte bevor man „abkratzt“. Gefüllt mit banalen Themen, aber auch ernsthaften, beginnen sie sich mit ihrem Leben auseinanderzusetzen, zu entscheiden, was wirklich wichtig ist, wenn man sich der eignen Sterblichkeit bewusst wird.
Die Liste, sie entwickelt eine eigenen Dynamik und bringt die beiden, aber auch Lindas beste Freundin Pia, an den Rand der Legalität.

Meine Meinung:
Bei „Alles dreht sich“ handelt es sich um eine Geschichte, über die man eigentlich nicht viel schreiben darf, weil sie sich in eine komplett andere Richtung entwickelt, wie man es sich vorstellt. Mein Gedanke war, dass sich das Buch um die Liste drehen würde, die Linda und Max erstellen. Es mag auf den ersten Seiten stimmen, aber mit der Zeit nimmt alles eine andere Kontur an. Die Liste ist zwar der Auslöser für so manches, steht aber letztlich mehr im Hintergrund.

Lindas Krankheit ist ständig präsent, sie ist der Motor für alles. Ich hätte es mir womöglich ein bisschen mehr gewünscht, sie zu thematisieren. Natürlich kommt sie immer vor, aber nur am Rande, niemals ist es wirklich so, dass man über die Zweifel und Ängste von Linda liest, sie werden minimal angerissen, ab wirklich intensiv wird sich nicht mit den Gedanken und Gefühl auseinandergesetzt.

Ich habe Zeit. Die Schule besuche ich sporadisch. Meine Mutter schreibt mir eine Entschuldigung nach der anderen. Ich muss nicht, wenn ich nicht will. Ich muss nur sterben, auch wenn ich nicht will. (Seite 58)

Pia ist Lindas beste Freundin und stößt erst etwas später im Buch zu den beiden, bei dem Listenthema ist sie sich zuerst ihrer Position nicht sicher, möchte aber für ihre Freundin da sein, macht sich viele Gedanken um deren Krankheit und bringt für mich am meisten Gefühle auf. Max selbst ist gegenüber der Krankheit ziemlich taub, obwohl es genau das Thema ist, mit dem er sich so viel beschäftigt – leben und sterben. Eventuell reagiert er wegen seiner eigenen Krankheit so gleichgültig, obwohl da den Leser auch noch eine Überraschung erwartet, aber trotzdem, er war mir irgendwie zu glatt.

Erzählt wird das Buch aus der Sicht der Dreien, die sich beständig abwechseln. Es ist nicht immer leicht, gleich zu erkennen, wer nun erzählt, weil die Kapitel nicht mit dementsprechenden Überschriften versehen sind, aber man kommt nach einigen Sätzen selbst drauf und kann unterscheiden. Liest sich schnell in den Stil ein und übt sich in Geduld, wenn nicht gleich alles offensichtlich ist.

Das Thema, um welches sich das Buch eigentlich dreht, ist nicht der Umgang mit einer tödlichen Krankheit, sondern setzt sich eher damit auseinander, die Welt ein Stück zu verändern, eine Botschaft zu hinterlassen. Wie die Drei das anstellen, ist nach der Hälfte des Buches klar, war aber zu Beginn wirklich nicht zu erahnen. Es ist ein wichtiges Thema, worüber eigentlich jeder Bescheid weiß, sich aber nur die wenigstens Gedanken darüber machen, es lieber verdrängen. Nach dem Lesen bleibt das Thema kleben und lässt einen nachdenken, über das eigene Verhalten.

Ein kleines Highlight: Zusammen mit dem gedruckten Buch, bekommt man auch das E-Book mitgeliefert, kann es sich kostenlos herunterladen. Ziemlich praktisch.

Fazit:
Interessante Geschichte, wenn mir auch das Thema Krebs ein wenig zu kurz kommt, zumindest war es meine Annahme, es würde darum gehen, wie eine Jugendliche damit umgeht. Darauf ist es aufgebaut, doch mehr geht es darum, die Gesellschaft aufzurütteln, sie mit unbequemen Themen zu konfrontieren und den Wunsch, seine Spuren zu hinterlassen.

Danke für das Rezensionsexemplar an den Verlag Chicken House und buchbotschafter.de!

4 Sterne

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