Libressio – Mein Buchgeständnis

Libressio

Simone alias Leselurch hat die interessante Aktion „Libressio – Mein Buchgeständnis“ ins Leben gerufen – jeden Monat gibt es eine Aufgabe, oder besser gesagt die Möglichkeit, eine persönliche Geschichte zu seinem Leseverhalten zu schreiben.

Die erste Frage ist: Dieses Buch ist schuld an meiner Lesesucht!

Bei mir ist es durchaus nicht so, dass ich immer schon gerne gelesen habe. Die ersten Schuljahre quälte ich mich durch das Fach Deutsch, wäre deswegen auch beinahe sitzen geblieben. Meine Grammatik und Rechtschreiben ist zwar auch heute noch furchtbar, weil ich damit immer noch auf Kriegsfuß stehe, aber zumindest ist mir das geschriebene Wort heute näher.

In der 7. oder 8.Klasse verkündete mein Deutschlehrer folgendes: „Textverständnis ist wichtig, deswegen werden wir dieses Schuljahr vier Bücher lesen.“ Meinen Widerwillen kann man sich vorstellen und damals hatte ich auch noch kein Internet, so dass ich den Inhalt irgendwie hätte ergoogeln können, ohne eine Seite zu lesen – deswegen musste ich mich der Situation beugen. Lesen mussten wir: „Der Gletschermann“ von Erich Ballinger, „Krabat“ von Otfried Preußler und zwei frei wählbare Bücher (ich glaube, meine Entscheidung fiel auf die Serie „Kommissar Spaghetti“, wobei ich diese wählte, weil sie so dünn war). Keines dieser Bücher hat mich letztlich freiwillig zum Lesen gebracht, mehr wurde ich zum Nachdenken angeregt: Bücher können so viele verschiedene Geschichten erzählen, vielleicht gibt es welche, die meine Gedanken irgendwie niederbringt.

Was man da wissen sollte: In der Schule war ich ein Außenseiter, gemobbt wurde ich nicht, nein, für die meisten war ich einfach nur unsichtbar. Zwar durfte ich bei jeder Gruppe dabeistehen, aber wäre ich nicht da gewesen, es hätte jetzt auch niemanden gekümmert und auf Grund dessen fühlte ich mich sehr einsam, oft unverstanden, weil meine Altersgenossen so „anders“ schienen, es hab keinerlei Gemeinsamkeiten zwischen uns. Bücher mit diesen Thema begann ich zu suchen, fand unzählige, aber ich glaube, keines hat mich so geprägt wie „Sprich“ von Laurie Halse Anderson.

Sprich

In ihm geht es um ein Mädchen, was aufhört zu sprechen, weil es der Meinung ist, dass es sowieso niemanden interessiert, was sie zu sagen hätte. Es traf punktgenau, auch ich sprach mit 15 Jahren nicht mehr viel. In Melinda, so heißt die Protagonistin, fand ich eine Freundin, fühlt mich ungemein verbunden mit ihr. Sofort besorgte ich mir die englische Ausgabe, weil ich dachte, womöglich würde die Geschichte dadurch noch intensiver werden – amüsant, bis zu diesem Zeitpunkt war mein Englisch furchtbar schlecht, aber weil mir dieses Buch so einen Auftrieb verlieh, verbesserte ich dort auch meine Fähigkeiten. Schon kurz danach besorgte ich mir auch das Hörbuch, welches nur auf Englisch erschienen ist – weiß noch, wie aufwändig es war, es überhaupt aufzutreiben.

Das Buch wurde auch verfilmt, lief aber nur im amerikanischen Fernsehen, aber dank youtube kann man sich dort den kompletten Film anschauen, der für mich die grandiose Vervollständigung dieser außergewöhnlichen Geschichte ist. Noch heute bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich die ersten Töne der Filmmusik höre.

4 Gedanken zu “Libressio – Mein Buchgeständnis

  1. WOW! Vielen Dank für diesen Beitrag! Das ist wirklich eine intime Geschichte und ich bin ganz sprachlos, dass du sie uns erzählt hast!

    Das Buch kannte ich bisher gar nicht, aber es kommt jetzt definitiv auf meine Wunschliste. Ich bin ganz gespannt darauf, wie die Autorin die Geschichte erzählt hat, denn sie klingt sehr tiefgründig. (Ich muss aber zugeben, dass mich das Cover irgendwie an „Das Schweigen der Lämmer“ erinnert.. urghs!)

    Ich finde es auf jeden Fall total großartig, dass du durch das Buch trotz deiner „Leseunlust“ zum Lesen gefunden hast und dich heute von der Magie der Bücher mitreißen lassen kannst. 🙂

    Alles Liebe, Lurchi

    • An „Das Schweigen der Lämmer“ muss ich auch immer denken, aber es passt ja irgendwie ein bisschen, zumindest geschweigen wird viel 😉

      Tiefgründig – ja, es ist eben eines dieser Problembücher für Jugendliche, aber eines, dass richtig gut gemacht wurde.

      Ich finde deine Aktion einfach wahnsinnig spannend und schön zu sehen, wie der Einzelne zum Lesen gekommen ist, da dachte ich mir, lass ich euch einfach auch an meiner Welt teilhaben – freu mich schon auf die nächste Aufgabe!!

  2. Dass es auch ein Buch zum Film gibt wusste ich gar nicht, habe ich mir aber sofort notiert. Für mich hat der Film eine ganz besondere Bedeutung, ich habe ihn vor einigen Jahren entdeckt und bereits mehrmals angesehen. Schön, dass du ihn auch kennst.

    Liebe Grüße
    Mara

    • Buchverfilmungen sind immer so eine Sache, aber hier muss ich sagen, dass es eine absolut wunderbare Umsetzung ist und das Buch nur noch intensiver macht.
      Wäre gespannt zu wissen, wie es dir gefällt und welchen Vergleich du zwischen den Beiden ziehst.
      Alles Liebe
      Yvonne

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