Elsa ungeheuer

Elsa ungeheuer

Titel: Elsa ungeheuer
Autor: Astrid Rosenfeld
Genre: Belletristik
Seiten: 276 Seiten
Verlag: Diogenes
ISBN-10: 3257068506
ISBN-13: 978-3257068504

Klappentext:
Elsa ist starrköpfig, widerspenstig, verletzlich und manchmal schlicht und einfach ein Biest.
Für den Künstler Lorenz Brauer und seinen Bruder Karl ist ihr Name gleichbedeutend mit dem Schicksal. Doch was ist am Ende stärker – Ruhm? Rausch? Rache? Oder die Liebe?
Zärtlich und schonungslos schlägt Astrid Rosenfeld in diesem Roman einen Bogen von einer verrückten Kindheit auf dem Land bis zum Glamour der modernen Kunstwelt.

Erste Sätze:
Für manche Menschen scheint die Erde einfach nicht der rechte Ort zu sein, und meine Mutter Hanna war so ein Mensch.
In dem kleinen oberpfälzischen Dorf, in dem wir lebten, betrachtete man die Sachen nüchterner und nannte sie einfach eine Verrückte. Natürlich äußerte man dergleichen nur hinter vorgehaltener Hand.

Inhalt:
Ein kleines Dorf. Die Mutter von dem 8-jährigen Karl und dem 10-jährigen Lorenz Brauer ist gerade erst verstorben. Lange galt sie schon als psychisch gestört, der Sprung vom Balkon, ihr Tod, nicht für viele kommt er überraschend. Ihr Vater Randolph Brauer ertrinkt in Trauer, schafft es nicht mehr wirklich, für seine Söhne da zu sein, auch die Ferienpension, die er leitet, lässt er verkommen. Alleine sind sie jedoch nicht, die Haushälterin Frau Kratzler und der in der Pension als Dauergast bekannte Herr Murmelstein, von allen nur Murmeltier genannt, kümmern sich um die Jungen.
Eines Tages kommt die elfjährige Elsa in das Dorf. Ihre Mutter möchte eine Weltreise unternehmen, nur das Mädchen nicht mitnehmen und so bringt sie es zu ihren Verwandten. Sie ist anders, trägt seltsame Klamotten, benimmt sich zickig und versucht alles nur Mögliche, damit sie sich abhebt. Obwohl sie ein schwieriger Charakter ist, entsteht eine Freundschaft zu Karl und Lorenz, eine Freundschaft, die über alle Widrigkeiten bestand findet.

Meine Meinung:
Nachdem ich den Klappentext las, war ich eher auf einen Roman gefasst, der sich mit der modernen Kunstszene auseinandersetzt, dort sein Hauptaugenmerk gelegt hat. Nie hatte ich erwartet, so intensiv von allen 3 Beteiligten zu erfahren, ihre Kindheit mit ihnen zu durchstehen. Es hat einen interessanten Einblick gegeben, wie eine Begegnung ein Leben bestimmen kann. Die Kinder lernen sich kennen und es ist Karl, der relativ schnell Elsa verfallen ist, sie hat etwas Magisches an sich, was den Jungen in den Bann zieht. Er ist es auch, der die Geschichte erzählt und als Erzähler der Geschehnisse fungiert.

Untröstlich. Das Wasser schenkte mir keine Ruhe.
Untröstlich. Ich zog mich aus der Wanne.
Untröstlich. Windspiel kauerte neben mir auf den kalten Fliesen.
Stein und Spiegel. Bald höre ich auf. Bald. Nicht heute. Aber bald.
Untröstlich. Das Wort hämmert gegen meine Schädeldecke. Ließ mich das ganze Ausmaß seiner Bedeutung erfassen. Gibt es denn etwas Traurigeres als einen Menschen, den nichts zu trösten vermag?
Mehr Medizin. Mehr Medizin.
Schatten zogen vorbei. Wölfe oder Hunde? Meine Fäuste wollen sie vertreiben? Aber Schatten fürchten keine Schläge. (Seite 238)

Und obwohl das Buch „Elsa ungeheuer“ heißt, ist es gerade Elsa, die einen ab der Hälfte des Buches abhandenkommt. Sie zieht weg, doch wie ein Geist schwebt sie weiterhin über das Leben von Karl. Lorenz ist es eher, der keinen Gedanken an sie verschwendet. Das Leben der beiden hat sich verändert, sie suchen einen Platz für sich – Lorenz entscheidet sich dazu, sich der Malerei zu widmen und nun tritt die im Klappentext erwähnte Kunstszene auf. Dieser „Ausflug“ gibt einen kleinen Einblick, wie die Maschinerie abläuft, was Kunst ist und wie sehr sie davon abhängig ist, dass man sich den Gegebenheiten ergibt. Die Situation wird eine Zerreißprobe, geht darum, wie man einen Menschen systematisch zerstören kann. Während des Lesens fiebert man mit, verteilt seine Sympathien und hofft doch nur auf ein gerechtes Ende.

Vielleicht ist es leichter, von Toten Abschied zu nehmen, weiß man doch, dass keine Worten, keine Taten etwas daran ändern können: Sie sind weg. Aber bei einem lebendigen Mädchen gibt es Möglichkeiten. Man kann es aufhalten, festhalten. Man braucht nur die richtigen Worte, die richtigen Taten zu finden. Eine Zauberformel? Einen Reim? Einen Tanz? Ich wusste es nicht. (Seite 158)

Würde man mich fragen, welcher Abschnitt mir besser gefallen hat – Kindheit oder Leben in der Kunstszene, eine Antworte könnte ich darauf nicht finden. Jedes hat seine eigenen Reize besessen, wenn ich auch in dem zweiten Abschnitt ein wenig Elsa vermisst habe, sie wächst einen trotz ihrer Eigenarten irgendwie ans Herz und dann sie zu „verlieren“ ist schade, passt sich allerdings gut in die Geschichte ein, hätte vermutlich gar nicht anders sein dürfen und trotzdem war es ihre Jugend, über dich ich mir ein paar mehr Einblick gewünscht hätte.

 Fazit:
Für dieses Buch lässt sich ganz schwer ein Abschlussresümee finden, weil es eine Wucht an sprachlicher Gewalt ist, die kein Fazit erlaubt, sondern als Gesamtbild gesehen werden muss. Es ist die Geschichte über einen Menschen, der einen eine Zeit lang begleitet hat, der alles verändert und einen dazu bringt, sich seinen eigenen Gedankengängen zu ergeben, während das Leben ohne diese Person weitergeht und doch von ihr abhängig bleibt.

4 Sterne

Ein Gedanke zu “Elsa ungeheuer

  1. Über „Elsa ungeheuer“ habe ich schon so viele unterschiedliche Meinungen gehört, dass ich es kaum abwarten kann, wie das Buch mir gefallen wird. Ich habe erst vor kurzem „Adam Erbe“ gelesen und war begeistert, dementsprechend hoch sind nun die Erwartungen an ihr zweites Buch. 🙂

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