Ein ganzes halbes Jahr

Ein ganzes halbes Jahr
Titel: Ein ganzes halbes Jahr
Originaltitel: Me before you
Autor: Jojo Moyes
Genre: Belletristik
Seiten: 512 Seiten
Verlag: rororo
ISBN-10: 3499267039
ISBN-13: 978-3499267031

Erste Sätze:
Als er aus dem Bad kommt, ist sie wach, hat sich gegen das Kopfkissen gelehnt und blättert durch die Reiseprosekte, die neben seinem Bett gelegen haben. Sie trägt eines seiner T-Shirts, und ihr langes Haar ist auf eine Art zerzaust, die ihn unwillkürlich an die vergangene Nacht denken lässt.

Klappentext:
Louisa Clark weiß, dass nicht viele in ihrer Heimatstadt ihren etwas schrägen Modegeschmack teilen. Sie weiß, dass sie gerne in dem kleinen Café arbeitet und dass sie ihren Freund Patrick eigentlich nicht liebt.
Sie weiß nicht, dass sie schon bald ihren Job verlieren wird – und wie tief das Loch ist, in das sie dann fällt.

Will Traynor weiß, dass es nie wieder so sein wird wie vor dem Unfall. Und er weiß, dass er dieses neue Leben nicht führen will. Er weiß nicht, dass er schon bald Lou begegnen wird.

Eine Frau und ein Mann.
Eine Liebesgeschichte, anders als alle anderen.
Die Liebesgeschichte von Lou und Will.

Inhalt:
Lou und Will, zwei Menschen die nicht viel gemeinsam haben. Die 27-jährige Lou ist quirlig und doch ein wenig in ihrem Leben festgefahren. Es hat einen festen Rahmen und Abwechslungen kommen eher selten vor. Als sie ihren Job verliert, sich auf etwas Neues einlassen muss, da kommt es zu einer Wendung, die ihr ganzes Leben auf den Kopf stellen wird.
Will war einst ein erfolgreicher Geschäftsmann, bis er durch einen Unfall vom Hals abwärts gelähmt ist. Der ehemals glückliche und lebensfrohe junge Mann fällt in einen dunkles Loch, sein Leben scheint keinerlei Sinn mehr zu machen, ein unerträglicher Zustand, doch dann tritt Lou in sein Leben und plötzlich ändern sich die Dinge.

Meine Meinung:
Nach dem Klappentext und auch nach einigen Rezensionen dachte ich mir, bei dem Buch würde es sich um eine Liebesgeschichte handeln, viel will ich von der Geschichte nicht vorwegnehmen, gesagt sei aber, dass es viel mehr um das Leben geht, mit seinen Schatten und Sonnenseiten, Hindernissen und Glücksmomenten. Zentral dreht es sich um Lou, die als Pflegerin bei Will anfängt, auch aus ihrer Sicht wird die Geschichte erzählt. Wir gehen mit ihrer Skepsis an die Sache ran, fühlen uns aber immer schneller in die Situationen ein, bis es sich einfach nur zu einer einzigartigen Freundschaft verwandelt, die zwischen den Beiden herrscht.

Stark wird in dem Buch thematisiert, welchen Problemen sich Behinderte jeden Tag stellen müssen, es ist manchmal ein extremer Aufwand Situationen zu planen, was einen gar nicht so bewusst ist, was man alles zu bedenken hat. Für einen Außenstehenden ist es ein interessanter, manchmal erschreckender Einblick in eine Welt, die viel zu unbekannt ist. Weiteres und vielleicht noch stärker im Fokus der Geschichte ist das Thema Sterbehilfe. Dieses Thema spaltet, doch dem Buch gelingt es alle Seiten zu beleuchten, besonders gut ausgearbeitet ist die Tatsache, dass man sowohl die Gedanken des „Patienten“ erfährt, aber auch die der Angehörigen. Es ist so,  beendet man das Buch, bleibt die Geschichte im Kopf, verlangt danach, dass man sich damit auseinandersetzt, sich selbst hinterfragt und Antworten sucht, wie man selbst in gewissen Momenten reagieren würde. Sterbehilfe, wer denkt schon darüber nach, wenn er sich nicht in dieser Situation befindet?

Überrascht war ich von dem Humor, der sich in jedem Kapitel vorfinden lässt. Lou, aber auch Will haben eine zynische Seite an sich, die einen den einen oder anderen Lacher entlocken, obwohl es eigentlich ein Thema ist, bei dem es nichts zum Lachen gibt, aber es ist oft Situationskomik, die alles ausmacht. Dieser Witz, neben traurigen Rahmen, es bringt einen in eine Gefühlsachterbahn, weil man nicht weiß, ob man manchmal lachen oder doch weinen sollte, großes Kino, wenn es ein Buch schafft, eine innerliche Zerrissenheit herzustellen.

Oft im Zusammenhang mit „Ein ganzes halbes Jahr“ wird  der Film und das Buch „Ziemlich beste Freunde“  erwähnt, manche sprechen auch von einer Kopie von dessen, aber ehrlich, natürlich gibt es Parallelen, aber in den meisten Thrillern kommen Leichen vor, was letztlich noch lange nicht heißt, sie während gleich gestrickt – es sind zwei Paar Schuhe, gleich ist, dass es hier eine Person im Rollstuhl gibt, die eine Pflegekraft hat. Gefühle und Ausflüge sind aber komplett verschieden.

Fazit:
Dieses Buch lässt sich eigentlich nicht in Worte fassen, es ist ein Gefühlsabenteuer der Sonderklasse, was von allen etwas besitzt: Humor, Tragik, Liebe und Freundschaft. Wunderbar.

Danke für das Rezensionsexemplar an rororo und lovelybooks.de!

5 Sterne

9 Gedanken zu “Ein ganzes halbes Jahr

  1. Für mich war das Buch wie klassisches Popcornkino. Man liest es und man vergisst es. Es war nicht schlecht, aber auch nicht überragend. Im Hinblick auf ‚Ziemlich beste Freunde‘ ist ja nicht nur die Behinderung in beiden Fällen gegeben, sondern auch der entsprechende Freund, der versucht, dem Behinderten das Leben doch noch schmackhaft zu machen. Wie gesagt, ich fands okay, mehr aber irgendwie auch nicht. (;

    • Es ist jetzt schon ein paar Tage her, seit ich das Buch gelesen habe und mit gesundem Abstand betrachtet, da passt dein Wort Popcornkino ganz gut. Die Geschichte verblast wahnsinnig schnell, ich hatte den Gedanken, die Kopfbewegungen würden mich länger beschäftigen, aber eigentlich liest man das Buch, denkt kurz darüber nach und legt es dann zu den Akten.

      Gut, aber im Gegensatz zu „Ziemlich beste Freunde“ steht nicht unbedingt der Tod hinter allen Bemühungen, aber klar, wie gesagt, die auffälligen Parallelen gibt es, was mich persönlich nicht gestört hat.

      Du hast keine Rezension zu dem Buch geschrieben, oder? Dein Blickwinkel wäre nämlich doch sehr interessant, finde ich 🙂

      • Ich hatte tatsächlich eine geschrieben, sie aber nicht veröffentlicht. Ich habe das Buch schon relativ früh gelesen, weil mein Chef es mir in die Hand drückte und so hatte ich schon durch die Sperrfrist einige Wartezeit, bis ich die Rezension hätte veröffentlichen können. Und dann war es mir doch zu .. bedeutungslos irgendwie. Das, was davon in mir geblieben ist, reichte nicht aus. Ich hab sie sogar noch auf dem PC. (;

      • Kann mich dunkel erinnern, dass du etwas über einen Ausflug in einen anderen Buchbereich geschrieben hast. Und auch wenn letztlich zwar nicht alles bedeutungsvoll sein muss, spricht es doch Bände, wenn du es so abgehakt hast, obwohl, neugierig bin ich trotzdem noch, aber es ist natürlich dein Blog, deine Welt – die schaut aus, wie es dir gefällt und ist angefüllt mit Dingen, die dir wichtig sind, soll ja auch genau so sein!

  2. schöne Rezension 🙂 Irgendwie hört man über das Buch ja doch nur Gutes, was mich schon ein bisschen neugierig macht. vielleicht muss ich mir das ja jetzt doch endlich mal besorgen 🙂

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