Krank im Kopf – Band 1

Krank im Kopf

Titel: Krank im Kopf – Band 1
Autor: Kornelia Busch
Genre: Belletristik
Seiten: 252 Seiten
Verlag: Books on Demand
ISBN-10: 3842350376
ISBN-13: 978-3842350373

Erste Sätze:
„Hab dich!“ Mit einem letzten großen Satz schaffte es der Polizist endlich, die Fliehende einzuholen und am wehenden Nachthemd zu packen. Sie geriet ins Straucheln und fiel zu Boden. Der Uniformierte keuchte und schwitzte vor Anstrengung. Er war zu dick und solche Anstrengungen nicht mehr gewöhnt.

Klappentext:

Die Autorin erzählt in „Krank im Kopf“ packend und realistisch das Leben und Erleben einer Frau, deren Seele zutiefst verletzt worden ist: Camilla. Emotional sehr instabil, stürzt Camilla von einer Krise in die andere, während sie den harten, fast aussichtslosen Kampf gegen ihre Krankheit wagt. Immer wieder kommt es dabei zu dramatischen Eskalationen, denn sie muss erst noch lernen ihre extremen Gefühle zu kontrollieren, die jahrzehntelang durch Pillen unterdrückt worden waren. Während ihrer Psychiatrie-Aufenthalte trifft sie auf Menschen mit ähnlichen Schicksalen. Auch diese leben wegen ihrer psychischen Erkrankungen im Ausnahmezustand und im gesellschaftlichen Abseits.

Sensible Portraits von besonderen Menschen, bewegende und komische Momente, lebensgefährliche Eskalationen, aber auch der ganz normale Alltag in einer psychiatrischen Einrichtung – das alles wird hier facettenreich und realitätsnah erzählt.

Beim Leben des Buches entdeckt auch der „Normale“, dass ihm viele Gedanken und Gefühle gar nicht so fremd sind. Und auf einmal erscheinen die „echten Psychos“ alles andere als verrückt.

Inhalt:
Camilla hat die Diagnose Borderline Persönlichkeitsstörung erhalten, doch was es tatsächlich heißt, mit dieser Bezeichnung zu leben, das kann man nur erahnen, im Buch wird es einem näher gebracht. Einblicke in verworrene Gedankengänge und oft, für Außenstehende, unverständliche Verhaltensweisen, bringen einen ein Thema näher, über das viel zu wenig gesprochen wird. Neben dem Alltag mit einer psychischen Erkranken, erfährt man aber auch ein wenig über Aufenthalte in Kliniken, die immer mit einem negativen Bild behaftet sind, letztlich aber einfach nur unterstützende Tätigkeit besitzen. „Krank im Kopf“ zeigt eine Welt, die anders ist, aber doch irgendwie ihre eigene Logik besitzt.

Meine Meinung:
Laut Klappentext finden sich im Buch „sensible Portraits“ wieder, was mich vermutlich ließ, dass man unterschiedlichsten Menschen begegnet, auf 252 Seiten habe ich mir schon eine aufschlussreiche Mischung an Krankheitsbildern erwartet, letztlich waren es genau drei Fallbeispiele und dann auch nur solche, die aus Camillas Sicht erläutert werden. Ist jetzt nicht tragisch, nur war meine Erwartungshaltung eher eine größere Mischung, aber so war es eben ein sehr detailreicher Einblick.

Camilla ist die Hauptprotagonistin des Buches, die ersten 140 Seiten zeigen ihre Gedankenwelt auf, die interessant und ausführlich erläutert wird. Zwar kommen später Psychiatrieaufenthalte dazu, doch sehe ich im Buch eher eine Ausführung darin, wie man mit einer psychischen Störung den Alltag gestaltet, von Therapiegesprächen und -maßnahmen bekommt man als Leser des Buches nichts mit, was ein wenig schade ist, weil es doch irgendwie dazugehören würde. Was man geliefert bekommt, ist durchaus interessant, wäre aber um ein vielfaches eindringlicher, wenn man auch erfahren würde, welche Bewältigungsstrategien es für diverse Verhaltensweisen geben würde.

Es ist auch so, dass alle Störungsbilder aus der Sicht von Camilla erzählt werden. In der Klink lernt sie zwei Personen kennen, die im Buch näher betrachtet werden, deren Verhaltensweisen eben von außen beobachtet und damit erklärt werden. Wie es gelöst wurde, also eine Erkrankung von außen zu erläutern, war schon gut gemacht, aber auf der anderen Seite wäre eine Lösung, dass der Betroffene selbst zu Wort kommt, was seine Gedankenwelt betrifft, auch irgendwie spannend gewesen. Ich hatte mir nicht einen Haupterzähler erwartet, sondern dass jeder Erkrankte selbst für sich zu Wort kommt, was aber wie gesagt nicht der Fall ist und einfach vom Leser verlangt, gewisse Erwartungshaltungen abzulegen.

Das Buch ist einerseits für jemanden mit denselben Problemen geeignet, weil es einfach einen Wiedererkennungswert für Betroffene in den Geschichten gibt, allerdings muss man sich davon distanzieren, dass es sich um ein Selbsthilfebuch handeln könnte, was eindeutig nicht der Fall ist. Dem Leser wird der Alltag mit einer psychischen Störung dargelegt, keine Bewältigungsstrategien für diverse Situationen oder dergleichen. Andererseits ist es sicherlich für Außenstehende oder Angehörige ein sehr interessanter Einblick, der einen geboten wird, um zumindest ein wenig Verständnis für einige Verhaltensweisen aufzubringen, wobei am besten einfach die Borderline-Persönlichkeitsstörung ausgeleuchtet wird, wobei Camilla auch noch andere Diagnosen gestellt bekommen hat und es wohl eher einfach ihre Person insgesamt ist, die am besten beschrieben wird.

Gut gewählt finde ich die Situation von Camilla – liest man über Betroffene der Borderlinepersönlichkeit, hat man meistens jemanden Mitte zwanzig vor Augen, weil es wirklich einfach nicht oft thematisiert wird, dass mit Fünfzig diese Diagnose noch an einem haften bleibt, hier ist es aber so, zudem ist Camilla auch noch Mutter, was wieder einen gesonderten Einblick bietet, obwohl ich ja gerne mehr über das Familienleben erfahren hätte. Die Ehesituationen wird beleuchtet, aber wie die Kinder mit der Erkrankung umgehen usw., das bleibt im Dunkeln.

Es gibt einen zweiten Teil von „Krank im Kopf“ der Camillas Lebensgeschichte weiterführt, laut Beschreibung auch die Therapie ein wenig mehr in den Fokus rückt, heißt, alles was ich ein wenig bemängelt habe, könnte dort ausgemerzt werden. Vom Konzept scheint es gleich aufgebaut zu sein – eine Porträtsammlung von Menschen mit psychischen Erkrankungen.

Fazit:
„Krank im Kopf“ bietet einen Einblick in die unterschiedlichsten psychischen Erkrankungen, wenn ich es auch schade finde, dass die therapeutischen Maßnahmen komplett ausgeblendet wurden und man davon überhaupt nichts erfährt. Das Buch hat gute Ansätze, die sich manchmal ein wenig verlieren, nicht aufgegriffen werden, aber doch letztlich überzeugen konnte und Interesse am zweiten Band weckt.

Danke für das Rezensionsexemplar an Books on Demand!

4 Sterne

2 Gedanken zu “Krank im Kopf – Band 1

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