Im Pyjama um halb vier

Im Pyjama um halb vier

Titel: Im Pyjama um halb vier
Autor: Gabriella Engelmann, Jakob M. Leonhardt
Genre: Jugendbuch ab 12 Jahren
Seiten: 237 Seiten
Verlag: Arena
ISBN-10: 3401067931
ISBN-13: 978-3401067933

Klappentext:
Lulu sucht verzweifelt nach Ben, den sie auf der letzten Party kennengelernt hat. Ben sucht nach gar nichts, findet aber plötzlich eine Facebook-Nachricht von irgendeiner Lulu in seinem Posteingang. Die beiden haben sich nie gesehen und dennoch fühlen sie sich gleich beim ersten Kontakt, als hätten sie nur aufeinander gewartet. Von diesem Moment an chatten Lulu und Ben jeden Tag, erzählen sich Dinge, die sie niemanden anderem auf der Welt anvertrauen würden. Mehr und mehr erkennen sie, dass nicht alles ist wie es scheint. Aber plötzlich entsteht da so ein Gefühl, gegenüber diesem Fremden, den man eigentlich gar nicht kennt.

Erste Sätze:
Lulu:
Hi. Bist du zufällig Ben, der beste Freund von Marco?

Ben:
Könnte sein. Wieso?

Lulu:
Nur für den Fall, dass du es bist, wüsste ich gerne, ob Marco eine Freundin hat.:)

Ben:
Huups, du bist ja direkter als Mario Gomez vorm Tor. Dachte immer, bei solchen Fragen geht man mit etwas mehr Fingerspitzengefühl vor. : )

Inhalt:
Auf einer Party entdeckt Lulu Marco, einen Jungen zum Verlieben. Leider verlieren sie ihn danach aus den Augen und das Mädchen sieht als einzige Idee, den besten Freund von Marco auf Facebook anzuschreiben. Der angeschriebene Ben Schumann ist allerdings nicht der Gesuchte und trotzdem, zwischen den beiden entwickelt sich rasant eine Internetfreundschaft. Sie erzählen sich gegenseitig von ihren Sorgen, Liebesproblem und auch ganz alltägliche Dinge finden Platz. Je mehr sie miteinander schreiben, desto mehr wächst der Wunsch, sich zu sehen, zu erfahren, wer hinter den Avatar Lulu Rakete und Ben Schumann steckt.

Meine Meinung:
Zwei Jugendliche: Luca-Luisa, genannt Lulu, ist 16 Jahre alt, Ballettschülerin und lebt in Hamburg. Ben ist 17 Jahre alt, ein erfolgreicher Basketballspieler und wohnt in München. Die Entfernung würde es eigentlich fast unmöglich machen, dass die beiden jemals aufeinander treffen, doch in Zeiten des Internets ist nur ein Klick notwendig. Zu Beginn steht ein Missverständnis, doch irgendwie kann Lulu nicht von Ben lassen, warum auch, wenn man schon einmal einen Jungen hat, der einen die komplizierte Welt dieser erklären kann, dann sollte man es doch ausnützen. So sieht es auch Ben, was eine Freundschaft entstehen lässt, in der es keine Tabus gibt.

Liebe ist natürlich ein großes Thema im Buch, nicht unter Lulu und Ben, sondern getrennt voneinander. Sie erzählen sich gegenseitig ihre Erfahrungen, aber auch Probleme. Miteinander versuchen sie Lösungen zu finden, aber auch Gedankenschranken zu öffnen. Und obwohl mir Liebesgeschichten nicht so liegen, ist es in diesem Buch anders, es ist zwar ein dauerpräsentes Thema, aber da man es nur in dieser Facebookunterhaltung mitbekommt, ist da doch eine angenehme Distanz. Womöglich machte für mich die Faszination einfach aus, dass man in einem Facebook-Chat mitlesen durfte, der doch sonst geheim ist und niemand einen freiwillig mitlesen lässt. In „Im Pyjama um halb vier“ darf man über die Schulter schauen, Geheimnisse lesen und neugierig ist doch jeder.

Die Gestaltung des Buches sollte man auch unbedingt erwähnen: wie auf Facebook, findet man sich in einem Chat wieder, wobei Lulus Avatar pink und eine Rakete beinhaltet, der von Ben blau und aus einem Basketball besteht. Die Schrift im Buch ist durchgängig blau, was eine schöne Abwechslung zu sonstigen Büchern ist. Gespickt wird der Chat auch immer wieder von Pinnwandeinträgen, die mir eigentlich am besten gefallen haben, weil ich ein wenig in den Nerdinator verliebt bin, den zwar sonst niemand leiden kann, der aber so einen herrlichen sarkastischen Ton anschlägt, dass er mein persönlich Held ist.

Neben der lockeren, oft auch witzigen Geschichte, die sich vor allem um Teenagerprobleme dreht, steckt dahinter noch ein großes und wichtiges Thema, was man sich nicht hätte ausmalen können, diese Drehung, von der Leichtigkeit, in die tiefe Ernsthaftigkeit, hat das Buch, nach dem Lesen, noch einmal eine Portion eindringlicher gemacht.

Das Buch ist so geschrieben, dass die Geschichte eigentlich abgeschlossen ist, aber dann doch nicht. Potenzial und Stoff für einen zweiten Teil sind durchaus vorhanden und ich flehe beinahe darum, auch wenn es dann vielleicht kein „Chatroman“ mehr wird, sondern es einen anderen Weg einschlägt.

Fazit:
Was wie eine lockere Jugendgeschichte beginnt, verwandelt sich in ein Buch mit Tiefgang und lässt einen nach dem Lesen gedankenverloren und mutig zurück. Mutig, weil es einen dazu bringt, selbst auch einmal etwas zu riskieren, obwohl man niemals wissen kann, ob es sich lohnt.
5 Sterne

3 Gedanken zu “Im Pyjama um halb vier

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