Wenn ich was kann, dann nichts dafür

Wenn ich was kann, dann nichts dafür

Titel: Wenn ich was kann, dann nichts dafür
Autor: Jan-Uwe Fitz
Genre: Humor
Seiten: 256 Seiten
Verlag: Ullstein Taschenbuch
ISBN-10: 3548374786
ISBN-13: 978-3548374789

Klappentext:
Eigentlich ist Jan-Uwe ein Vergrämer.
Genauer: ein Taubenvergrämer. Mit Menschen kann er auch nicht so richtig. Doch eines Tages ist plötzlich alles anders: Ihm fällt auf, dass er noch nie eine Taube vergrämt hat. Und so begibt sich Jan-Uwe auf eine abenteuerliche Reise, die den Stadtneurotiker durch Berlin und weit in die Welt hinausführt. Sein Ziel: Venedig, das Tauben-Eldorado…

Erste Sätze:
Kurz bevor ich auf die Welt komme, treffe ich das Orakel.
„Hallo, Frau Orakel“, begrüße ich es fröhlich.
„Woher wissen Sie, wer ich bin?“, fragt es zurück.
„Keine Ahnung, Instinkt?“
„In-stinkt!“, betont es jede Silbe verächtlich. „Sie sind mir auch so ein Instinkt…“

Inhalt:
Taubenvergrämer, kein leichter Job, aber irgendwer muss ihn ja machen. Unser Mann fürs Grobe heißt Jan-Uwe Fitz. Todesmutig stellt er sich seiner Arbeit, allerdings stellt sich Ernüchterung ein, als er feststellen muss, ja eigentlich, eigentlich hat er noch nie wirklich eine Taube vergrämt. Kann einen schon mal die Laune trüben, aber was noch nicht ist, kann noch werden und so macht sich Jan-Uwe auf den Weg in die weite Welt, irgendwo wird er sie schon finden, die Taube, die sich von ihm vergrämen lässt. 

Meine Meinung:
Eine absurde Geschichte, absolut – auf so etwas muss man sich einlassen können, dafür brauchte es ein paar Seiten, bis man mittendrin im Geschehen ist. Nach dem Erstling „Entschuldigen Sie meine Störung“ war ich natürlich neugierig, mit welchen Ideen Herr Fitz dieses Mal aufwartet und es waren gemischte Gefühle. Die ersten hundert Seiten lesen sich flüssig und doch war der Humor auf Sparflamme, absonderlich war es schon, aber so überzeugen konnte es mich nicht. Ein wenig war ich enttäuscht darüber, allerdings war es niemals schlecht, es war einfach nicht so intensiv wie gewohnt, aber dann, dann kam ich zur Seite 117 und das Buch machte eine komplette Drehung. Es kommt mir ein bisschen so vor, als wollte der Autor erst einmal testen, wie er mit der Geschichte zurechtkommt, sobald er aber angelangt ist, bei der Handlung und dem Protagonisten, da beginnt es zu funktionieren. Der Humor, einzigartig, aber doch empfehle ich jeden, man solle sich den Twitteraccount von dem Vergrämer ansehen, damit man weiß, mit welcher Art von Witz man rechnen muss, ich bin mir nämlich auch sicher, es ist nicht jedermanns Kaliber.

Wie erwähnt, die Handlung ist absurd und man fragt sich eigentlich beständig, wie es jetzt wohl mit der Geschichte weitergeht, laut Klappentext wird es ja eine Reise nach Venedig, aber Venedig ist jetzt nicht wahnsinnig weit von Deutschland entfernt, da muss doch etwas geschehen, mehr sein. Mehr ist eigentlich nicht, weil es passiert nicht viel, betrachtet man nur das Leben von Jan-Uwe Fitz, was herausragend ist, das sind die Dialoge, die er führt. Niemand geht gerne zum Zahnarzt, aber wenn Herr Fitz eine Begegnung beschreibt, dann wird es etwas ganz besonders. Und man findet sich in Situationen wieder, keine Ahnung wie man so viel Fantasie und Talent haben kann, aber es ist schon ein bisschen unverschämt. Alltagssituationen, ein wenig aufgemischt und schon kommt man aus dem Lachen nicht heraus. Es ist dieser Ideenreichtum, der das Buch so besonders macht.

„Ich sage es Ihnen zum letzten Mal, Frau Meiser: Sie sind meine Geiseln, Ich werde sie bestialisch abschlachten.“
„Haben Sie schon angefangen?“
„Ich…ich treffe letzte Vorbereitungen! Die dauern natürlich ein bisschen.“
„Ach so. Ich habe mich nämlich schon gewundert, dass Sie einfach nicht nach Hause gehen. Aber als Geiselnehmer braucht man natürlich Sitzfleisch. Wäre ja blöd, wenn Sie vor Ihren Geisel keinen Bock mehr hätten.“
„Merken Sie sich das jetzt endlich: Sie befinden sich in meiner Gewalt, und Ihr Leben hängt am seidenen Faden.“
„Jetzt seien Sie doch nicht so gereizt, Herr Fitz. Sie sind doch selbst schuld, dass ich Sie nicht ernst nehme. Sie wirken so unbedrohlich. Mehr wie lieber Besuch als wie … Wie heißt der noch mal?“
„American Psycho?“
„Ja, genau.“ (Seite 121)

Den Protagonist mag man, gut, zuerst scheint er ein wenig seltsam, aber je mehr man in seine Welt abtaucht, in die Abneigung gegen Menschen, seine kleinen Neurosen und verqueren Gedanken, desto mehr beginnt man ihn zu mögen, diesen Kauz, der so menschlich ist, der man doch auch irgendwie ein bisschen selbst ist. Wie gesagt, man kann ihn nur mögen, hat Mitleid mit den armen Tropf, dessen Leben schon davon gezeichnet ist, niemals ein leichtes zu werden.

Fazit:
Nach ein paar Startschwierigkeiten, wird es ein grandioses Buch, wie man es sich nur erhoffen konnte. Neben den absurden Situationen, witzigen Gesprächen, ist es letztlich vor allem der Vergrämer, der dieses Buch zu diesem einzigartigen Werk macht – man kann ihn nur mögen, diesen Menschen, der anders ist und der doch in jeden von uns wohnt.
5 Sterne

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