Betreutes Wohen

Betreutes wohnen
Titel: Betreutes Wohnen
Autor: Christian Bartel
Genre: Belletristik
Seiten: 240 Seiten
Verlag: Ullstein Taschenbuch
ISBN-10: 3548284116
ISBN-13: 978-3548284118

Erste Seite:
Wir sitzen in Tante Matthes‘ grünen Trabantenkombi, lutschen auf unseren Papierfetzen herum und mir kommen ernsthafte Zweifel, ob ich wirklich auf LSD zur Abi-Zeugnisverleihung gehen sollten. Dabei hatte das gestern Abend noch wie eine gute Idee geklungen, aber jetzt natürlich: Fracksausen.

Klappentext:
Was macht ein junger Mann, wenn sich das Mädchen seiner Träume Anfang der Neunziger plötzlich in einen israelischen Kibbuz verabschiedet? Richtig: Den Zivildienst antreten. Der Einsatzort ist eine Behinderten-WG in der Nähe von Köln. Dort trifft er nicht nur auf Käpt’n Horsti, den selbsternannten Wrestlingexperten und Schlagerliebhaber, sondern auch auf Günther, den großen Schweiger, der zur Entspannung am liebsten Leerkassetten hört.
Mit grandioser Komik und zugleich voller Liebe erzählt Christian Bartel von den WG-Bewohnern, die jedem Leser sofort ans Herz wachsen.

Inhalt:
Ein junger Mann, der nach dem Abitur unentschlossen ist wie es mit ihm weitergehen sollte. Das Mädchen seiner Träume verschwindet nach Israel und seine Fantasien dahingehend sind somit gestorben. Die Idee den Zivildienst anzutreten, scheint das einzig Richtige zu sein. Die Wahl fällt auf eine Behinderten WG in Köln, in welcher er die unterschiedlichen Persönlichkeiten kennenlernt. Mal liebenswert, verschwiegen oder amüsant anstrengend. Eines haben sie aber alle gemeinsam, auf ihre eigene Weise sind sie besonders, durch ihre Augen bekommt die Welt einen neuen Glanz.

Meine Meinung:
Das Buch legt einen schlechten Start hin: sitzen ein paar Freunde in einem Trabi und nehmen LSD, damit ihre Abiturfeier etwas „besonderes“ wird. Fragwürdig und obwohl es eine Satire, oder zumindest ein humoristisches Buch sein sollte, bin ich bei diesem Thema einfach empfindlich. Nach den ersten Seiten wollte ich das Buch weglegen, weil es mir einfach zu dümmlich war, aber dann war mir klar, man sollte sich nicht vom ersten Eindruck blenden lassen und las erst einmal weiter. Und es wurde tatsächlich besser. Wir begleiten den namenlosen Mann auf den Weg zum Zivildienst, den er eigentlich antritt, weil ihm nichts anderes einfällt. Diese Behinderten WG ist es auch, die den Charme des Buches ausmacht, ohne sie, wäre die Geschichte abgestürzt, weil viel zu überzogen.

Wir haben eigentlich zwei WG’s, die auf der Zivildienststelle und dann der junge Mann, der mit seinem besten Freund Tante Matthes zusammenwohnt. In die Zweite bekommt man zwar nur wenig Einblick, doch was man sieht ist durchaus realistisch, wenn auch die beiden Charaktere ziemlich abstrakt gestaltet sind. Eine Verbindung konnte ich zu ihnen schon herstellen, doch sonderlich intensiv war sie nicht. Anders geht es mir da mit der Behinderte WG, deren Bewohner wachsen einen schnell ans Herz, sind gerade durch ihre Eigenarten liebenswert. Käpt’n Horsti, der den großen Auftritt liebt, oder Günther, der stundenlang eine einzige Sache betrachten kann und ausgeglichen wie ein Zen Meister ist. Ihre Charaktere sind wirklich fassbar.

Vor allem aber ist die Realität für Horsti nur so eine Art Serviervorschlag, und wenn sie ihm zu fad wird, lügt er sich ein Sahnehäubchen obendrauf. Das Problem dabei ist freilich nicht, dass Horsti lügt wie gedruckt, das Problem ist, dass Horsti glaubt, was er sagt. (Seite 160)

„Die Zeit“ schreibt über dieses Buch: „Komisch, schräg, bissig“ zumindest sagt es der Klappentext, aber ehrlich gesagt, keines dieser Worte trifft auf das Buch zu. Lachen musste ich dabei nie, vielleicht mal ein wenig schmunzeln, aber mehr war nicht drin und obwohl meine Erwartungshaltung nach einem humorvollen Buch nicht eingehalten wurde, fühlte ich mich gut unterhalten. Es ist halt einfach eine nette Geschichte, nichts was nachhaltig in Erinnerung bleibt, aber doch während des Lesens schön war.

Ein Kritikpunkt meinerseits wäre die häufige Verwendung von Fremdwörtern. Kann man mir jetzt ankreiden, weil ich zu ungebildet bin, aber Worte wie: mäandert, angegrient, klerikalen, Bravade usw., die wollten mir aus dem Steggreif nichts sagen und nur durch nachschlagen ergaben sie für mich einen Sinn. Es passt einfach nicht zum Gesamtbild des Buches, welches auf lockere und leichte Weise daherkommt und dann hier eine Schwere entwickelt.

Fazit:
Es ist jetzt nicht das humorvollste Buch, aber die Geschichte unterhält einen ganz gut, wenn man die ersten Seiten überblättert und sich von dieser Dümmlichkeit zu Beginn, nicht abhalten lässt.
4 Sterne

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